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Start Neuigkeiten Teil 36 "Der erste gewagte Widerspruch"

Teil 36 "Der erste gewagte Widerspruch"

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Unser erster gemeinsamer Widerspruch wurde bereits für uns zu einem Erfolg, wir wagten also aufzubegehren.

Das war im Fach „Sport“, denn einige Lehrer machten sich das einfach, sie nahmen das Ergebnis der Bundesjugendspiele und machten daraus die Note.

Das war im Sommerhalbjahr gegenüber dem Winterhalbjahr mit wesentlichen Schwankungen.

Ganz einfach, weil im Winterhalbjahr diese von Turnvater Jahn vorgegebenen germanischen Kraftsporteinlagen am Reck, Barren und Boden für uns eine Herausforderung waren, die teilweise unerfüllbar war.

Zunächst war das auf unsere Klasse bezogen, die Parallelklasse der Mädchen hatte allerdings das gleiche Problem und zudem wurde das zum Thema in unserer Nachbarschaft.

Wir waren uns einig, im Sport waren wir wesentlich besser als die Note welche auf dem Zeugnis stand.

Überzeugen davon mussten wir allerdings unseren Sportlehrer, dem schlugen wir vor, das Sportabzeichen zu machen.

Was wir nicht wussten, dass fast kein Lehrer dazu berechtigt war uns das abzunehmen, das sollte allerdings nicht unser Problem sein.

Wir erwarben also dieses Heft und klebten unser Passbild auf die richtige Stelle und forderten die Schulleitung heraus.

Diese Rechnung hatten wir allerdings ohne jene aufgestellt, die etwas älter waren, denn sage und schreibe gab es in den Jahrgängen die von 1952 bis 1954 eingeschult wurden noch in der 6. Klasse ca.25% Nichtschwimmer.

Das wiederum hatte viele Gründe, zunächst stammten diese Kinder aus größeren Familien, wo das Geld knapp war und wo die älteren Geschwister etwas ganz anderes machten als ins Schwimmbad zu gehen.

Ebenso verhielt es sich mit dem Radfahren, meistens waren es dieselben die nicht schwimmen konnten.

Ein weiterer Grund war, dass bis Mitte der 50. Jahre die Städtischen Hallenbäder überwiegend von den Besatzungsmächten benutzt wurden.

Nichtschwimmer waren nicht wasserscheu sondern kamen aus anderen Familienverhältnissen und bisher hatte die Schule das Schwimmen gar nicht auf dem Programm, wir Schüler waren als die ersten die das der Schulleitung publik machte.

Natürlich reagierte man, noch flach und offen miteinander, man bot die Schwimmstunde an und innerhalb kürzester Zeit hatten wir die Fahrtenschwimmerprüfung abgelegt und wagten uns ans erste Training zum Sportabzeichen.

Auch das funktionierte, wir hatten den Kontakt zum Behindertensportverein hergestellt, die Prüfer nahmen uns diese erste Wertung ab und als Gegenleistung mussten wir den Vorschwimmer bei einigen Blinden machen.

Auf dem Sportplatz sah es ganz anders aus, zunächst musste man darauf kommen ohne Vereinsmitglied zu sein und dann benötigten wir noch die Geräte.

Vor der Prüfung stand das Training und dabei stellten wir fest, wir waren nicht nur Männlein und Weiblein aber das wussten wir ja vorher schon sondern auch unterschiedliche Jahrgänge.

Dementsprechend wurden andere Leistungen erwartet, da kniffen wir nicht sondern das wollten wir gemeinsam schaffen.

Mit dem Sprint hatten wir keine Probleme, üben mussten wir nur auf Kommando aus den Blöcken zu kommen.

Kugelstoßen war schon wieder ganz anders, interessant war nur unsere jungen Damen beherrschten diese Technik besser als wir.

Wir mussten das also mit viel Kraft versuchen, wobei übertreten oder auch nicht bei uns zunächst keine Rolle spielte es galt die Weite zu schaffen.

Das allerdings dauerte Tage, danach hatten wir die ersten Disziplinen gemeistert, abgenommen und vermerkt.

Wobei nun unsere jungen Damen den Hochsprung wählten und wir den Weitsprung ist mir immer noch ein Rätsel, jedenfalls war ich froh 5 cm weiter gesprungen zu sein als erforderlich.

Dann folgte der berühmte Samstag, der gefürchtete Langlauf- wir fühlten uns eigentlich topfit, hatten Tage zuvor im Wald uns im Bergauf- Laufen geübt und wagten den Massenstart.

Wiederum aus Zeitgründen, denn fast jeder von uns hatte eine andere Vorgabe – so dass auf jeden Starter ein Prüfer kam.

Der Versehrtensportverein war bereit und ein paar Sportlehrer kamen noch hinzu, dazu kamen auch noch Zuschauer.

Die fünf jungen Damen am Start liefen 1 Minute vorher, sie hatten die 1500 Meter vor sich, danach starten wir.

Ich gehörte zu Jenen die 5000 Meter laufen mussten, neben mir zogen ein paar Könner an, die liefen allerdings nur 3000 Meter.

Irgendwann jubelten die jungen Damen und ich dampfte aus allen Poren, hinter mir bemerkte ich stets einen im Nacken und vor mir lief noch einer den ich fast einholte.

Nur standen die irgendwann alle am Ziel und ich war mir sicher, 2 Runden muss ich noch, die riefen immer ich sollte weiterlaufen.

Ich lief also alleine die letzte Runde und war weit unter der Zeit, warum waren die anderen aber bereits im Ziel?

Der große Sportler der hinter mir lief, gab in der 10 Runde auf- Leistenschmerzen, das machte ihm allerdings gar nichts, denn am Montag sollte er zur Musterung.

Da war er auch und eine Woche danach besuchten wir ihn im Krankenhaus, Leisten- OP, der hörte nichts mehr von der Bundeswehr.

Erreicht hatten wir allerdings etwas, unsere Zeugnisnote war bewiesen und die war wesentlich besser.

Danach bot man den Folgeklassen das Sportabzeichen an und noch etwas Montagsmittags ging es zum Schwimmunterricht ins Hallenbad.

Für uns war das eigentlich der Erfolg, nur feierten wir den nicht sondern wollten uns qualifizieren für eine der Schulmannschaften.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 08. April 2015 um 02:58 Uhr  

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