Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Teil 34 "Als Goethe blank wurde"

Teil 34 "Als Goethe blank wurde"

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Beim Schreiben des Manuskriptes zum folgenden Artikel sprach ich den Inhalt mal kurz mit meiner Frau durch, die hatte in etwa das gleiche Problem löste das aber wiederum auf ihre eigene Weise.

Den Schülerausweis auf ihrem Lyzeum stellten sich die Schülerinnen selber aus und das Schulsekretariat bestätigte das und stempelte das Lichtbild ab, sie datierte einfach ihr Geburtsdatum um ein Jahr nach vorne.

Das ging bei uns allerdings nicht, in der Zeit wo ich begann kein Kind mehr zu sein, eigentlich wollte ich in dieser Zeit nur Fußball spielen, wollte der Mittelstürmer in der Schulmannschaft sein und träumte die Nr.9 in der A Jugend zu tragen.

All das musste man unter einen Hut bekommen, die Schule war lang und der Tag hart.

Ich liebte förmlich die Abende, besaß mittlerweile mein eigenes Zimmer und das eigene Radio. Hörte fast jede Sendung von „allein gegen alle“ und zudem mochte ich die Krimis im Radio, da begann ich zu lesen.

Meine ersten Bücher waren Gildebücher, die rochen besser und waren gebunden, ich kaufte fast jede Woche mir ein Taschenbuch.

Kästners Fabian war eines der ersten Bücher, dann folgten weitere Kästner Bücher bis ich John Steinbeck entdeckte und auf die rororo Reihen kam.

Blätterte ich in den rororo Taschenbüchern, von Heinrich Mann bis Schnurre hatte ich immer die Werbung in den Büchern vor Augen.

Jedes mal bei Rowohlt, die Lux- Zigaretten, den Rotwein aus Frankreich und die Deutschen Pfandbriefbank.

Da musste also was dran sein, wer Klaus Mann verlegte für Leser, die mussten so etwas besitzen und davon träumte ich.

Zudem gesellte sich Ulrike zu mir, mit der hatte ich etwas gemeinsam, wenn die 7 Stunde am Tag begann und in dieser Zeit unterrichtet wurde in dem Fach wo wir sowieso bereits auf einer 2 standen, gönnten wir uns um 14 den 2. Platz im Kino.

Das ging gut, denn die war mehr als 1 Jahr älter als ich und kaufte stets 2 Karten, welche Filme wir nicht alle sahen vom „bitteren Reis“ bis „Jeder stirbt für sich allein“.

Für mich stand eins fest, ich musste mich motorisieren, das ging schneller als ich dachte, erwarb den Motorroller Zündapp RS50 und damit wurde ich ganz einfach flexibler.

Das ging in den Sommermonaten prima, wenn wir in der Physik nicht gerade das verstanden was uns vermittelt wurde, gab es ja meinen Großonkel und der mochte mittlerweile bereits Ulrike, waren es die anderen Fächer so fuhren wir zur Akademie, Tante Ilse wusste immer Rat.

Nur pauken mussten wir selbst und manches Referat was wir halten sollten entstand am Flussufer und wurde dann entweder oder in Normschrift oder per Maschine geschrieben, zudem war es mit den Büchern einfacher, was ich nicht hatte besaß ein anderer und hin und her ging gut.

Nur finanziell pfiff man auf dem letzten Loch, freitags kratzen wir gemeinsam alles noch zusammen und gingen ins Hallenbad, das war mein Auftritt, ab 18 Jahren war es noch billiger.

Um mich finanziell zu erholen war nicht so einfach, der sicherste Weg war immer der zu meinem Großonkel, nur der verlangte stets was von mir- was mich jedes Mal herausforderte.

Nach dem Motto, Geld spielt keine Rolle, denn das haben wir so wie so nicht.

Dabei war er die treue Seele und der Patron in der Familie, er hatte in der bereits vor Jahren stillgelegten Fabrik sein Atelier.

Er arbeitete fast immer, er nannte das Auftragsarbeiten und dabei benötigte er mich, er stellte nämlich Holzmodelle und die dazu erforderlichen Kerne her.

Nun sollte man wissen, in Folge der Kriegshandlungen wurde einiges zerstört und mittlerweile galt es das wieder auszubessern.

