Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Wirtschaftspolitik Wie wird marktwirtschaftlich regiert? Teil 5 Marktwirtschaft ist eine Geldpumpe!

Wie wird marktwirtschaftlich regiert? Teil 5 Marktwirtschaft ist eine Geldpumpe!

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Ach, vielleicht vorweg noch eine Frage: Was haben denn die Jungfrauengeburt und die Finanzmarktkrise gemeinsam?

 

Diese Ereignisse hätten doch gar nicht stattfinden dürfen.

Über ersteres müssen wir nicht mehr reden, doch Finanzmarktkrise? Wie ist das denn überhaupt möglich in einer Marktwirtschaft? - Vorsicht, das ist eine suggestive Frage! Diese werden wir sicherlich nach dem Lesen des Textes souverän beantworten können.

Nun erst einmal zur Überschrift. Marktwirtschaft soll eine Geldpumpe sein? Was soll das denn nun wieder? Brauchen wir so etwas auch noch? Haben wir nicht schon genug Probleme mit den Geldfluten im Finanzmarkt?

Genau deshalb! Es muss zurück in die Wirtschaft. Dafür ist die Marktwirtschaft das Mittel, welches sicheren Erfolg verspricht.

Aber haben wir den nicht schon Kapitalismus, also Marktwirtschaft und sogar eine besonders erlesene, nämlich die "Soziale ..." Ist aber nicht gerade dieses System nach Alan Greenspan „Capitalism is not working“ die Ursache, warum es krisenhafte Entwicklungshemmnisse gibt?

Moment! Nur wer verhandeln kann, ist im Markt.

Märkte bestehen nur, wenn Geschäftige ihre Angebote mit Verhandlung tauschen. Verlieren Geschäftige ihre Tilgungsfähigkeit, so sind sie ganz sicher nicht mehr im Markt.

Und nicht nur nicht können, sondern auch:

- Müssen - nicht mehr andere Geschäftige verhandeln, sind diese auch nicht mehr im Markt. Das ist doch verständlich, oder? Der Handel ist das innere Wesen des Marktes.

Eine marktwirtschaftliche Gesellschaft entsteht nur, wenn Regierungen Märkte in diesem Verständnis zum Ziel haben. Von allein kann so eine Gesellschaft nicht entstehen oder erhalten bleiben. In Märkten werden in der Gesamtschau die Leistungen im Interessensausgleich, also verträglich mit einem in diesem Sinne wahrhaftig verträglichen "Vertrag" getauscht.

Der Markt ist die Urform des Tausches von Leistungen.

Der Kapitalist in so einer Marktwirtschaft ist der privatökonomisch denkende Geschäftige, mit der Absicht, sich zu kapitalisieren, sich anzureichern mit Tauschwert. Mit dieser Motivation ist er in seiner Sinnesausrichtung als funktionierender Teil in diesem Wirtschaftsgefüge eine wertvolle Kraft. Ohne diese geht es nicht!

Doch der Kapitalismus als solcher ist nicht Marktwirtschaft und Marktwirtschaft als Gesellschaftsmodell ist nicht Teil des Kapitalismus.

Der Kapitalismus entsteht nicht, wenn Geschäftige sich kapitalisieren wollen, also wenn es Kapitalisten gibt, sondern Kapitalismus ist Ergebnis einer strukturellen Fehlentwicklung der Wirtschaft im Industriezeitalter.

Diese Fehlentwicklung ist die Folge aus der Unfähigkeit und oder des Unwillens der Regierungen, die vielen privaten Teilinitiativen so zu lenken, zu motivieren und zu koordinieren, das ein verhandlungsfähiger Austausch, also ein Markt möglich wäre.

Schauen wir uns die heutige Situation an, so ist wohl schon über Jahrzehnte der wesentliche Teil der Geschäftigen nicht mehr im Markt. Um zu dieser Feststellung zu kommen, reicht es vollends aus, sich die groben statistischen Daten anzusehen.

