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Wir wollten doch nur Tabus brechen,

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Das Jahr 1968 wird als das Jahr der Tabubrüche dargestellt, nur welche Tabus wurden gebrochen?

Derzeit wird alles vom Kommerz verschlungen und einige verkaufen das Jahr 1968 förmlich und machen damit noch ihre Geschäfte, was ebenso gefährlich sein kann, denn man selektiert bereits wieder.

Deshalb ist es notwendig an die Zeit davor sich zu erinnern, wer diese Zeit vor 1968 erlebte und diese Zeit ein Teil seiner Jugend war sollte sich dieser Epoche stellen.

Es war nämlich nicht der Tabubruch auf Bestellung sondern ein langsames Erwachen der jüngeren Generation die nach dem Kriege ihre Kindheit erlebte.

Ein Teil dieser Generation wurde geprügelt, für manche Eltern waren die Prügel ein Teil der Erziehung, sie kannten auch nichts anderes.

Überwiegend wurde man streng erzogen und Drohungen waren an der Tagesordnung, im Elternhaus und in der Schule.

Unter Bildung verstanden manche zunächst nett und freundlich zu sein, stets zu grüßen, nicht zu widersprechen und ja nicht zum Gesprächsstoff der Nachbarn werden.

Damit schränkte man ein, zudem war es nun einmal so, die Story der Erwachsenen erfuhr man bis Mitte der 60. Jahre bei jeder Gelegenheit „ der Morgen während des Krieges- als zu uns der Russe kam,“ damit füllte man Abende.

Erst als das gemeinsame Erlebnis des Fernsehens hinzukam, wurden diese Storys zweitrangig, nur das Fernsehprogramm war auf die Nachkriegsgesellschaft abgestimmt, der wohlweißlich verordnete Frohsinn.

Bei aller Aufbau- Leistung unserer Eltern, sicherlich hatten ihre Kinder einen Wert, nur was war ihnen das wert?

Es ging doch zunächst um das Materielle, eine Welle jagte die andere und das Leben blieb beengt, das funktionierte nach Regeln.

Diese Regeln legte man sich aus und damit begann ein Problem, das übertrug sich von der Schule ins Elternhaus, manche Kinder wurden förmlich neugieriger.

Wann verstanden wir, dass es hinter dem Horizont weiterging?

Wir entdeckten die Bücher, jene Literatur die unsere Eltern nicht lesen konnten und das blieb nicht ohne Folgen.

Es fand zunächst der immaterielle Ausbruch statt, aber das ging nicht von Heute auf Morgen.

Aus Zweckgemeinschaften wurden Freundschaften und gemeinsam ging das besser, man wollte sich nicht binden aber man suchte eine Alternative und damit begann ein Traum, den man Selbstständigkeit nannte.

Ich hatte ein Elternhaus mit allen Ecken und Kanten, wurde geliebt, beschimpft, gelobt und getadelt, verwöhnt und zur Arbeit erzogen und trotzdem gab es Tabus.

Ein Tabu war näheres über meine Cousine zu erfahren, die war 4 Jahre älter als ich und bis ich 10 Jahre war nahm die mich an ihre Hand und schleppte mich überall mit ihn, ich galt als ihr kleiner Bruder.

Dann war sie weg, ihre Eltern zogen in eine andere Stadt, ihr Vater hatte dort einen besseren Posten erworben, mehr erfuhr ich nicht.

Ich tröstete mich, mein Onkel musste einer von denen sein der Peter Stuyvesant rauchte, des Abends wohl einen Asbach trank und mindestens einen Ford fuhr.

Mit 14 Jahren war ich immer noch auf der Schule, andere gingen bereits in die Lehre unterschwellig vernahm ich die Fragen „ was soll aus dem werden?“

Das wusste ich allerdings auch noch nicht, jedenfalls spielte ich wesentlich länger des Abends Fußball als ich sollte und musste fast jeden Abend mehr für die Schule tun als ich wollte.

Da gründete sich eine Schicksals- Gemeinschaft, ein Mädchen was ein Jahr älter war als ich, wir fanden irgendwie zusammen.

Ich war 15 und sie war 16 Jahre alt, wir fuhren zusammen in die Schule und wollten gemeinsam etwas mehr.

Der erste Anlaufpunkt war die Stadtbücherei, man gab die Bücher ab und den Wunschzettel für die Neuen, wir warteten gemeinsam und lasen in den Zeitschriften. Schon da gab es lange Augen, was machten wir so lange dort?

Wir machten aber noch mehr, wir wollten zusammen ins Hallenbad, nur gestaltete sich das schwierig es gab nämlich meistens nur Frauen- oder Herrenabende.

Um das zu verwirklichen, nahmen wir uns des Freitags einfach eine Stunde zuvor frei von der Schule, uns war es um Ausreden nicht verlegen.

