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Das aufrechte Viertel

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Hamburger-Bahnhof: Die Sozialdemokratie hat gesiegt.

Die Französische Revolution ist ausgeblieben.

Die Vorstands-Guillotine wurde wieder eingepackt.

Ich fasse es nicht.

Gabriel und Nahles haben sich sogar bei mir bedankt!

Im Hamburger Bahnhof gab es heute stehende Ovationen für die 24% SPD-Mitglieder, die mit „Nein“ gegen die große Koalition gestimmt haben.

Gabriel erklärte, dass diese 24% genauso gute Sozialdemokraten seien, wie alle, die mit Ja gestimmt hätten.

Er hofft, dass sie der SPD treu bleiben, weil er ihnen beweisen will, dass die 76%, die für die Große Koalition gestimmt haben, Recht hatten.

Irgendwie klingt das ja noch halbwegs nett.

Aber warum denkt er, er sollte das sagen?

Warum muss das aufrechte Viertel in der SPD noch gelobt werden?

Bei einer so massiven Kampagne der Führung gegenüber der Basis gab es doch noch ein paar Mitglieder, die dem Druck widerstanden haben.

Die Diskussion auf der Führungsebene war ja nach dem Parteikonvent entschieden.

Es war also klar, welches die gewünschte Entscheidung sein würde.

Das Mitgliedervotum, so es gegen die Führung gelaufen wäre, hätte schließlich den Charakter einer Revolution gehabt.

Unterstrichen wurde dies durch den Vorstand, indem für diesen Fall der Komplett-Rücktritt angekündigt wurde.

Revolution also einschließlich einer (Selbst-) Enthauptung der Partei.

Wer von den SPD-Mitgliedern also in Revolutionsstimmung war, einschließlich meiner Wenigkeit, hat mit „Nein“ gestimmt.

Der vernünftige Rest stimmte mit „Ja“.

Was lehrt mich das?

Eigentlich nichts.

Die Revolution ist ausgeblieben, nachdem sie zur Revolution erklärt wurde.

Ursprünglich war es ja nur ein Mitgliedervotum.

Da hätten noch viel mehr mit „Nein“ gestimmt.

Ich komme trotzdem nicht drum herum, das Mitglieder-Votum gut zu finden.

Vorher gab es das nicht.

Die hohe Beteiligung von weit über 70% bestätigt die positive Resonanz.

Viele werden sich gedacht haben, dass man die Mächtigen in der Partei nicht gleich bestrafen sollte, wenn sie mal ein bisschen mehr „Demokratie wagen“.

Eine Art wohlwollende pädagogische Haltung, die wohl auch manche derjenigen erfasst hat, die sich mit einer großen Koalition immer noch nicht anfreunden mögen.

Manch einer hat auch verstanden, dass Gabriel nie wieder ein solches Demokratie-Instrument aus der Schublade holen kann, wenn es gleich beim ersten Versuch gegen die Führung gelaufen wäre.

Dem rechten SPD-Flügel, den Seeheimern, Leuten wie Olaf Scholz, die in ihrem Herzen wohl eher Liberale sind oder die ganzen Administratoren, die nie direkt gewählt wurden und deshalb eine Heiden-Angst vor der Demokratie haben, könnte man ein solches „gescheitertes“ Mitglieder-Votum sicher nicht ein zweites Mal verkaufen.

Nein, ein Mitglieder-Votum ist eine gute Sache und wird beim nächsten Mal vielleicht so angelegt sein, dass es nicht auf Teufel komm raus „klappen“ muss.

Dieser Ausgang musste sein, was auch den meisten Mitgliedern klar war.

Mir auch.

Ich nehme das Ergebnis jetzt als wertvolle Information über die Partei.

Ein Viertel der Sozialdemokraten ist garantiert druckresistent, dass meine ich jetzt zu wissen.

Immerhin über 80 000 Mitglieder.

Ein stolzer Haufen.

Schade, schade, schade ist nur eins.

Es gibt für diese mehr als 80000 Mitglieder kein Forum, wenn man zu alt für die Jusos ist.

Sie sind überall und nirgends als Minderheit präsent, in den Gliederungen und den ganzen Gruppen, viele von ihnen in linken Vereinen, wie der DL21, die derzeit aber auch schon kriselt, weil die Mitglieder sich wirkungslos fühlen und vermehrt austreten.

Auch das ist bedauerlich.

Wie sollte man ein solches Forum auch nennen?

Jusos 50 plus?

Die Aufrechten?

Das letzte Viertel?

Die Kompromisslosen?

Oder gar, Jakobiner in der SPD?

Mir kommt keine gute Idee.

Ich gehe noch mal in mich und melde mich dann wieder.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 15. Dezember 2013 um 04:36 Uhr  

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