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Der Mönch vom Landwehrkanal

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Den neoliberalen Kräften gelang es die Sprachregulierung zu beeinflussen, mittels der Definition von Armut.

Man weichte diesen Begriff gekonnt auf, indem man selektierte, man baute die sog. noble Armut in unseren Städten und Gemeinden standfest aus.

Um das zu interpretieren sollte man sich etwas näher mit der Armut in unseren Gemeinden beschäftigen, sprechen nicht von verarmten Gemeinden und Städte sondern wir sollten zunächst unseren Blick auf verarmte Menschen richten.

Es gibt in unseren Breiten eine Vielzahl von Menschen, die ganz unten gelandet sind, die durch alle Raster der Behörden fallen und keine Verwaltung schafft es sich diesen Menschen sich anzunehmen.

Mir wurde es vor mehr als 20 Jahren bewusst, wie viel Armut sich bereits in der unmittelbaren Nachbarschaft ausgebreitet hat. Damals zog in einen Querhof am Kreuzberger Paul Lincke Ufer ein Streetworker ein, es war ein Mönch in der unverwechselbaren Kutte.

Der Mönch als Streetworker und ich, wir wurden also Nachbarn.

Der Mönch sah seine Aufgabe darin, den Menschen auf der Brücke des Landwehrkanals und im Bereich des U- Bahn Bahnhofs Kottbusser Tor mit Barmherzigkeit und Hingabe etwas von der Menschlichkeit zurück zu geben.

Ich unterhielt mich nicht nur mit ihm, sondern ich sah ihn tag täglich bei seiner Arbeit als Streetworker zu, der Mann in der Kutte so man ihn, dieser Mönch hatte einen 24 Stunden Tag.

Er erzählte mal, wie schwer es ist überhaupt an diese Menschen die ganz unten sind heranzukommen.

Es sind Menschen die teilweise in einer Gruppe leben, die ihre eigene Gesetze hat und trotzdem sind sie vereinsamt, denn diese Menschen misstrauen Jedermann.

Es sind mitunter Menschen die verweigern sich ihrer Vergangenheit und das sind nicht nur Alkoholiker, es sind Menschen die wurden aus ihrem Leben gerissen und gerieten in einen Teufelskreis.

Der Teufelskreis beginnt damit, dass man niemand mehr traut, sie trauen sich auch untereinander nicht und streiten.

Das erlebte auch der Mönch, denn der schaffte es in einer leeren Fabriketage diesen Menschen einen Schlaf- und Ruheplatz anzubieten.

In der Taz stand damals der Artikel über diesen Mönch, man vergisst es nicht, denn der Mönch verfügte über diesen Baseballschläger.

Den setzte er zwar nie ein, doch diese Sprache verstanden seine Schützlinge, man erlebte es, bereits im Morgengrauen waren seine Schützlinge von einer Unruhe getrieben, sich machten sich auf und davon.

Über diese Art der Unruhe im Menschen der eigentlich in unserer Gesellschaft ganz unten ist, sprachen wir einmal im Sozialforum.

Es ist der noch vorhandene Wille des Menschen sich in unserer Gesellschaft zu verstecken, sie ziehen als Einzelne durch unsere Straßen und möchten nicht auffallen.

Dem Mönch gelang auch nicht alles, denn diese Gruppe hat keinen harten Kern, es kommen mitunter Trittbrettfahrer hinzu und die werden von der Gruppe erkannt und das führt wieder zu Auseinandersetzungen.

Es gibt nämlich auch dort unten denen Schwache und Starke, es gibt die Wortführer und jene die dem Mönch vertrauten.

Dem gelang es wenigstens an ihre Vor- oder Rufnamen zu kommen, mehr sagten sie ihm auch nicht, nur erzählten sie ihm meistens sehr viel.

Es waren für ihn Menschen, denen man Barmherzigkeit schenken müsste, denn auch sie hätten einen Namen.

Er schaffte es für einige des Mittags das warme Essen zu beschaffen, ging mit einigen mit ins benachbarte St. Marienkrankenhaus und bat um wohltätige Speisen.

Der Mönch fand auch den Kontakt zu einer Ärztin, die sich mitunter aufopfernd um seine Schützlinge bemühte, Jutta die Ärztin hat noch ihre Praxis im Maybachufer und von Jutta weiß man, sie ist nach wie vor die Ärztin der Armen, sie weißt niemanden ab der in ihre Praxis findet.

Der Mönch beendete seinen Dienst, es war vielleicht im Jahr 1994, er ging zurück ins Kloster, doch zuvor sprachen wir miteinander.

Er hatte seinen Auftrag erledigt, mehr nicht und verwies mich eigentlich auf ein neues Problem.

Dieses beschrieb er als „ Behördenwillkür“ und das aus gutem Grund, denn er kannte mittlerweile seine Umgebung.

In dieser Umgebung wohnten viele verarmte einsame alte Menschen, mit sog. Minirenten, diese Menschen sparten sich vieles vom Munde ab um ihre Wohnung nicht zu verlieren und keine Behörde sah das, denn eigentlich gibt es die Grundsicherung.

Warum sprach man nicht mit diesen Menschen, dessen Renten weit unter der Grundsicherung lagen, waren hier die Behörden zu träge oder können Verwaltungen nur die Armut verwalten?

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 14. August 2013 um 03:11 Uhr  

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