Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Ein Adventspaziergang

Ein Adventspaziergang

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Ein nachdenklicher Adventsspaziergang, unser Ziel ist der Treptower Park im Südosten von Berlin und wir fahren per U- Bahn bis zur Warschauer Straße, laufen von dort zurück über die Oberbaumbrücke.

Denn diese Brückenkonstruktion steht im Zusammenhang mit der modernen Ausrichtung des Treptower Parks.

Dieser Park entstand nicht als Volkspark, wie so viele andere gerade im Ostteil der Stadt, im Zuge der Industrialisierung.

Der Treptower Park und die Oberbaumbrücke stehen für das Jahr 1896, in diesem Jahr gelang es Berliner Kaufleuten dem Kaiser die Schau der Industrie abzuringen.

An und für sich war der Auslöser dazu die Weltausstellung in Paris, der Kaiser sah das anders und es entwickelte sich das Konzept zu einer großen Industrieausstellung. Unter den Trägern der Oberbaumbrücke lässt sich heute noch erahnen, welchen Eindruck man hier vermitteln wollte.

Wir folgen dem Verlauf der Schlesischen Straße in südlicher Richtung, stehen vor der Bezirksgrenze Kreuzberg/Treptow und sehen östlich die Schleuse des Neuköllner Schifffahrtkanal, der Flutgraben war die Eingangspforte zur Industrieausstellung.

Das angrenzende Spreeufer der bewusst gewählte Teil um Deutschlands Rolle auf dem Wasser dem Kaiser und seinen Untertanen zu erklären.

Die heutige Puschkin Allee führte direkt zu den Messehallen, dort wo heute die Zentrale der Allianz Versicherung mittels des Turmes ihre Macht demonstrieren möchte war zu dieser Zeit eine AEG Produktionsstätte.

AEG, Siemens, Borsig und Schwarzkopff waren die Giganten und sie ließen diese Ausstellung erleuchten, damals ging es um den Fortschritt und das war das elektrische Licht.

Zudem betrat man bewusst Neuland, in der Halle machte man sich bekannt, denn das Medium Radio gab es noch nicht und zudem verfügten etliche Zeitungen noch nicht über die Technik zum Fotoeinsatz.

Es waren überwiegend kleinere Firmen aus Berlin, die in den Vitrinen die Entwicklung ihrer Produkte zeigten.

Danach folgte, ungefähr dort wo heute die große Freifläche vor dem Sowjetischen Ehrenmal lagt das Angebot der Gastronomie in einer Pappkulissenlandschaft, man präsentierte die Länder des Kaiserreiches.

Läuft man heute den Weg im Ehrenmal von der trauernden Mutter Russlands zu den geneigten Roten Fahnen so sieht man die 5 Felder der Waffengattungen der Sowjetarmee vor einen liegen, hier war ein großer künstlicher See, der seitlich grenzte zu den jetzigen Quadern, welche die 16 Sowjetrepubliken darstellen.

Dieser künstliche See war im Jahre 1896 die Attraktion, umrundet von Arkaden, die mit mehreren tausend Glühbirnen am Abend Licht ausstrahlen.

Hier fanden die künstlichen Wasserspiele zur Musik statt, der See endet dort wo heute der Hügel ist und der zur Grabstätte von mehr als 20 000 Sowjetsoldaten wurde.

Der Hügel ist geprägt von der großen Figur eines Soldaten der Roten Armee mit dem Kind auf dem Arm.

Damals begann hier die Schau der Wissenschaft, ein Teil davon nutzt man heute noch- daraus entstand die Archenhold Sternwarte.

Ein paar hundert Meter westlich von dieser Sternwarte steht noch das Gästehaus der ehem. DDR Kulturbundes, man kann nur erahnen wie gewaltig die Wissenschaft sich hier ausdehnte, das war die große Zeit der Kaiser Wilhelm Universität der heutigen Humboldt Universität.

Dazu zählte auch das jetzige Haus Zenner, hier wollte man die Ausstellung mit dem Fluss verbinden.

Zenner war ein Teil des Treptower Hafens, da wo heute die Schiffe der Stern- und Kreisschiffahrt ablegen, lag des Kaisers Barkasse.

Über die heutige Bulgarische Straße zog sich das Gelände weiter, ebenso auf der angrenzenden Straße. Dieser Teil war Deutschlands Kolonien gewidmet, man baute Afrika am Karpfenteich.

Die Häuser am Treptower Park unweit der heutigen Belorussischen Botschaft entstanden später, dieser Teil der Ausstellung war Nordafrika gewidmet.

Man konnte mit der Eisenbahn bis zu den Pyramiden fahren, Lothar de Maiziere bewohnte dort noch als letzter DDR Ministerpräsident eine Villa, ungefähr dort standen die Pyramiden.

Das Volk strömte in diese Ausstellung, ein Vergnügungspark schloss sich dieser Industrieausstellung an, vielleicht war das der Grundstein des späteren Kulturparks der DDR im Plänterwald.

Es war eine Menschenmasse von nah und fern, die nach Treptow strömte, man hatte die Werbung entdeckt und das nutzte man vor allen der ausländischen Gäste wegen.

Nicht nur die Technik der Eisenbahn und der Flussschiffe wegen, der Kraft des elektrischen Lichtes sondern auch den Nahverkehr, man präsentierte die elektrische Straßenbahn.

Etwas später allerdings führte man hier die erste Untertunnelung einer Straßenbahnlinie vor, von Treptow unterhalb der Spree zur Stralauer Halbinsel.

Treptow steht immer für etwas anderes, es steht symbolisch für alle Toten die Berlin vom Faschismus befreiten, Treptow war das zweite große Ehrenmal der Roten Armee und das größte außerhalb der UdSSR.

Das erste Ehrenmal war das unweit des Brandenburger Tores, die Rote Armee errichtete allerdings in jedem Sektor eins.

Treptow sollte allerdings nicht nur diesen Toden gedenken, mittlerweile gibt es nämlich Unterlagen und aus denen geht hervor, dass einige Bürger aus den Kolonien die man 1896 hier herholte, den nassen Sommer und den kühlen Herbst gar nicht überlebten.

Treptow steht auch für Nazi Zwangsarbeit, die damaligen Graetz Werke direkt hinter dem Treptower Park beschäftigten Zwangsarbeiter und dort wo sich derzeit der Verfassungsschutz niedergelassen hat waren ihre Wohnbaracken.

Man sollte den Grünstreifen folgen, der vom Treptower Park auf der alten Bahntrasse durch den angrenzenden Görlitzer Park zum ehem. Görlitzer Bahnhof im Herzen Kreuzbergs führt.

Am westlichem Ende des Parks unweit des heutigen Spreewaldplatzes stand noch bis vor einigen Jahrzehnten die Ruine des Bahnhofes und auf diesen Bahnsteigen endete im Jahre 1946 die Irrfahrt der Schanghai Juden Deutschlands.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. Dezember 2013 um 03:52 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 360
Beiträge : 5720
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 13827675

Verwandte Beiträge