Diese Geheimtuerei lässt sich gar nicht mehr erklären, denn wir fehlten in der Religionsstunde-dachten wir sind bereits konfirmiert und das genügt, von wegen ins Zeugnis kam ein Stempel „Religionsunterricht konnte nicht gegeben werden.“

Vielleicht hatten die keinen anderen Stempel, da lernten wir zu interpretieren.

Allerdings hatte diese Freundschaft für mich Folgen, das war ein Dreimädelhaus, einerseits schön andererseits helfen die sich untereinander, zunächst durfte ich zum gemeinsamen Fernsehabend erscheinen.

Wäre halb so schlimm gewesen, nur bei Onkel Louis zum Goldenen Schuss trat ein Schulfreund an, er gewann allerdings nicht.

Das Dreimädelhaus kam auf diese neue Art von Hauspartys, mitunter Samstags Platten auflegen und Salzstangen mit Cola und alle kamen sie im Anzug und Gummischlips, hüpften und machten einen auf Kindergeburtstag für etwas Reifere.

Die Alternative hatte ich, denn ich wurde mittlerweile fast 17 Jahre alt, Edgar Wallace und das Kino nur musste ich meine Freundin davon überzeugen.

Sie wollte zwar auch, doch da gab es noch ihre Eltern und die meinten die Hüpfpartys seien doch etwas.

Schlimmer wurden allerdings noch die Sommermonate, man fuhr über jedes Wochenende fast gemeinsam auf den Campingplatz, in dieses kleinbürgerliche Biotop zog man mich.

Freitags bis Sonntagsnachmittags im Trainingsanzug und bei Regen in Gummistiefeln, das war nur eine Frage der Zeit wo ich den Ausbruch wagte.

Nichts gegen all die Menschen, aber dieses Eigenleben hat seine eigenen Regeln, Mittagsruhe, Abendruhe und nicht so spät duschen-könnte stören, der Ausbruch war gewagt, alleine oder zu zweit?

Irgendwann war es soweit, auf das Fahrrad und folge mir, möglichst nicht im Trainingsanzug ab über die Felder und in den nächsten Ort.

Das Gefühl haben die Freiheit zu genießen, etwas zu tun was ein Tabu war und sich einmal auszuquatschen, mal einen Expresso trinken und spät in der Nacht wieder ins Zelt zu krabbeln.

Das ging allerdings vielen schon zu weit, das sagte man nicht, doch ließ man das einem spüren.

Vielleicht war das eine Generation die eigentlich feige war, man sagte mir es nicht- nur zum Zelten nahm man mich nicht mehr mit.

Anders verhielt es sich bei meiner Cousine, die tauchte wieder auf als sie als Studentin eine knallrote Ente fuhr, die lud mich ein und fühlte mich wohl unter den Studenten.

Später vielleicht 1971 oder 72 da war ich in den Semesterferien mal der Ersatzreserve- Hausmeister im Ferienlager bei der AWO in Tirol.

Da gab es eine recht junge angehende Kindergärtnerin, die war noch nie des Abends in Innsbruck in einem Kaffeehaus, das lässt sich doch machen- dachte ich und setzte das in die Tat um.

Da hielten alle anderen bereits dicht und man vertraute sich.

Vertrauen gewinnen war nämlich das entscheidende Thema, hatte diese Generation unserer Eltern eigentlich gelernt anderen zu vertrauen?

Die dachten meistens an das Schlimmste, nur so schlimm waren wir gar nicht, wir wollten nur unseren Weg gehen.

Ich sage euch noch etwas, aus meinem Bekanntenkreis von damals hat fast keiner seine Eltern kaum Geld gebeten, es war umgedreht wenn man etwas verdiente musste man Kostgeld abgeben.

Das war zwar bei mir nicht ganz so der Fall aber ich musste es kapieren, denn die Realität holte einen immer wieder ein.

In irgendeinem Semester waren die Konstruktionen am Reißbrett gefragt, der Raum war bis um 22 Uhr geöffnet.

Nebenan zirkelte ein recht nettes Mädchen, die brachte ich dann per Lloyd nach Hause und die sprach von ihrem finanziellem Loch, von dem wenigen was sie zusätzlich verdiente gab sie noch etwas ab. Nun gab es diese Semesterfeiern, das waren zwar keine Besäufnisse aber dauerten bis in die Morgenstunden, dazu lud ich sie ein.

Ihr Gesicht wurde zwar lang doch der Wille war vorhanden und ich gab ihr 50 DM, dachte das wird was- die in einer tollen Jeans, von wegen die ging zum Frisör und kam mit einer Betonfrisur.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 30. Mai 2014 um 03:11 Uhr  

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