Welche wären das denn?

Wir haben festgestellt, dass Marktwirtschaft nur existieren kann, wenn der Interessensausgleich beim Tausch in der Gesamtschau erreicht wird. Tilgungsunfähigkeit ist ein Indiz für Verhandlungsunfähigkeit. Das bedeutet, es reichern sich bei den Schuldnern fortwährend mehr Schulden an, auch bis hin zum Staat als Co-Abhängigen. Diese Zahlungsversprechen haben aber noch eine möglichst gleich hohe Haben-Seite bei dem anderen Teil der Geschäftigen, - die aber dann auch nicht mehr im Markt sind, weil sie ebenfalls nicht mehr mitwirken müssen am Ausgleich der Interessen beim Tausch. Sie mussten es aufgrund der mangelnden Alternativen ihrer Tauschpartner nicht mehr!

Sie brauchen also Geld nicht mehr investieren in Lohn, Zulieferung und Betriebsstätten, in dem Maße wie es notwendig wäre, um die Tilgungsfähigkeit der Schuldner wieder zu ermöglichen.

Also, umso mehr Schulden und nicht abgefordertes Investitionskapital sich anreichern, umso weniger Menschen sind noch im Markt. Nicht im Markt sein, ist also nicht mit Tauschunfähigkeit gleich zu setzen wie bei Insolvenz oder Arbeitslosigkeit. Lange vor diesem Übel steht die Verhandlungsschwäche oder gar die Unfähigkeit bzw. beim Gegenpart die mangelnde Notwendigkeit dazu, welche ebenso bedeuten, dass man nicht mehr im Markt ist. Wenn eine Gesellschaft mit diesem Umstand nach Jahrzehnten zu zerfallen droht, weil der Tauschwert zu einer nutzlosen Götze verkommen ist und die Hemmung der Entwicklung eines Großteils der Menschen unerträglich wird, ist dies in der Gesamtschau ein wesentlicher Fakt, der für den Kapitalismus und nicht für eine Marktwirtschaftliche Gesellschaft zutreffend ist.

Doch Kapitalismus ist für Politiker und Regierungen verlockender und in ihrem bürgerlichen Grundverständnis nahe liegender, als Marktwirtschaft, da das herausreißen der Produktivitätsregulation (der Handelshemmnisse) erst einmal schnell viele Güter beschert, was sich dann beim Volk gut präsentieren lässt, - na so wie wenn das Tick-Tack aus der Uhr ausgebaut wird. Diese ist so ohne regulative Hemmung, wobei dann zwar sinnlose und kurzlebige, aber immerhin doch beeindruckende Umdrehungen der Zeiger erreicht werden können.

Nur allein indem ich einem Wolf den Schafspelz überziehe, ist er eben noch lange kein Schaf und Kapitalismus bleibt solange Kapitalismus wie Regierungen privatwirtschaftliche, also ökonomische Ziele haben, Ziele zum Anreichern, zum Kapitalisieren, weil sie glauben, damit ihre Probleme lösen zu können. Auch wenn wir das Monster anders bezeichnen wie "Soziale Marktwirtschaft", bleibt es ein Monster!

Nun schauen wir mal beim gern als Prügelknaben missbrauchten Kapitalisten vorbei und sehen nach, wonach er strebt.

Er wird wohl legitim sein Wirtschaftsergebnis verbessern wollen. Das ist zunächst mit Wettbewerbsfähigkeit und dann mit Innovationen, mit Wachstum und natürlich mit Sparsamkeit möglich. - Ach, da wären noch zwei nicht unwichtige Wünsche.

