Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Wirtschaftspolitik Wie wird marktwirtschaftlich regiert? Teil 2

Wie wird marktwirtschaftlich regiert? Teil 2

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Weg vom Effizienzdenken, hin zum Funktionsdenken!

Wir können die Krise dauerhaft überwinden, nur durch Organisation!

 

Nur weil das einfach scheint, ist es nicht möglich? Haben wir uns an die Unlösbarkeit gewöhnt? Haben wir keinen Glauben an einen verhältnismäßig leicht gangbaren Weg für unsere Probleme?

Aber heutiges ökonomisches Denken passt nicht für die Aufgabe, ein System zu reparieren.

Krise ist ein Symptom für einen Systemfehler in der Organisation des Systems Marktwirtschaft.

Wege zu gehen, die neu sind, brauchen Zuversicht – den Glauben daran, dass sie gangbar sind. Dies ist umso mehr von Bedeutung, wenn sehr viele Unbekannte bestehen. Besonders schwierig wird ein Entschluss, wenn alte Glaubenssätze dem entgegenstehen und diese von Autoritäten getragen werden.

Sparen, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Fortschritt helfen uns nicht aus der Krise, da Krise ein Funktionsproblem in einem System und kein ökonomisches Problem ist.

Gleichnis Auto: Die Stoffflüsse in diesem können in zwei Gruppen gegliedert werden. Der Treibstoff und die Scheibenspülung werden dabei der Effizienz zugeordnet. Diese sollten deshalb möglichst ökonomisch verbraucht werden. Dabei bleibt das System in seiner Qualität unberührt.

Bremsflüssigkeit und Schmieröl hingegen unterliegen einem Kreislauf. Hier ist – einmal vorgegeben – die genaue Menge der Zirkulation von Bedeutung. Bei diesen würde eine ökonomische Manipulation ohne Systemabgleich fatal sein.

Im System Marktwirtschaft verhält es sich ähnlich. In diesem ist dabei aber der Tauschwert „Geld“ - eine Information das, was zirkuliert.

Wird dieses vom Staat nur ökonomisch betrachtet, führt das zwanghaft zum Stillstand. Die Lösung von Zirkulationsproblemen alleinig im ökonomischen Denken - im Effizienzdenken zu suchen, spiegelt sich im Sparen beim Haushalt wieder und im Versuch, mehr Wachstum durch Wettbewerb und Fortschritt zu generieren, die Problemlösung im Wachstum zu sehen.

Die Funktion der Marktwirtschaft ist aber nicht direkt an diese Größen gebunden, da Marktwirtschaft sich auf Zirkulation bezieht, auf diese Funktion und nicht auf Ökonomie und Effizienz. Marktwirtschaft setzt lediglich im Vergleich zu anderen Wirtschaftsmodellen die Voraussetzung für die höchste Effizienz. Marktwirtschaft als Organisationsform kann auch mit einem laufenden Motor verglichen werden, aber nicht mit der Leistung als solche. Marktwirtschaft ist also der Ausdruck von Kreisläufen, von Wiederholung.

Diesem ist in der marktwirtschaftlichen Gesellschaft dann gut entsprochen, wenn der Grenznutzen von Angeboten nicht erreicht wird, es also nicht zu einer Überproduktion, einer zu hohen Effizienz und einem Nachfrageeinbruch, zu einer Verhandlungsschwäche oder gar zu einer Unfähigkeit zum Verhandeln kommt. Dieser Umstand würde die Marktwirtschaft infrage stellen. Kann diese Zirkulationsblockade nicht beseitigt werden, zerfällt das System und braucht eine Ersatzorganisation.

In dieser Phase muss der Überbau zunehmend die Prozesse selbst durch fortwährender Gesetzgebung neu koordinieren. Dabei kann dem Zweck – der angepassten und dynamischen Wertschöpfung vergleichsweise immer schlechter gedient werden.

Am Gleichnis Auto bleibend ist also Marktwirtschaft der sich wiederholende Arbeitstakt eines Motors.

Wettbewerb und Wachstum hingegen sind Größen, die sich lediglich durch die Funktion der Wiederholung ermöglichen. Es braucht also erst den belastbaren Kreislaufprozess – die Verhandlungsfähigkeit, die dann durch mehr Effizienz belastet werden kann, aber nicht zwingend notwendig ist. Wenn also die abgeforderte Effizienz (Leistung) zu hoch ist wie wenn ich die Kupplung springe lasse, kann das System, der Kreislaufprozess, der sich Marktwirtschaft nennt, zum Stehen kommen. Anzeichen für eine Überlastung sind dabei Subvention, Deflation, Arbeitslosigkeit, Sinnverlust des Geldes und dessen Einrichtungen.

Es wird also deutlich, dass Wettbewerb und Wachstum nur möglich sind, wenn der Kreislaufprozess - die Marktwirtschaft belastungsfähig ist, es also noch einen Abstand zum Grenznutzen der Angebote gibt.

