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Teil 29 "Gestatten: meine Nachbarin"

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Spricht man mit Anderen über sein eigenes Leben kommt man ins Gespräch, das einen ganz anderen Verlauf nimmt und auch Zuhörer haben etwas zu berichten.

In diesem Fall war es meine Nachbarin, die mich fragte: Womit beschäftigst du dich gerade?

Nun gerade war ich zurückgekommen aus Dessau und in Dessau besuchte ich das Kurt Weill Archiv in einem der Meisterhäuser.

„Kurt Weill“ meinte sie, das war mein Thema in der Examensarbeit und nach einiger Zeit fand sie diese wissenschaftliche Arbeit.

Fast 60 von Hand in die Gabriele getippte Seiten mit der Überschrift: „Kurt Weills Musik als Richtung in eine Epoche des 20. Jahrhunderts“. Fantastisch, rief ich und selber getippt, gebunden und mit 3 Durchschlägen eingereicht?

Das war so damals, das meinte nicht nur sie, meine eigenen Schreibmaschinenbeherrschungskünste waren geringer, meine Arbeiten lieferte ich in einem Schreibbüro ab.

Das war ein Unterschied zu ihr, ansonsten begegneten wir uns beide damals vor etlichen Jahrzehnten mitunter, sie war die junge Studentin an der PH die bei Leydecke um die Ecke wohnte und des Abends dort zu den letzten Gästen zählte.

Nur kannten wir uns gar nicht richtig, erst an einem Heiligabend vor ungefähr 10 Jahren trafen wir uns auf der Singmette zu Mitternacht in der Kirche.

Dann saßen wir gemeinsam bei Wein und Spekulatius noch unter dem Weihnachtsbaum und sie meinte, am Heiligabend kommen all die Erinnerungen wieder hoch.

Das machte mich neugierig und so erfuhr mehr, sie ist das Flüchtlingskind des 2. Weltkrieges was die Ostküste von Schleswig Holstein erreichte.

Sie kennt weder ihren Vater noch ihre Mutter, hatte allerdings nur mal von Fremden gehört, dass sie Geschwister habe.

Die wiederum hatten nie den Kontakt zu ihr gesucht, wie auch immer an den Ort kann sie sich auch nicht mehr erinnern.

Nur an einen Bauernhof unweit von Bad Seegeberg, dort verbrachte sie ihre Kindheit und genau dort war ein kinderloses Ehepaar aus Dortmund zuvor als Ausgebombte einquartiert worden und die setzen bei den Behörden durch, das Kind nehmen wir mit.

Nun war sie in Dortmund, nach ihrer Darstellung muss das zwischen Sommerberg und Höchsten gewesen sein und wenn ich mich erinnere, fuhr sie vor 45 Jahren durch das geteilte Berlin einen weißen VW Käfer mit dem Kennzeichen DO-V… konnte man sich gut merken.

Allerdings war es damals so, das erzählte sie mir ziemlich ernst als sie 16 Jahre alt war verstarb ihre Ziehmutter und das Jugendamt schritt ein.

Nach dem Gesetz von damals hätte sie nicht als Jugendliche bei ihrem Ziehvater bleiben dürfen, nur mit Zuspruch der Lehrer und des Pfarrers sei dies möglich gewesen.

Danach habe sie sich auf die Schule konzentriert und die ersten Freunde beim Abi die hätten sich noch ordentlich vor der Haustür verabschieden müssen, damals habe sie geträumt von der ersten eigenen Wohnung und vom ersten eigenem Geld.

Sie wurde die kaufmännische Angestellte, erst bei einer Versicherung und dann bei einer Bank.

Nur erkrankte dann auch noch der Ziehvater und der sollte aus dem belasteten Ruhrgebiet wegziehen, was er auch tat. Sie war nun allein in Dortmund und ein paar Freundinnen studierten in Berlin, was lag näher?

In Berlin habe sie zunächst nicht ans Studium gedacht sondern stieg wieder in den Beruf ein, erst nach mehreren Jahren entdeckte sie den Hang zum Studium und noch war es dazu nicht zu spät.

Damals allerdings traf man solche Studentinnen öfter, die PH war wie ein Magnet, nur sie war damals schon etwas anders spielte stets auf einigen Instrumenten und forderte alle zum Mitsingen auf.

Es gab keine Demo wo sie nicht singen wollte, so lernte ich sie kennen. Nur kannte ich sie damals nicht, nun mittlerweile ist sie als Lehrerin bereits im Ruhestand und noch immer unruhig.

Im Kulturprogramm der Heilig Kreuz Kirche findet man stets ihren Namen.Allerdings lässt sie auch manchen Streit nie aus, fragt mich um Rat und ich bin fast verzweifelt.

So ist sie, fuhr mal vom Kirchentag zurück und ihr Schiebedach war undicht, es regnete ins Auto.

Machte ihr nichts aus, ihr Begleiter hielt während der Fahrt den Regenschirm über sie.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 20. März 2015 um 04:13 Uhr  

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