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Teil 8 "Das Geschäft mit den Flüchtlingen"

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Der richtige Mann am Platz machte mehr als verlangt wurde, er hatte das gelernt und baute das wiederum aus.

Die Rede ist von dem Mann der die Brache eines Familienunternehmens wenige Monate nach der Stunde Null übernahm, dabei stets seinen eigenen Vorteil entdeckte.

Es war der Mann meiner Tante, den eigentlich niemand genau kannte in der Familie.

Mit der Währungsreform kam die DM und zudem entstanden Flüchtlingslager am Rande der Stadt, das wiederum waren keine Erfassungs- und Durchgangslager sondern Erstvermittlungslager, man führte zunächst Familien zusammen und wollte aus den Lagern heraus schon einige in die Arbeit vermitteln.

In dieser Epoche gab es aber im Nachkriegsdeutschland bereits eine relativ hohe Arbeitslosigkeit und da begann das Geschäft mit den Flüchtlingen.

Zunächst gab es eine feste und sichere Währung, noch verwertbare Restbestände hatten einen Wert, auf dem alten Gießereigelände waren bereits zuvor noch verwertbare Teile erfasst worden.

Das waren Teile für Nähmaschinen und die waren wieder gefragt, nur gewaltig angerostet.

In irgendwelche Schuppen wurden die gesichtet und entrostet, dazu bediente er sich unter der Vielzahl von Flüchtlingen für jeweils 4 Wochen die richtigen Arbeitskräfte zu finden.

Zahlte vielleicht nicht schlecht, machte aber mit dem Verkauf der Ersatzteile noch besseren Gewinn und die 4 Wochen war die Zeit wo die im Verteilungslager verbrachten.

Wer dann auf die Idee kam denen auch Wohnraum anzubieten, konnte auch ich nicht aufklären, es gab allerdings noch die Wohnungsbelegungsverordnung und die Leerstandmeldung.

Da wurde das ehem. Pförtnerhaus zur Wohnung, es zogen Flüchtlingsfamilien ein, nicht alle beschäftigte man, denn soviel Arbeit gab es auch nicht.

Mittels der Idee Wohnraum zu vermitteln ließ manchen Schuppen zu neuer Geltung kommen, wenn er sich nicht als Wohnraum eignete wurde er zum Lagerraum.

Das Geschäft blühte und wahrhaftig hatte man es mit keinem Wohltäter zu tun, denn der ging noch einen Schritt weiter und ließ sich die Brachflächen zwischen den Schuppen kultivieren.

Dort entstanden Gärten, man versorgte sich nicht nur mit Gemüse sondern auch Kleintiere wurden gehalten.

Liest man das jetzt, so erkennt man in den Jahren von 1948 bis 1952 hatte das seinen Höhepunkt.

Mein Vater allerdings meinte noch 1962,“wir fingen alle mal mit 40 DM an und drei Jahre später ging es denen bereits wesentlich besser, bloß uns nicht.“

Bei uns stand das Humanere im Vordergrund, ein Beispiel dazu liefert das Gegenteil von diesen Machtmenschen mit der gewissen Gier.

Ich schrieb in einigen Artikeln zuvor, dass die Familie der Schwester meines Vaters 2 Kinder hatte, der Cousin war fast 14 Jahre älter als ich.

Zudem war der Organisator genauso kalt und unberechenbar.

In der Folge des Krieges machte der seine mittlere Reife erst einige Jahre später, er war aber der große Esser am Tisch- und dazu fand er eine Lösung er kam in eine Lehrstelle mit Kost und Logis.

Die Cousine war 4 Jahre älter als ich, dessen Zimmer war fast 5 Jahre nach dem Krieg noch immer im Winter unbeheizt und die musste am Klavier üben mit gestutzten Handschuhen und Mütze.

Bei uns war es etwas anders, denn auch Teile des Holzeinschlages wurden von der Forstverwaltung eingeplant, das Nutzholz ging als Hohlmeter weg, es gab aber noch das Spaltholz und das wurde in der Familie aufgeteilt.

Davon bekamen wir wiederum mitunter den Hohlmeter, d.h. aber min. 4 x mit dem Leiterwagen quer durch den Wald und im Garten zerkleinern bzw. spalten.

Seinen Teil allerdings verkaufte der Onkel an Ort und Stelle, das war der Unterschied.

Ab 1953 oder 1954 ließ sich über diese Schiene nicht mehr das schnelle Geld machen und auch das mäßige Geld mit der Verwaltung band ihn nicht mehr, mittlerweile besaß der wiederum einen Motorroller namens Maico und trat eine Arbeitsstelle an im Ruhrgebiet.

Er zog sich zurück und manches kam an den Tag, was andere gar nicht für möglich hielten, vielleicht war auch seine eigene Familie froh dass er weg war.

Er war weg und setzte seine Karriere fort, irgendwann kam er nur noch über das Wochenende und im Jahr 1960 zog der Rest seiner Familie mit.

Da sahen auch wir das sog. Kontor, was sich als eine Wohnung herausstellte die wesentlich besser war als jene die ich bis dahin kannte.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 17. November 2014 um 04:05 Uhr  

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