Wachstum (mehr im Warenkorb) ist also nicht nur von der Effizienz in der Wertschöpfung abhängig, sondern auch vom Kreislauf, vom Funktionieren des Systems Marktwirtschaft. Würde nicht mehr ausreichend verhandelt werden können, würde also sogar mit weiter steigender Effizienz – erzeugt durch mehr Wettbewerb, das Wachstum erstickt und im Weiteren sogar das bestehende Niveau gefährdet. Steht dann in einer Krise der Motor, muss sich der Fahrer nach Alternativen umsehen – etwa Staatswirtschaft?

Wachstum ist heute also nur eine Schönrechnerei – eine Lüge! http://www.cashkurs.com/kategorie/cashkurs-tv/beitrag/tagesausblick-mit-dem-drogenhandel-das-bip-steigern/

Es ist im Weiteren nicht wahr, dass eine Gesellschaft Wachstum braucht. Marktwirtschaftliche Gesellschaften brauchen aber sicher die Organisation ihrer sie ausmachenden Kreisläufe und mit deren Belastungsfähigkeit wird steigende Effizienz auch in Wachstum umsetzbar. Wachstum ist also nicht existenziell, aber wünschenswert und braucht die Voraussetzung der belastungsfähigen Nachfrage.

Nun ist also festzuhalten, dass nur die bedarfsgerechte Organisation zu einer existenzfähigen geringeren Effizienz der Unternehmen im Markt – die Aufrechterhaltung der Zirkulation, der Schritt sein wird, zu einer in Zukunft möglichen höheren Effizienz und zu gesellschaftlich nachhaltigem Wachstum.

Leider ist dieses Ergebnis für Ökonomen paradox. Es entspricht nicht ihrer Perspektive und ihren Glaubenssätzen. Europa, - Volkswirtschaften werden regiert, wie Unternehmer ihre Betriebe leiten. Aber nur Unternehmer müssen Effizienzdenken haben. Regierungen müssen zunächst Verständnis für das System Marktwirtschaft aufbringen und folglich funktional denken. Ihre Aufgabe liegt also in der Regulierung der Effizienz, damit der Motor Marktwirtschaft nicht abgewürgt wird.

In der Wirtschaftswissenschaft ist seit längeren bekannt, dass das größte Sorgenkind bei der heutigen Art des Regierens für Wettbewerb, Effizienz und Wachstum, der Investitionsstau ist. Statt dem etwa 8-fachen des Geldes aus der Wirtschaft, steht heute möglicherweise schon das 500-fache an Reinvestitionskapital zur Verfügung. Das gibt gefährlich viel Raum für Spekulation!

Und ähnlich wie bei einem Asthmakranken kann der Rückfluss des Investitionskapitales zunehmend nur unter Druck ermöglicht werden. Die Notwendigkeit von Arbeitskämpfen, Lohndiktat und Enteignungssteuern haben aber so wenig mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun und auch sehr wenig mit der Verhandlungsfähigkeit, also der Möglichkeit des Gebrauches der freiheitlichen Grundrechte zum Entscheiden und Handeln, die eine marktwirtschaftliche Gesellschaft auszeichnen würde.

Ab von den Glaubenssätzen und vom wirtschaftlichen Ist- Zustand sind Gesellschaften, deren Regierungen sich zuerst der Ökonomie verpflichtet sehen, im klassischen Kapitalismus. Leider ist infolge auch das Ergebnis entsprechend.

Eine marktwirtschaftliche Gesellschaft aber entsteht sofort, nachdem Regierungen das heilige Ziel haben, zuerst Rahmenbedingungen für die Funktion der Kreisläufe zu setzen und auch deren Wert zu schätzen wissen, also diese folglich verstehen und bewahren wollen.

Der Ausdruck des Kreislaufes in der Marktwirtschaft ist die Verhandlungsfähigkeit der Lohnarbeit, der Güter und des Geldes. Mit ihr sind die Unternehmen in der Lage, so viel zu investieren in Lohn, Zulieferung und Niederlassungen, dass die Kreisläufe nicht an Dynamik verlieren.

Nun weiß die Wirtschaftswissenschaft, es müssen dazu Markteintrittsbarrieren beseitigt werden, um diesen Investitionsstau zu beheben. Deshalb werden nun die Handelshemmnisse (Zollschutz) abgebaut – „zur Harmonisierung der Märkte und zum Wohle des Volkes.“ Nachdem aber die Kaufkraft dieser neuen Märkte abgeschöpft wurde, steht man schlechter da, als vorher, da in einer Union natürlich auch wechselseitige Verbindlichkeiten bestehen. Es ist auch zu bemerken, dass die Wirtschaftsstruktur der neuen Märkte kaum noch Perspektiven hat.