Da fehlten also Guss teile von Figuren, Staturen und mitunter auch nur Köpfe, zunächst wurden die noch vorhandenen fotografiert mit einem Bezugsgegenstand im Bild, das war meistens die Streichholzschachtel.

Danach in der Reihenfolge, Vorderansicht, Seitenansicht und Draufsicht stets mit der dazu gewendeten Streichholzschachtel.

Aus diesen Negativfilmen machte man Ausschnitts Vergrößerungen und damit begann die Arbeit.

Mittels des Vergleiches der Streichholzschachtel im Original zum Bild hatte man die Vergrößerung bzw. Verzerrung und diesen Faktor stellte man an Pantografen ein.

Mit dem fuhr man die Kontur auf dem Foto ab und es entstand eine Zeichnung im Maßstab 1:1.

Das funktionierte in allen drei Ansichten, nur gab es 2 Reißbretter, eines mit der kleinen Zeichenmaschine zum Maßabnehmen und das größere Brett mit der Reißschiene zu Auszeichnen.

Ich musste also auszeichnen, nicht irgendwie sondern mit Tusche und dazu gab es die Schwedenfeder, zuvor musste ich die Strichstärke nach der Vorlage einstellen.

Die Radien und Kreise machte mein Großonkel selbst, sein Zirkelkasten galt als sein Heiligtum.

So entstand also eine fast vollwertige Zeichnung, die dann zum Pausen gebracht wurde.

Diese Pausen stanken nach Salmiakgeist, waren meistens rosa oder hellblau und eine solche Pause landete auf dem kleinen Reißbrett mit der Zeichenmaschine zum Maßabnehmen.

Kurz geklärt den Nullpunkt unten oder rechts und dann vom Nullpunkt messen und eintragen.

Ergebnis war, er hatte die Zeichnung, danach sah ich die Produktionsschritte.

Das Rohmodell in der Größe geformt aus Zeitungspapier über den Draht und gefestigt mit flüssigem Wasserglas.

An diesem ersten Arbeitsmodell klebte und bastelte er, bis das Ding so aussah wie das auf dem Foto und dann wurde es bemalt, in hellbraun wenn es aus Messing sein sollte oder in Silber wen es verchromt sein sollte.

Danach vollzog sich erst der Holzaufbau, da wurde Hartholzscheiben gedreht und geschichtet, verleimt und an gedübelt und das sah alles roh und größer aus.

Die eigentliche Handarbeit machte er auf der Drechslerbank und stemmte von Hand, polierte mit Schmirgelpapier hatte dann das Holzmodell.

Das dokumentierte er und ich fotografierte es, den aus dem Holzmodell wurde der Gipsabdruck gemacht und den noch ohne Kern.

Den Gipsabdruck machte der Formenbauer, da lernte ich den Sand kennen, mittlerweile konnte ich stampfen und formen, die Briketts brennen und die Form erwärmen.

Auf die gebrannte Form kam der Oberkasten, das Modell entzog man zuvor und der Gips floss in die Form.

Einfach toll ich hatte den Kopf des Goethe vor mir in Gips, nur alle anderen waren unzufrieden, die meinten die Form müsste man trennen der Entformung wegen.

Insofern schnitt man den Gips Goethe der Länge nach auf der Bandsäge durch.

Dieser zweiteilige Goethe wanderte in den Unter- bzw. Oberkasten, gleiches Spiel Sand stampfen und brennen, raus mit der Gipsform und den Kern einlegen.

Irgendwann wurde dann gegossen, zuvor allerdings zerhackte der Großonkel, stets mit einem Kommentar die Messingköpfe des Adolf des Braunen oder des Reichsjägermeisters.

Heraus kam also der Goethe in Kupfer und Zink was man Messing nennt, nur sah der nicht so aus nach Messing blank.

Den musste man nach dem Abkühlen noch trowalisieren, tolle Sache ich wusste auch nicht was das war.

Ab mit dem Guss teil in den Blecheimer der Gurken, mit Schlacke und Wasser dazu ansetzen und ins Dreibackenfutter der Drehbank spannen, die Maschine anwerfen und im unteren Gang leicht polternd über Nacht arbeiten lassen, am anderen Morgen war der Goethe messingblank.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 05. April 2015 um 03:09 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 335
Beiträge : 5720
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 13834795

Verwandte Beiträge