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Die Hinrichtung des tibetischen Volkes

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Am 10. März erinnern Tibeter an den Volksaufstand von 1959, der von den chinesischen Truppen blutig niedergeschlagen wurde.

Zwischen März 1959 und September 1960 kamen bei Militäraktionen insgesamt 87.000 Tibeter ums Leben, 25.000 wurden verhaftet. Die Folgejahre waren durch die Zerstörung der tibetischen Kultur gekennzeichnet. Mao ließ fast alle 6254 Klöster und Kulturstätten plündern und zerstören. Hunderttausende Tibeter starben in Gefängnissen, durch Hinrichtungen und Verfolgung.

Was als Befreiung unterdrückter und ungebildeter Bauern aus einer mittelalterlichen Feudalgesellschaft dargestellt wurde, war in Wirklichkeit die Durchsetzung kolonialer Interessen und der Unterwerfung eines als minderwertig angesehenen Volkes. Bis weit in die siebziger Jahre zog sich die Han-chinesische Version des jakobinischen Blutrauschs in unverminderter Weise fort, mit dem Ziel der vollständigen Unterwerfung oder Vernichtung.

Nun ist uns diese Tragödie hinlänglich bekannt, aber betrachten wir mal die Rolle der USA und bilanzieren ihr Engagement. In dieser Zeit dominierten die Vereinigten Staaten in allen Belangen. Während der nordamerikanische Anteil an der Weltwirtschaft bei 37% lag, befand er sich in Asien (inklusive China und Japan) bei lediglich 4%. Nichtsdestotrotz erfuhren die Amerikaner in der zweiten Hälfte des Koreakrieges die militärische Wucht chinesischer Streitkräfte, bei der General MacArthur in der Folge den Abwurf von 34 Atombomben auf chinesische Städte verlangte. Bekanntermaßen scheute man davor, zog stattdessen die Tötung von bis zu einer Million koreanischer Zivilisten durch Napalm vor. Nach dem Ende dieser ersten großen heißen Phase des kalten Krieges wurde von Präsident Eisenhower 1954 die Domino-Theorie proklamiert, bei der in letzter Konsequent nur die bedingungslose Intervention mit all ihren Facetten amerikanische Interessen durchsetzbar seien. Schon Ende der fünfziger Jahre rückten damit Vietnam und Tibet in den Fokus. Nachdem der Dalai Lama 1959 in letzter Sekunde aus dem Land flüchten konnte, war aus amerikanischer Sicht das tibetische Volk führungslos. Der CIA begann 5 Jahre lang einen Guerilla Krieg durch Ausbilder, Waffen und logistischer Unterstützung zu befeuern. Doch warum tat man das und weshalb beendete man schlagartig die Unterstützung? Die in die Berge geflohenen Bauern waren für die CIA ein nützliches lokales Instrument auf dem globalen Schachbrett ihrer Machtpolitik. Sie dienten der Umsetzung ihrer kleinen Rache für den Koreaeinsatz der chinesischen Volksarmee. Das Ende dieses Engagements wurde mit Sicherheit nicht aufgrund der offensichtlich militärischen Sinnlosigkeit erwogen, sondern aufgrund eines Strategiewechsels des Weisen Hauses. Die USA waren mittlerweile hoffnungslos im Vietnamkrieg verstrickt und das damalige chinesisch-sowjetische Zerwürfnis eröffnete den USA bisher neue ungeahnte Möglichkeiten gegenüber der UdSSR, die mit ihrem atomaren Waffenarsenal noch das gegen sie größte Vernichtungspotential besaß. Die vermeintlichen tibetischen Waffenbrüder wurden mit allen Konsequenzen ihrem Schicksal übergeben, als sie sahen, dass die Volksrepublik China ein relevanter strategischer Partner werden konnte.

Aus heutiger Sicht wissen wir nun, dass die amerikanische Intervention dem tibetischen Volk im Ergebnis nur Schaden zugefügt hat. Die US Regierung waren zu keinem Augenblick ernsthaft am Wohlergehen des tibetischen Volkes interessiert. Tibet war ein strategisch unbedeutendes Feld auf dem globalen Schachbrett. Das Ergebnis des fünfjährigen Guerilla Einsatzes hat nur dazu geführt, dass rassistische, sadistische Soldaten ihre perversen Fantasien an Unbewaffneten von da an ungezügelt umsetzen durften. All das was in den schlimmsten Horrorfilmen dargestellt wird, wurde in Tibet gelebte Realität. Das Politbüro in Peking entschloss sich eine Lösung nach Art der Wannseekonferenz zu leben und nach der waffentechnischen Unterwerfung das Instrument der ethnischen Säuberung anzuwenden. Ähnlich wie bei der Unterwerfung der nordamerikanischen Indianer, die in immer kleiner werdende Reservate umgesiedelt wurden, konzentriert sich Peking auf die zahlenmäßige Umkreisung der verbliebenen Bevölkerung. Während in der Volksrepublik 1,35 Milliarden Menschen leben, schätzen wir eine Bevölkerung von 6 Millionen Tibeter, also im Vergleich  weit weniger als 1%. Die zahlmäßige Übermacht der Han-Chinesen wird nun dazu genutzt, die Tibeter zur Minderheit im eigenen Land werden zu lassen, in dem aus dem stark bevölkerten Osten Menschen nach Tibet umgesiedelt werden.

Die tibetische Exilregierung, die sich seit 1960 im indischen Dharamsala befindet, verfolgt trotzdem ihr politisches Ziel auf friedlichem Weg. In seiner Straßburger Erklärung verzichtet der Dalai Lama 1988 auf die Forderung nach staatlicher Unabhängigkeit. Im Gegenzug solle Tibet echte Autonomie erhalten. In grenzenloser Weisheit wählt der Dalai Lama die wirksamste, nachhaltigste und damit schärfste Waffe zur Durchsetzung aller Interessen: Den Dialog. Was gibt es besseres als diese politische Aufgabe zu unterstützen? Denn je mehr Unterstützer den Dialog laut und geduldig vortragen, umso schneller wird der Beweis erbracht, dass dieser der mit Abstand beste Weg ist und ein Vorbild zur Lösung der vielen weiteren weltweiten Konflikten. Eine Schlüsselrolle können die Führungskräfte der deutschen Autoindustrie spielen, aber auch das deutsche Außenministerium. Man sollte nun dringend beginnen an diese Verantwortungsträger konstant und eindringlich zu appellieren.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 01. März 2014 um 04:12 Uhr  

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