Das Markteintrittsbarrieren beseitigt werden müssen, um zu Investitionen zu kommen, das steht außer Frage, doch wie muss die Organisation aussehen, das wir der Marktwirtschaft nutzen – ihre Funktion mitnehmen und keinen zusätzlichen Schaden anrichten?

Investitionsstau ist ein Indikator für eine für die Zeit zu hohe Effizienz in den Unternehmen und ein Indikator, dass es der Marktwirtschaft sehr schlecht geht, dass unsere freiheitlichen Grundrechte schwinden, dass die Politik ihre Gestaltungsfähigkeit verliert …

Es ist also festzustellen, dass die Zielstellung, Markteintrittsbarrieren abzubauen, um Investitionen zu fördern, nicht das zugrundeliegende Organisationszieles sein kann, da die direkte Umsetzung dem System mehr schadet, als nutzt. Unternehmen haben mit diesem neuen Rahmen sicher investiert, doch ihre Aufgabe ist die effiziente Wertschöpfung. Deshalb sind die Investitionen auch in die Effizienzsteigerung geflossen. Unternehmen sind somit ökonomischer, also wettbewerbsfähiger geworden. Es werden also in der Gesamtschau auf den neuen Freihandel in Relation noch weniger Arbeitskräfte gebraucht und es wird im Verhältnis zur aktuellen Nachfrage noch mehr Angeboten. Die Kaufkraft wird also schlechter und das Angebot größer. Der Kreislauf Marktwirtschaft ist im Ergebnis mit dem eigentlich guten Willen leider noch mehr belastet und die Angebote sind am Grenznutzen noch weiter heran geraten.

In dieser Situation ist es auch absehbar, dass selbst die effizienter gewordenen Unternehmen ihre Angebote im absoluten Vergleich zur Ausgangssituation weniger gut verkaufen können. Dies kann sich mit dem Aufrechterhalten der Bedingungslosigkeit im Handel bis zum Zusammenbruch weiter entwickeln.

Nun behaupte ich, Regierungen können lediglich mit der richtigen Organisation des Abbaus von Markteintrittsbarrieren das Investitionsverhalten so lenken, dass dieses sicher zu einer besseren Verhandlungsfähigkeit führen wird.

Hierbei ist aber zu beachten, dass das Organisationsziel eine präzisere Erfassung braucht. Die Beseitigung der Investitionshemmnisse für sich ist nicht konkret genug. Wenn es zu Überangeboten in den Märkten und vor allem von angebotener Lohnarbeit kommt, sind Unternehmen zu effizient. Sie brauchen also für die Wertschöpfung aller bestehenden Innovationen im Freihandel nicht mehr alle Arbeitsangebote aus der Bevölkerung. Diese Situation ist über längere Zeit dramatisch, da ohne Verhandlungsfähigkeit der Lohnarbeit selbst das bestehende BIP nicht aufrechterhalten werden kann.

Es braucht also eine Organisation für den Markteintritt weniger effizienter, im allgemeinen Markt weniger wettbewerbsfähiger Unternehmensstrukturen. Es braucht für alle Unternehmen gleichermaßen nutzbar den Anreiz zur bedarfsgerechten Investition in organisierte kleinere Märkte, um in ihnen mit „Rabatt“ verkaufen zu können. Hier ist also von Bedeutung, dass Handelsfreiheit im System Marktwirtschaft nicht bedingungslos sein darf, sondern nur mit der Investition in diesen Märkten möglich werden kann. Dabei ist nur diese Bedingung, dieses Investieren für die Funktion des Systems Marktwirtschaft förderlich, da somit ein nachhaltiger Rückfluss des Geldes in Kaufkraft erzeugt wurde.

Die Unternehmen bzw. die Standorte in diesen Märkten sin dabei weniger effizient, da diese kleiner strukturiert sind und die Möglichkeiten der Zeit für die Automatisierung nicht voll ausgeschöpft werden können. Volkswirtschaftlich ist aber mit der Funktion der Austauschprozesse, der möglichen Vermeidung der Grenznutzen der Angebote und der Regulierungsfähigkeit der Preisdifferenzen zwischen dem allgemeinen Markt und dem Rabattmarkt eine leistungsfähigere Organisation entstanden. Durchdringende Marktwirtschaft, die regulierbar die Angebote auf die Nachfragen abstimmen kann, so dass Tauschprozesse ohne Hemmung funktionieren können, der belastungsfähige laufende Motor, ist die Voraussetzung für den Fortschritt, für das zügige tradieren neuer zukunftsweisender Innovationen. Mit dieser Grundkonstellation verbindet sich nun die Fähigkeit für ein von tagesökonomischen Zwängen befreites Wachstum, alleinig dem Zweck dienend, sich den Erfordernissen der Zeit anzupassen.

Frank Schneider

AK-Marktwirtschaft

Stand: 02.02.2014

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 533
Beiträge : 5831
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 16440508