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Teil 18 " Wir waren keine Softies"

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Wir waren nun einmal keine Softies, denn diesen Begriff kannten wir gar nicht aber was wir nicht sein wollten das waren die Weicheier.

Wir Nachkriegskinder fanden schnell zu unseren Rhythmus und der unterschied sich wohlweißlich zum Leben derer die 5 oder 10 Jahre älter waren und auch dessen war anders als der ihrer Eltern.

Wir waren nicht so stark wie wir meinten, aber dafür waren wir neugieriger und genau diese Neugier wurde für manchen Erwachsenen zum Problem.

Was wir nicht wussten erfragten wir und das nicht nur denselben sondern forderten mit unseren Fragen manche heraus, um alleine Fragen stellen zu können bedarf es an Informationen.

Parallel zum Schulunterricht wurde somit fast jede Klasse zu einer Informationsbörse, damit erweckte man ein Interesse auch bei solchen die zuvor ihr Interesse an diesem Thema nicht gerade bekundet hatten.

Das Interesse schürte also Taten und dabei wurde manche Tat eine Herausforderung für uns, wir waren nicht jene die stets ein Abenteuer suchten sondern nur ins Unbekannte vor dringen wollten.

Wir gaben uns nicht mehr mit der Theorie zufrieden, die wir in all den Büchern fanden und pfiffen immer mehr auf die Tabus der Gestrigen.

Wobei manches Buch was uns gehörte mindestens von 10 weiteren gelesen wurde und dann tauschten wir uns darüber aus, ich glaube es war im Jahr 1958 in dem Jahr war die Weltausstellung in Brüssel und ein Jahr zuvor war ich das erste Mal im Ausland.

Anfang September des Jahres 1958 allerdings kannten wir 2 Jungen, die etwas älter waren als wir, die waren per Fahrrad durch Holland und Belgien gefahren, die waren in Brüssel und hatten das gegessen was wir nur aus dem Buch kannten, nämlich die Pommes Frites.

Für die Vielzahl der Jugendlichen im Westen Deutschlands in den Jahren hieß Kartoffeln eigentlich Arbeit, auf dem Acker im Oktober und das im aufgeweichten Boden, ernten, säubern, tragen und nach Hause karren.

Es war so, Ende Oktober musste das Kartoffelschoss im Keller gefüllt sein und nebenan wurden die Briketts gestapelt.

Jetzt erfuhren wir etwas über eine ganz andere Kultur mit denen man die Kartoffel als Grundlage hatte und die wiederum schwärmten von dem uns unbekannten Geschmack.

Das Rezept dazu war uns bekannt, doch unsere Eltern hätten sich geweigert diese Art von Kartoffeln zu zubereiten.

Wir mussten also selbst zur Tat, zunächst benötigten wir einen etwas größeren Topf, der noch dicht war aber nicht auffiel wenn er nicht mehr vorhanden war zudem ein Sieb, wo die Kartoffelscheiben drin brutzeln sollten.

Der Topf war nicht das Problem, mittlerweile hatte in mancher Küche die Alu- Töpfe ihre Hochzeit überstanden, das Sieb wurde zum Problem.

Dieses Problem lösten wir dann geschlechterübergreifend, zu einer Zeit wo es noch auf weiterführenden Schulen die Geschlechtertrennung gab.

Eine Feuerstelle zu finden war leichter, da gab es hinter den Ruinen noch den Wildwuchs auf den Trümmergrundstücken, mittels ein paar Ziegelsteinen entstand der offene Ofen und das benötigte Brennholz lag in der Nachbarschaft.

An einem Abend hatten wir zunächst genug, Brennholz gesägt und sicher versteckt zudem machten wir das, was uns die Erwachsenen vorlebten, es hatte fast ein Jeder eine kleine Tüte Kartoffeln organisiert.

Jetzt hieß es Neuland beschreiten, wer konnte Kartoffeln schälen und wer traute sich geschälte Kartoffeln in Streifen nach der Skizze zu schneiden?

In solchen Situationen wachsen Mädchen über sich hinaus, denn die hatten das Fach: „Hauswirtschaft“ und den Kontakt zu ihrer Lehrerin, so waren die Kartoffeln nicht mehr das Thema, den schwarzen Peter hatten wir wieder.

Der schwarze Peter waren die min. 3 Liter Speiseöl, solch einen Vorrat hatte niemand Zuhause, nicht nur der Kaufpreis von ca. 6 DM wurde zur Hürde, sondern wo kaufen?

Die 6 Mark hatten wir zusammen, im ersten Laden 1,5 Liter gekauft-war wohl dessen Vorrat, den Rest im Konsum erworben, bräuchten wir für die Schulküche.

Dann kam der späte Nachmittag, die Stunde der Entscheidung, entweder bleiben wir den Bratkartoffeln treu oder es eröffnet sich für uns die Welt der Pommes Frites?

Jeder hatte eine Gabel und Salz, das Feuer erhitzte das Öl und die ersten Kartoffeln im Sieb ins Öl.

Die sollten mehrere Male gesichtet werden und goldgelb werden, vielleicht auch schon leicht braun.

Dann nickte einer, es war so weit, aus dem Öl damit und zugreifen, salzen und essen.

Wir waren nicht hungrig aber neugierig, jeder gab ein Tipp ab wo nach die schmeckten, außen hart und innen zart- eigentlich nach Kartoffeln aber dennoch anders.

Mit Salz isst man die in Belgien, das wussten wir – nur meinten manche Mädchen da fehlte was dazu.

Nur was das wussten wir auch nicht im zweiten Durchlauf, einer meinte Bier, denn Belgien sei das Land der Biertrinker, bis einer nachlas und rief „Mayonnaise“ , die konnten wir wirklich nicht noch besorgen.

Allerdings wurde unser Öl um ein etliches weniger, die letzten Kartoffeln waren kaum noch vom Öl umgeben, dabei hatten wir und zuvor gefragt, was machen wir mit dem Öl zum Schluss?

Das verblieb im Topf und den gaben wir beim Altmetallhändler ab, waren wir jetzt eigentlich stolz oder fühlten wir uns überlegen, Quatsch- wir hatten eine Herausforderung angenommen und diese bestanden.

Im Herbst desgleichen Jahres fand in meiner Heimatstadt eine Regionalmesse statt, meine Mutter arbeitete auf der Messe stets mit und mein Schulfreund und ich fanden somit den Zugang zur Messe.

Fast jeden zweiten Nachmittag waren wir dort und hatten einen Ablauf, zunächst zeigte die Polizeidirektion diese Verkehrsübungsfilme mit Heinz Ehrhardt und Jupp Hussels, danach kam die Wasserorgel- das wollte man nicht verpassen und dann probierten wir uns für 15 Pfennig pro Tasse durch alle Knorr Suppen.

Da erlebten wir den Geschmack, den wir eigentlich gar nicht kannten, bis wir bemerkten bei Maggi gab es das auch.

Zum Ende sahen wir uns noch die Autos an, saßen in der Isetta mit den 4 Sitzen, verglichen den Lloyd 600 mit dem 2CV und sahen den VW Standard auf der Scheibe- wanderten dann lieber zu den Fahrrädern und hatten mittlerweile Ahnung, warum die Kettenschaltung besser war als die Nabenschaltung, warum die Felgenbremse besser war als die Reifenbremse und warum Vaterland besser war als Tripad.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. Februar 2015 um 03:55 Uhr  

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