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Die nicht gehaltene Rede, von wegen...

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Aus gegebenem Anlass sollte ich einmal vor wenigen Monaten eine Rede ausarbeiten, die ich eigentlich halten sollte.

Nur nach mehr als 50 Jahren waren die Mitschüler von damals so verzweigt über West- Europa verteilt, das man sie kam am alten Ort der Schule versammeln konnte.

Insofern wurde die Rede nicht gehalten sondern schriftlich jedem zugestellt, warum ich das machen sollte machten mir meine Mitschüler von damals telefonisch klar, ich war der letzte gewählte Klassensprecher und dazu kam ein weiterer Zufall.

Nach der Mittelstufe folgt noch immer die Oberstufe, da lösten sich bereits damals die Klassen auf und der letzte Klassenlehrer erlitt einen Bruch des rechten Zeigefingers zu der Zeit als er die Zeugnisse schreiben sollte.

Komisch aber wahr, die musste ich damals schreiben und der Klassenlehrer saß neben mir.

Auf diese Ehre hätte ich gerne verzichtet, nur damals widersprach in solchen Situationen der Klassensprecher nicht.

Erst Jahre danach sah ich mein eigenes Zeugnis wieder, vielleicht wollte ich es auch nur meinem Sohn zeigen, da entdeckte ich meine Handschrift, der Pelikan fiel mir sofort wieder ein.

Nun ist das Ganze mehr als 50 Jahre her und das von mir handgeschriebene Zeugnis hat den meisten wohl nicht geschadet, denn ein paar berichteten aus ihrem Leben und hatten es wahrhaftig zu etwas gebracht.

Was sollte ich nun denen erzählen? – Klaus Staeck meinte einmal in solcher Situation in einem Gespräch mit Gregor Gysi im Deutschen Theater, „ ich erzähle dann immer etwas aus meinem Leben“, nur wer interessiert sich im Gegensatz von dem des Klaus Staecks für mein Leben?

Ging also so nicht, ich musste auf die Theorie des evangl. Studentenwerkes von 1970 greifen, „am Anfang das Verbundene heraus stellen“.

Daraus kam dann jener Text, der nicht gehaltenen Rede: „ wir waren die Erstklässler die im April 1955 eingeschult wurden. In einer von den ersten Neubauten nach dem Krieg, in eine sog. moderne Schule.

Wir sind alle in den Jahren zw. 1947 und 1949 geboren, wir kannten die Enge in den Wohnungen und verbrachten unsere Kindheit noch vor dem Elternhaus teilweise auf der Straße spielend, mit der Einschulung wurden wir die Gemeinschaft in einer Klasse und unser Horizont erweiterte sich.

Wir erlebten die Welt des Radios und wurden immer neugieriger, wir erlebten den Einzug der Fernsehgeräte in die Wohnzimmer unserer Eltern.

Damals 1955 duschte man uns einmal wöchentlich in der Schule, vielleicht konnten uns unsere Lehrer nicht mehr riechen, denn auch bei uns Zuhause war zwar das Badezimmer noch räumlich vorhanden aber die Wanne verschwand in den letzten Kriegstagen unauffindbar.

Auf den alten Fotos erkennt man noch mehr, die moderne Schule mit den Tischen, den Kippfenstern und der Klapptafel aber auch uns etwas.

Ich erkannte mich wieder, muss im Sommer 1956 gewesen sein als wir gegen Mittag immer nach Hause liefen und die Übertragung des Tages von den olympischen Spielen hören wollten, ich bin der Junge mit den abgeschnittenen Schuhkappen auf dem Foto.

Das war die Regel, im Sommer wenn die Halbschuhe vorne drückten die Lederkappen abzuschneiden.

Ansonsten nach all den Jahren über unsere Lehrer von damals herziehen, das werde ich nicht machen, denn die gaben vielleicht ihr Bestes und es gab nur Junge und Alte, ich kann mich nicht erinnern auf der Grundschule einen Lehrer gehabt zu haben, der aus der Mitte des Lebens kam.

