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Teil 25 "Alltagsgeschichten"

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Etliche Zeitgenossen waren in der jungen Bundesrepublik naiv, einige waren bereits gewieft aber der Großteil dachte ziemlich rationell.

Widmen wir uns einmal dem Großteil der Zeitgenossen zu, die einfach rationell denken mussten und sich nur auf sich verlassen konnten.

Es könnte der Start in die Demokratie gewesen sein, denn es war die Basis die etwas machte ohne auf die große Hilfe zu warten.

Was damals funktionierte waren Personal- und Betriebsräte und die wiederum beschäftigten sich mit Themen, die heute in Vergessenheit geraten sind. Themen der sozialen und gerechten Versorgung der Betriebsangehörigen und ihren Familien.

Ich glaube bereits kurz nach dem 1. Mai in jenen Jahren begannen die Aktivitäten über die Kartoffelernte im Herbst.

Zunächst gab es Interessenlisten in der Belegschaft und dazu kamen Bedarfslisten der Witwen sowie der Pensionäre, das ergab eine Erntesumme.

Mit dem Ergebnis beschäftigte sich der jeweilige Personalrat und handelte mit einem Landwirt einen Preis aus, nach einer Formel 5 Meter auf dem Acker ergibt in etwa einen Zentner.

Nehmen wir einfach an, der Zentner kostete damals 14 DM, 8 oder mehr Zentner benötigte eigentlich fast jede Familie- so ergab die Einkellerung fast ein Drittel des Monatsgehaltes.

Nun begann man das Kartoffelgeld monatlich einzuziehen, die Regel sagte 5 Monate, denn im Oktober wurde geerntet.

Bei den meisten Kollegen meines Vaters klappte das auch, es gab aber auch welche denen die monatlichen Raten zu hoch waren, wenn man die streckte kam Weihnachten dazwischen.

Da war der gute Rat wiederum teuer, man wollte sozial sein und verstand die Lage der Betroffenen aber trotzdem wollte der Landwirt Ende Oktober seine Ernte bezahlt haben.

Ein Rettungsanker war immer die Frau des verstorbenen Pfarrers, zunächst war die überall geschätzt und stammte aus einer begüterten Familie.

Nun die saß dann des Öfteren des Abends bei uns Zuhause und zeigte Verständnis, sie kannte die Situation in den betroffenen Familien.

Mitunter redete sie mit dem Landwirt und handelte einen Sozialpreis aus und mitunter streckte sie auch das Geld vor.

So befanden sich bereits in den Sommermonaten die Namensschilder an den Reihen auf dem Acker, das war schon mal etwas- das andere Problem war der Dienstplan für den Oktober.

Innerhalb von fast 10 Tagen musste das Feld geerntet sein, Kartoffeln in der Erde vertragen keinen Bodenfrost, der Regen im Oktober machte die Arbeit auf dem Acker auch nicht gerade angenehmer.

Das funktionierte irgendwie und auch der Dienstplan wurde so gestaltet, in der Früh waren meistens 6 oder 8 Männer auf dem Acker um die Mittagszeit kamen weitere Familienangehörige die die Kartoffeln auflasen.

Dafür gab es Körbe, erst den kleinen und dann in den Weidenkorb und den zum Feldweg in den Sack auf dem Leiterwagen.

Der erste Leiterwagen war nach einiger Zeit beladen, den zogen meistens die Frauen und man ging gemeinsam, denn unterwegs konnte wiederum etwas passieren.

Es war nicht nur die kleine Anhöhe, wo man sich gegenseitig half sondern Leiterwagen in dieser Zeit verloren mitunter ihre Räder.

Der sog. Achsensplint hatte sich durchgescheuert, anheben und das Rad aufsetzen und den stets bereiten Nagel einführen.

Meistens musste man zuvor den Wagen unterwegs dazu entladen, das konnte zum Problem werden.

Die zweite Ladung zogen die Männer, dann war es aber bereits dunkel und wir waren stets froh wenn der Vater Zuhause war.

Die Kartoffeln kamen noch am Abend aus den Sack, die Säcke und die Leiterwagen wurden in der Nachbarschaft bereits von einem Kollegen erwartet, der hatte den Wecker bereits auf 4 Uhr 30 zum anderen Morgen gestellt.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 12. März 2015 um 04:18 Uhr  

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