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Teil 54 "Eine ehrenwerte Familie"

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Wir waren eine durchaus übliche Familie im Nachkriegsdeutschland die mittlerweile in der Bundesrepublik angekommen war, mein Großvater lebte schon lange nicht mehr und meine Großmutter lernte ich nicht kennen, sie wurde begraben von den einstürzenden Trümmern des Hauses nach einem Bombenangriff im Januar 1945.

Aus dieser Generation meiner Großeltern lebten allerdings noch zwei Großtanten, die kinderlos waren und dazu funktionierte die Familie meines Großonkels noch, der immer noch die treue Seele der Familienbande war.

Diese Generation hatte ja fast mehr als 2 Jahre unmittelbar nach Kriegsende sich den Wirtschaftsprüfer gegönnt, der in alter NS Manier – weil er das dort beherrschte, jene Erbmasse der Familie bis ins Detail aufgelistet.

Wir Neffen und Nichten hatten davon allerdings weniger, denn dazwischen lag die Generation unserer Eltern, wobei die wiederum etwas ab und wann für uns abzweigten.

Es war nicht allzu viel aber mitunter lebensnotwendig für uns, allerdings gaben wir uns ein Versprechen „wir werden niemals Onkel und Tante um Geld bitten, das machen wir mit unseren Eltern“.

Das Versprechen gaben wir uns, kurz nach meiner Konfirmation, ich war der Jüngste in dieser Familienbande.

Damals war die Welt für uns noch in Ordnung, wir hatten alle noch beide Elternteile.

Mittlerweile hatten sie jedoch die Zeiten geändert, meine Mutter war bereits vor einigen Jahren verstorben und mein Vater wollte nicht alleine bleiben, er nun wieder verheiratet.

Die Eltern meiner Cousine hatten sich vor einigen Jahren getrennt, den Grund dazu erfuhren wir nie und besaßen auch nicht den Ehrgeiz am Tratsch der Familie teilnehmen zu wollen.

Wir schätzten und mochten Tante Ilse, das war die Theologin im Dienst der Akademie, sie zeigte nicht nur stets reges Interesse an all unseren Arbeiten sondern konnte uns dazu meistens auch noch Gesprächspartner vermitteln.

Tante Ilse war aufrichtig und mitunter direkt, was anderen in der Familie nicht immer passte.

Sie wusste stets welche Gelder in der Familie flossen und ahnte stets wieviel oder wie wenig davon bei uns hängen blieb.

Natürlich goss sie kein Öl ins Feuer, nur fühlten wir uns in ihrer Nähe geborgen und vertrauten ihr einiges an.

Da wechselte auch der ein oder andere gefüllte Briefumschlag mal den Besitzer, um ehrlich gesagt, ich war während des Grundstudiums selten bei ihr zu Gast.

Meine Cousine machte allerdings mitunter Ausflüge und pflegte Kontakte zu ihren alten Mitschülerinnen, etwas was unter jungen Damen normal ist- war bei uns jungen Männern mitunter unvorstellbar.

Was die nicht alles mit einem solchen Ausflug verband, konnte ich nur ahnen, junge Damen in diesem Alter hängen mehr zusammen und haben sich viel mehr zu erzählen als manche Männerrunde denkt.

Ich wusste nur, sie verband dabei Teile des Studiums, ihre Diplomarbeit, ihre Profilierungsaufgabe mit dem nützlichen.

Wohnte bei ihrem Patenonkel, der wiederum mein Vater war und belegte mehrere Foren in der Akademie, war zudem mitunter in der Kunstakademie in Düsseldorf und spielte wieder Klavier.

Das wiederum vernahm man nicht, doch ich sah ihre eigenen Noten, nach dem Motto „er etwas erreichen will- nehme seine eigenen Noten“.

Es klingelte das Telefon und sie war an der anderen Leitung, Treffpunkt die Frittenbude in einer halben Stunde.

Das war die Frittenbude mitten in der Szene, keiner fragte wer man war und alle aßen erst Fritten und tranken Bier.

„ich glaube es gelingt mir“- mehr erfuhr ich zunächst nicht aber es wurde ein längerer Abend.

Sie hatte mir einiges zu sagen, zunächst sollte es irgendeinen geben in unserer Familie der sich nicht an das Versprechen hielt.

Ich war es nicht, nur ahnte ich woher sie ihren Wind bekommen hatte, irgendwer hatte versucht Tante Ilse anzupumpen.

Wer es sein könnte, wussten wir nicht, nur dass auch eine Theologin rechnen kann und ein weiches Herz hat- das wussten wir.

Es gab also einen der sich nicht an unsere Abmachungen mehr hielt, wir haben das nie heraus bekommen wer dieses schwarze Schaf war.

Am Abend leerten wir also den Bocksbeutel, da zeigte sie mir die Hochglanz- Broschüre zum Festkonzert.

Das Thema war Edvard Grieg und Händel, die Musik mit Chor und Orchester.

In dieser Broschüre stand mehr von Händel in Leipzig und Händel in England und das in mehreren Sprachen.

Das war ihr Gesellenstück, das Meisterstück folgte indem sie die Solisten, den Chor und die Mitglieder des Orchesters vorstellte.

Ihre Methode war eigentlich gar nicht mal schlecht, sie ließ stets einen über den anderen schreiben und hatte das ergänzt.

Diese Festschrift wurde an allen Förderern geschickt in der Annahme dass sie dazu ihre Karten kauften.

Zudem blieb sie dem Etat treu und es gab bereits einige finanzielle Rückläufer, mehr war allerdings noch nicht in Aussicht.

Ich war begeistert und sie erzählte mir, mittlerweile wäre sie blank und der Tank leer.

Ihr Sparschein hatte den Inhalt von 36 DM und mein Schwein hatte 160 DM im Bauch, damit war das erste Problem gelöst.

Das Problem war ihr Rock vom Kostüm war nicht mehr auffindbar, auch mein guter Ratschlag bei allen Verehrern anzurufen ob in ihren Kleiderschrank ein Beutestück hängen würde, erbrachte nichts.

Aus dem Rock wurde allerdings eine schwarze Hose, für die Frittenbude reichte es noch.

Dann sah ich die Bestuhlung des Festsaales, in der zweiten Reihe 2 reservierte Plätze für die nächsten Angehörigen, toll das waren nun einmal ihre Mutter und mein Vater.

Ein paar weitere Verwandte saßen weiter hinten und für mich gab es die Loge im 1. Rang Orchestergraben.

Zu dritt mit den beiden Germanistik- Studentinnen die sich um ihre Mutter kümmerten.

Der Abend war der Erfolg und was ich von oben sah, konnte man von unten nicht sehen.

Rechts vom Chor stand der Konzertflügel und links vom Chor halbverdeckt das Klavier.

Am Ende des 1. Teils gab den Teil des Chores und ich erkannte wie eine andere Pianistin Platz nahm und ein Stück unmittelbar vor der Pause mit dem Orchester spielte.

Nach der Pause führte der Flügel und das Klavier stand nicht mehr links, ich war mir sicher das war sie. Danach macht man stets das Übliche und ich sah sie auch nicht mehr, fast ein Jahr später auf unsere Fahrt nach Wallau auf Fehmarn sprach ich sie daraufhin an.

„Ja- das war ich, denn die junge Klavierspielerin wurde vom Lampenfieber geplagt und zeigte blockierte Hände“.

Man macht eben alles, denn das Stück ist alles- ich hätte es nicht geglaubt- aber fast niemand bemerkte es.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 14. Juli 2015 um 03:07 Uhr  

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