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Teil 28 "Urlaub oder Ferien?

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Gab es einen Unterschied zwischen Urlaub und Ferien?

Wie sollte ich das als Nachkriegskind beantworteten, ich glaube es war nach den großen Ferien in der 3. Klasse als wir von unseren Urlaubserlebnissen berichten sollten.

Urlaub war stets ein strapaziertes Wort, unterhielten sich 2 Männer über Urlaub waren sie wieder mitten im Krieg und erzählten von ihrem letzten Heimaturlaub.

Nach dem Krieg blieben etliche dieser braunen Tradition treu, man schickte die Kinder zur Erholung und gönnte sich freie Tage Zuhause.

Das war bei uns allerdings etwas anders, die Sommerferien waren die Gartenzeit und dort waren wir gemeinsam von Morgens bis Abends, an manchen Tagen unternahmen wir mitunter etwas anderes.

Die berühmten Wanderungen mit dem Frühstücksbrot im Rucksack durch die Wälder und man kehrte auch in einen Landgasthof ein, nur ans Verreisen dachte man kaum.

Sicherlich fuhren wir mal per Bahn weg zu der älteren Schwester meiner Mutter und übernachteten auch dort, bezeichneten das allerdings nicht als den Urlaub.

Auf die Frage der Lehrerin wusste die Mehrheit der Schüler keine Antwort, sie erzählte uns dann wo sie war, 2 Wochen Urlaub im Feriengasthof bei Traunstein.

Der Hausmeister war 14 Tage mit seiner Frau in der Lüneburger Heide gewesen.

Darum ging es also und von 32 Kindern in der Klasse waren 4 Kinder mit ihren Eltern während der Ferien ähnlich verreist, 12 Kinder waren mit Caritas usw. alleine verschickt worden und der Rest machte den Urlaub Zuhause.

Für uns war das eigentlich selbstverständlich, mal am frühen Morgen die ersten Badegäste im Freibad zu sein und am Abend bis es dunkel wurde Völkerball zu spielen.

Irgendwie entwickelte sich in meiner Fantasie Urlaub am Nordsee-Strand zu ähnlich nur viel besser, man war ja in Vollpension und die Mutter müsste nie in der Küche sein.

Wie das alles aber war, wo es wenig Autos gab und man noch mit Regelzügen der Bahn fuhr, erlebte ich kurz darauf.

Meine ältere Cousine erzählte mir von ihrem Geschenk, was ihr der Vater zum Urlaubsbeginn machte, sie hatte eine Voigtländer Kleinbildkamera mit Faltenbalg und mehreren Blenden sowie eine genauen Sekundeneinstellung bekommen.

Das war die Kleinbildfilmkamera, mit der man auch DIA Filme verarbeiten konnte und mit einer solchen Kamera war sie im Urlaub.

Wir wurden also des Samstags eingeladen, zum Urlaubs DIA sehen und das war nicht irgendwie sondern mit Projektor und Leinwand, die gehörten allerdings den Eltern ihrer Schulfreundin.

Wir tauchten also vor der Leinwand in eine andere Welt ein, hinter dem Horizont ging es nämlich weiter.

Eva- Maria hatte fotografiert, die Ankunft in Düsseldorf, ihren Vater, das Haus wo er zu Miete wohnte, den VW Käfer Standard und die Königsallee.

Dann brachen sie auf, zunächst Köln, natürlich den Dom und dann Bonn. Alles vom Beethoven Haus bis zum Drachenfels, immer dazwischen die Gaststätten und Pensionen.

Koblenz und die Mosel aufwärts bis nach Cochem, dann die Wanderung von Moselkern nach Burg Eltz.

Ich fand das fantastisch, die Bilder und ihre Erzählungen, meine Tante schloss das ab.

Sie verwies noch einmal auf die Wohnung in Düsseldorf, das sein eine gute Adresse in einem Vorort und im gleichen Haus würde im kommenden Jahr eine größere Wohnung frei, dann würde auch sie umziehen.

Ganz nebenbei erwähnte sie nur, der Onkel habe bis dahin seine Stelle in der Firma ausgebaut so dass ihm der vom Direktor abgelegte Dienstwagen zu stehen würde, es sei ein Borgward Hansa.

Der wiederum sei bequemer und größer, man würde dann in den Schwarzwald fahren.

Das allerdings vernahm ich ganz anders als es meine Eltern verarbeiteten, für mich war das eine Enttäuschung Eva Maria war dann weg und die DIAS vom Schwarzwald würde ich nie sehen.

Für meinen Vater lag die Sache anders, der verfluchte das vom Deutschen Bundestag beschlossene 131er Gesetz ohne mir zu erklären um was es dabei ging.

Nun wusste ich allerdings was Urlaub eigentlich war und was ich mir wünschen würde, eine Kleinbildkamera.

Über den Urlaub sprach ich dann mal mit dem kleinen Mädchen was im Haus in der Wohnung unter uns wohnte, da wohnten in 3 Zimmern 6 Leute und ihr Vater war bei der Straßenbahn beschäftigt.

Sie war mit ihren Eltern auch im Urlaub allerdings über den Betriebsrat der Straßenbahn.

Der war wohl etwas aktiver und ihre Eltern fielen unter denen für die man etwas machte.

Man schickte Familien die keine eigene Wohnung hatten für 14 Tage in den Familienurlaub per Straßenbahn.

Das erzählte sie mir und ich fand das alles toll, die starteten gegen Mittag mit einem Straßenbahnzug und stiegen um auf eine Nebenstrecke liefen dann noch durch Wald und Wiesen zu einem gemieteten Landschulheim.

Da machten die jeden Tag etwas ganz anderes zusammen, die frühstückten gemeinsam, wanderten zum Fluss, machten des Abends ein Lagerfeuer, eine Nachtwanderung und sie kochten gemeinsam und immer etwas anderes.

Vieles von dem was sie mir erzählte kannte ich nicht, Bratkartoffeln mit der Scheibe Leberkäs usw. nur Fotos in dem Sinne wie ich sie kannte gab es nicht. Später zeigte man mir ein paar 9 x 9 Bilder von der Agfa Clack, das war schon ein Unterschied.

Nur ganz ehrlich neugierig wurde ich auf fremde Städte nur hätte mir der letztbeschriebene Urlaub besser gefallen.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 18. März 2015 um 03:15 Uhr  

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