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Start Friedenspolitik Deutschlands zweifelhafter Ruf in Afrika

Deutschlands zweifelhafter Ruf in Afrika

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Es ist schon bemerkenswert, dass der erste Genozid auf afrikanischen Boden, bis zum heutigen Tage konsequent in Deutschland ignoriert wird.

Umso kaltschnäuziger wirkt der unbeschwerte Umgang neuer deutscher Afrika Visionen, wie sie unter anderem von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vollmundig angepriesen werden.

Generalleutnant Lothar von Trotha und der Verantwortliche des Generalstabs, Alfred Graf von Schlieffen, führten 1904 einen Vernichtungskrieg, der erst durch die Eliminierung einer Rasse als beendet betrachtet werden könne. Mit dieser Konsequenz wurden alle Herero, auch Frauen und Kinder in die Wüste gejagt und nahm so billigend in Kauf, dass 80% des gesamten Volkes grausam verdurstete. Hier bewies das deutsche Militär erstmals den unvorstellbar menschenverachtenden Vernichtungswillen. Eine erste Andeutung dessen, was später noch folgen sollte.

Die FAZ zählte zuletzt deutsche Truppenpräsenz in fünf afrikanischen Staaten und beschreibt sogar eine bundesrepublikanische Afrikastrategie, die die Durchsetzung nordatlantischer Interessen vollstrecken möge. Die Einflussnahme durch die Volksrepublik China und dem saudischen Königshaus müsse aus atlantischer Sicht früh eingeschränkt werden. Pekings Rohstoffgier und Riads wahhabitischer Geltungsdrang haben zwar wenig miteinander gemein, aber sie schließen einander auch nicht aus und bilden gebündelt ein wahrgenommenes Gefahrenpotential an der religiösen Bruchlinie, die sich über Mali bis Dschibuti zieht.

Washingtons Interesse konzentriert sich geopolitisch nun zunehmend auf den Pazifik und selbst die bis vor kurzem so vehement umkämpfte Golfregion wird verlassen, weil man meint energiepolitische Autarkie erlangt zu haben. Paris habe sich dabei als ehemalige Kolonialmacht um ihren Hinterhof selbst zu kümmern. Der Elysée nimmt die Aufgabe gewohnt selbstbewusst an, kommt dann aber auf die interessante Idee die Kosten auf die EU umzuwälzen. Die klammen Mitgliedsstaaten bringen nun erwartungsgemäß wenig Begeisterung entgegen und Frankreichs Ruf wird sodann unverständlicherweise von Deutschland erhört. Ausgerechnet Deutschland, einem Land mit zweifelhaftem Ruf auf dem Kontinent soll sich fragwürdig engagieren.

Schon geistern die selbsternannten Sicherheitsexperten durch alle Medien und peitschen das deutsche Volk auf die neue ehrenwerte Verantwortung ein. Wie am Hindukusch solle die deutsche Grenze nun auch in der Sahelzone verteidigt und humanitäre Hilfe im Heckler und Koch Gewand geleistet werden. Wieder soll eine Aufgabe begonnen werden, die genauso wie in Afghanistan nicht zu Ende geführt wird, denn das Ergebnis bleibt jedes Mal das gleiche: Dort wo westliche Soldaten zusammengezogen werden, bilden sich neue Widerstandsgruppen und je länger das Engagement anhält, umso mehr Köpfe wachsen der Hydra nach.

Afrika muss selbständiger werden und man darf Afrika auch helfen, ja man soll dem Kontinent auch helfen. Dabei müssen aber einige Regeln beachtet werden. Dort wo Bürgerkriege gefochten werden, müssen die Nachschubwege für Waffenlieferungen gestoppt werden. Das funktioniert nur in Zusammenarbeit mit den größten Waffenexporteuren und das sind neben den westlichen Nationen auch Russland und China. Nur in Abstimmung auf der Ebene des Sicherheitsrates, kann der bewaffnete Konflikt kontrolliert und beendet werden. Ferner muss das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe gelten. Dabei spielen die 1976 gegründete ECOWAS als auch die aus der Afrikanischen Union entstandene African Standby Force (ASF) die zentrale Rolle um die regulativen Strukturen weiterzuentwickeln. Auf nationaler Ebene formen sich die bevölkerungsreichen Äthiopien und Nigeria zu Regionalmächten. Ihnen gebührt eine besondere Verantwortung, die behutsam gestützt werden muss. Ferner muss die UN ein großes Präventions- und Katastrophenschutzpaket schnüren, um große Flüchtlingsbewegungen viel professioneller als es heute geschieht zu steuern. Hier darf Deutschland beweisen, dass es internationale Verantwortung übernehmen möchte, wie es der wirtschaftlichen Kraft des Landes gebührt.

So könnte Deutschland in der Zukunft doch noch etwas zum Aufbau eines positiven Ruf beitragen.

 

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