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Wie ich zu Schostakowitsch fand

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Vor einigen Monaten fand ich rein zufällig Kontakt zu einer fast gleichaltrigen netten jung gebliebenen Frau unmittelbar in der Nähe meiner Heimatstadt.

Sie machte mich auf etwas aufmerksam, auf Facebook gibt es Gruppen die sich an der Stadt orientieren und ab und an tauchen innerhalb dieser Gruppen Erinnerungen auf.

Erinnerungen findet man immer, wenn man alte Fotos sieht, allerdings welche Erinnerungen hat man an eine Zeit, wo der 2. Weltkrieg gerade mal 5 oder 10 Jahre beendet war?

Um da etwas genauer einzusteigen veröffentliche meine Kirchengemeinde hier zum 100 jährigen Bestehen den Spiegel der Pfarrer und da waren sie wieder da, all meine Erinnerungen.

Kurzum mir begegnete auch jene ungewollt, die von der Kanzel predigten und so wenig über sich und ihre Vergangenheit sagten aber stets die Gemeinde ermahnten.

Es war in der Zeit, wo mancher meinte „die Zeit heilt Wunden“ doch ihre Wunde wurde mir nachher bewusst, es waren jene Pfarrer die zuvor der Hitlertreuen Deutschen Kirche angehörten.

Unser heutige Pfarrer, konnte mir dabei folgen und beziehe ich das wiederum auf unsere Lehrer bis zum Jahre 1965 also auf die ersten zehn Jahre meiner Schulzeit sah das bei denen ebenso aus.

Es fand kein Riss in Deutschland statt vielleicht war es das Gegenteil von dem was erforderlich gewesen wäre.

Wer erinnert sich nicht an diese Vielzahl von sichtbar gealterten und vergrämten Frauen mit dem Kopftuchknoten im Haar die das Straßenbild einnahmen.

Sicherlich leisteten sie eine unvergleichbare Aufbauarbeit doch was dachten sie?

Mitunter konnte man es hören, ihnen fehlten ihre Männer und sie lebten in Teilruinen und fragten immer wieder „ wieso eigentlich“?

Die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit fand kaum statt auch nicht in den ersten Schulklassen, was hatten wir für Lehrer?

Überwiegend waren das keine, die aus der Umgebung jener stammten die mit dem 22. Juli 1944 in Berührung kamen.

An eine Begegnung erinnere ich mich, vielleicht war das in meiner 10. Klasse im Musikunterricht.

Damals hatte ich das Gefühl hier unterscheidet man innerhalb der Werte, denn die ersten Neureichen in der Republik mussten sich offenbaren.

Es gab das Schulorchester und das setzte sich aus Mitschülern von einigen benachbarten Schulen zusammen, da sah man einen Unterschied, denn wer kannte eigentliche die klassische Zusammensetzung eines Orchesters?

Wer hatte Zugang zu einem Instrument und wer konnte es spielen?

In unserer Familienbande sollen sich 2 Klaviere befunden haben, davon verschwand eins in den letzten Kriegstagen auf abenteuerliche Weise.

Mein Vater hatte aufgrund der Enge in unserer Nachkriegswohnung innerhalb von kürzester Zeit die Suche nach dem Verbleib eingestellt, das übriggebliebene stand in den Werkstatträumen meines Großonkels.

Den Kontakt hatte ich allerdings, nur stellte ich stets fest, beim Klavierspiel fehlt mir meine linke Hand.

Half mir nicht weiter, vielleicht waren in meiner Klasse auch zu viele Kinder der sog. Neureichen die Radio und Fernsehen spielen konnten oder es waren jene denen beide Hände vor den Tasten versagten?

Ich musste durch diese Musik AG, dabei eröffnete sich für mich eine bisher unbekannte Welt.

Eine neue Musiklehrerin stellte sich vor und beschritt einen ganz anderen Weg.

Sie verehrte nämlich Schostakowitsch, alleine der Name und die Musik machte mich neugierig, dann brachte sie die Schallplatte mit.

Langspielplatten gab es noch nicht, diese hatte die Größe einer 45 er musste allerdings mit 33 abgespielt werden, es war die 7. Sinfonie von Schostakowitsch also die Leningrader.

Wir wussten eigentlich zuvor gar nichts, weder von Schostakowitsch noch vom Leben in Leningrad während der Belagerung seitens der Wehrmacht.

Diese Musiklehrerin gab sich die Mühe uns das zu erläutern und über diesen Umweg, der eigentlich ein Zufall war entdecken wir ein Stück Geschichte, die man uns bisher weigerte zu erzählen.

Jahre danach, in der Zeit als ich meine Familie hier in Berlin gründete, traf meine Frau zufällig im Goethe Institut eine damals junge Russin.

Die Freundschaft entwickelte sich und das erste Zusammentreffen fand in unserer Wohnung statt, ich musste nicht nur den Wodka besorgen, diesmal russischen und keinen polnischen und dann irgendwann legte ich den Schostakowitsch auf.

Der war allerdings unter Stalin in Ungnade gefallen, nur unsere russische Freundin kannte ihn und die 7. Sinfonie.

Sie war die Tochter eines Offiziers der Roten Armee und im Jahr 1950 geboren in Wilna.

Wilna wiederum war die alte polnische Stadt namens Vilnus und gehört heute zu Litauen.

Was ich aber von ihr erfuhr, war das Stück Geschichte ihrer Eltern, beide ihre Mutter und ihr Vater waren unter den Verteidigern der belagerten Stadt Leningrad und hatten sich während dieser Zeit kennengelernt.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. Juli 2013 um 03:09 Uhr  

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