Man wollte uns viel beibringen, manches paukten wir allerdings nur ohne es zu verstehen, es ging auch uns um die Benotung.

Das war bis in der Mittelstufe so, nur entfalteten sich temporäre Freundschaften und ich kann sagen, wir klammerten niemand aus.

Wir wurde zu einer Gemeinschaft von gegenseitigen Neugier, vielleicht hatten wir auch alle einen kleinen Tick und den nutzen wir gekonnt aus.

Wir wollten immer wissen „was liegt hinter dem Horizont?“

Das war die Zeit wo wir 14 oder 15 Jahre alt waren, die ersten Taschenbücher, rororo usw. für 1,95 DM , kaufte einer von uns sich einmal eins ging das durch fast 20 Hände.

Wir waren doch begeistert von der Literatur der Amerikaner, des Abends im Bett beim Radio hören dabei 100 Seiten Steinbeck lesen.

Am anderen Morgen wollten wir alle auf 75 Meter Sprint 10,0 laufen, einmal 10,0 einmal Armin Harry sein wollen, nur lief der 10,0 auf 100 Meter.

Dann folgte die Oberstufe, da wurde es feierlich, neusprachlich und naturwissenschaftlich nannte sich ein Zweig, altsprachlich und humanistisch ein weiterer und mathematisch/ökonomisch der Dritte.

Wussten wir eigentlich was uns erwartete und welche Erwartungen hatten wir, ich entwickelte in manchen Fächern meine eigene Theorie und die war durchsetzt vom olympischen Geist „ dabei sein ist alles“.

Es ging doch alles einigermaßen weiter, manches hätte besser sein können, doch wir fanden immer wieder den Dreh.

Bei mir kam die Erkenntnis etwas später, wenn man im Semester sich im oberen Drittel befand ließ es sich leichter angehen, als wenn man im unteren um den Abstieg kämpft.

Das war der Teil unseres Lebens, da brauchen wir aus und nicht ab, es brachen kaum welche ab, ausbrechen bedeutete für uns aufbrechen.

Es begann die Zeit in der jener Kampf statt fand zwischen Zeit und Geld, manchmal hatte ich beide entscheidende Faktoren nicht nur wir kannten Alternativen.

Daraus entstanden unsere Biografien und denen stellen wir uns gerne. Manche Lebensbiografie ist ganz anders als eine Arbeitsbiografie, eine Arbeitsbiografie besteht aus Tätigkeiten, jede Tätigkeit kann man darstellen mit der mathematischen Parabel Steiners.

Der Hügel Steiners, genannt Parabel steht also nach oben, mehrere Hügel nebeneinander ergeben die Arbeitsbiografie im Ansatz.

Die Lücken zwischen den Parabeln ist die Zeit zwischen zwei Beschäftigungen und die Höhe zeigt die erreichte Stellung an, der Schlüssel zur Vergütung.

Es gibt nämlich nicht mehr die Arbeitsleben lange Parabel, man muss sich immer wieder einbringen, etwas was wir auch erst begreifen mussten und was und niemand lehrte.

Ganz anders verhält es sich mit unseren Lebensbiografien, die entsprechen nämlich stets dem Verlauf einer Sinuskurve.

Da kommen Einflüsse des Partners und von außen hinzu, kommen Erbschaften und unerwartetes Leid.

Der Verlauf der Sinuskurve wird in Epochen seine Frequenz erhöhen um das zu meistern benötigt man Erfahrung aus der Schule des Lebens.

Ich hoffe nun bei all den Gemeinsamkeiten, von euch allen etwas mehr aus der Schule des Lebens zu erfahren, mancher von uns benötigt Anerkennung und mancher Rat und wieder anderen sollten wir eine Hoffnung geben, deshalb sind hier doch eigentlich hier.“

Zuletzt aktualisiert am Montag, 26. Mai 2014 um 03:10 Uhr  

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