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Ein verschwundener Industriezweig

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Verschwundene Institutionen, sie verschwanden aus unseren Städten ebenso wie mittlerweile die Stadtbäder dicht gemacht werden, fast jede mittlere Stadt in unserer Republik hatte bis Ende der 50. Jahre die eigene Ziegelei.

Die Ziegel, der Baustoff des Nachkriegsdeutschlands wurden vor Ort und in kommunaler Regie hergestellt, die Stadt plante und lieferte dazu den Baustoff.

Man sah sich dabei in einer durchaus sozialen Verantwortung, kurze Anfahrwege, bedarfsgerecht, und abbaukonzentriert zudem beschäftigte man Bürger.

Ziegeleien waren zwar keine Goldgrube aber der rauchende Schornstein ein Sichtzeichen des Wiederaufbaues.

Der Beruf des Ziegelbäckers war ein gefragter, denn man arbeitete vor Ort und gegen eine gute Bezahlung, der Bauunternehmer kannte stets die Ziegelleitung und es waren mitunter eine Vielzahl von kleinen Unternehmen die immer wieder die gebrannten Ziegel benötigten.

Der Rohstoff lag vor den Toren der Stadt, es war der Lehmboden und mancher See heute ist mehr als die Erinnerung an den Lehmabbau in den Nachkriegsjahren.

Der Lehmabbau fand unmittelbar in der Grube statt und lief fast mechanisch geplant.

Es war der Grabbagger der sich verfraß und seine Schaufel in die Loren entleerte, die Lorenkleinbahn war der Magnet auf Schienen.

Die kleine Zugmaschine zog drei oder vier Loren voller Lehm und brachte die leeren Loren in Stellung, wenige Mitarbeiter bedienten die Weichen.

Über die schräge Ebene bediente man sich des Seilzugs, da liefen volle Loren hoch und leere hinunter, dann koppelte man die Loren wieder an eine Zugmaschine.

Der Lehm wurde zum Mischer gefahren, man befreite ihn vom Gestein und gab entsprechendes Wasser hinzu.

Danach begann die Handarbeit, es gab Ziegel in unterschiedlichen Formen und Formaten, man füllte die Formen.

Ließ sie wirken und entformte die Masse, das gleiche Spiel bis man sie zum Lufttrocknen brachte.

Sie wurden des Wassers entzogen und grifffest, erst danach wanderten sie in den Ringofen. Meistens hatten Ziegeleien zwei Ringöfen, einen bestückte man und den anderen entleerte man.

Der Ringofen war das Herz der Ziegelei, unmittelbar verbunden mit der Maschine.

Eine Maschine die Wärme, Dampf und Kraft erzeugte und die ganzjährig betrieben wurde, der Koksvorrat, der Heizer und der Maschinist gehörten unmittelbar zusammen.

Alles andere nannte man den Ablauf, das Wort Logistik war noch nicht soweit durchgedrungen, man hatte stets genug Lehm und luftgetrocknete Ziegel.

Man konnte in den Wintertagen den Lehmabbau einstellen aber brannte die Ziegel weiter, stets so viele wie bestellt waren.

Erst wenn der Bau im Winter nicht mehr möglich war, stellte man die Ziegelbäckerei ein.

Städtische Ziegeleien waren der erste Anlaufpunkt von vielen Vertriebenen und Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg, hier fanden etliche ihre erste Stelle nach dem Krieg und sie leisteten harte Arbeit.

Wiederum andere wechselten des Geldes wegen und nahmen hier ihre Arbeit auf, man verdiente dabei nicht schlecht und die Nachfrage war vorhanden.

Allerdings kamen die Probleme von außerhalb, um mithalten zu können wurden die Lehmgruben größer und der Lehmboden mitunter tiefer, es entstanden riesige Löcher.

Ein weiteres Problem waren die Großbaustellen vor den Toren der Stadt, man benötigte an einer Stelle enorme Mengen von Ziegel, die schafften nur Groß LKWs.

Das Beladen dieser in den kleinen Städt. Ziegeleien dauerte Stunden, man lieferte auf Paletten und nicht mehr lose auf der Lieferfläche.

Damit begann der langsame Tod einer durchaus bekannten Institution, man rekultivierte und schüttete die Gruben mit Bauschutt voll.

Man sprengte die Schornsteine und riss die Rund Öfen ab, es verschwanden Industriedenkmale.

Es überlebten nur wenige, Ziegel kann man nun bestellen aber keiner weiß mehr wie und unter welchen Umständen sie hergestellt werden und wer was daran verdient.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 12. August 2013 um 03:17 Uhr  

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