Er will auch, wenn er stark genug ist, um in andere Märkte einzubrechen, mehr Bedingungslosigkeit im Handel, also am besten Freihandel, um seinen Kundenkreis weiter vergrößern zu können ... und er will nicht verhandeln müssen. Er will also keine Marktwirtschaft, denn Verhandlung bedeutet, dass er mehr hergeben muss, - mehr investieren muss. Deshalb unternimmt er alles, um die Verhandlungsposition seiner Tauschpartner zu schwächen. Beim Kauf von Lohnarbeit versucht er z.B. mithilfe des Staates die Liberalisierung des Arbeitsmarktes, um mit dem Überangebot am Standort (Arbeitslosigkeit) die Entlohnung drücken zu können. Er versucht auch seine eignen Reihen auszudünnen (Marktsäuberung – angebotsorientierte Wirtschaftspolitik) und zu verdichten (Fusionen, Übernahmen, Monopolisierung), um als Anbieter Marktmacht zu bekommen, also wiederum nicht mehr verhandeln zu müssen. Hier muss aber der Fairness wegen auch erwähnt werden, dass alle Geschäftigen dieses Streben haben. Sie sind eben für sich selbst angetreten und nicht für den Erhalt unseres Ordnungsrahmens. Das trifft natürlich auch für die Anbieter der Lohnarbeit, also für die Arbeiter zu. Diese haben aber in der Rangelei um die Pfründe im Industriezeitalter schlechte Karten, da ihre Angebote durch Maschinenarbeit ersetzt, also kapitalisiert werden. Da das Zerschlagen der Maschinen nichts brachte, wurde die Macht des Kapitals, welche also nicht mehr verhandeln musste, durch die Macht des Volkes ersetzt und es wurde nun wiederum nicht mehr verhandelt.

Wenn wir nun diese Schablone über heutige Regierungsziele legen, so ist da verblüffende Deckungsgleichheit festzustellen. Regierungen heute haben also genau die gleichen Ziele wie sie Geschäftige haben und besonders wie sie die Stärksten ihrer Art haben, also sie sind identisch mit dem Treiben der sich Kapitalisierenden. Das findet bei Staaten auch seinen Ausdruck in der Schaffung der Europäischen Union. Man wusste, können die anderen nicht mehr abwerten, sind sie nicht mehr im Markt oder besser, dann gibt es keinen Markt mehr. Den Markt abzuschaffen, das war das Ziel. Deshalb haben Unternehmerverbände mit der Schützenhilfe der Regierungen diese Form eines vermachteten Europas vorangetrieben und ihr Feldzug gegen die Marktwirtschaft geht weiter (TTIP & Ceta).

Das man natürlich Kilo-weise andere Argumentationsschienen auffährt … Sand wirft, in die Augen der Öffentlichkeit, also mit die Aufmerksamkeit ablenkenden Elefanten wirft (Genmais, Chlorhühnchen) … Wer das dann nicht auch noch drauf hat, der braucht doch gar nicht erst anzutreten! Mit diesem Ergebnis können wir unsere Gesellschaft heute getrost Kapitalismus nennen.

Wenn also auch die Regierungen privatkapitalistische Ziele zu eigenen Zielen erklären, sind wir trotz der geschichtlich verheerenden strukturellen Fehlentwicklungen wie die der Welt umspannenden Krisen, die totalitären Strömungen mit Zerstörung, Tod und Elend Platz gaben, den wiederum guten Vorsetzen danach, immer noch keinen Schritt weiter gekommen.

Wie wäre es denn mit Marktwirtschaft? Sie ist eine wahrhaft zuverlässig gute Maschine für die Menschen und jetzt mit den Sorgen in den Finanzmärkten, den bedrohlichen Staatsschulden, eine wahre Geldpumpe, die nicht durch Symptom-wirksame Regeln, Steuern und anderer Prozesspolitik zu ersetzen ist. Sie kostet nichts, gibt uns aber alles das zurück, was uns lieb ist, die Freiheit des Einzelnen zum Entscheiden und Handeln, die Gestaltungsfähigkeit des Staates, die heute dringend notwendige Tilgungsfähigkeit der Schulden derer, die nicht mehr im Markt sind, die Aufwertung der Wirtschaft, die planbare Zukunft der Geschäftigen, die integrative und harmonische Entwicklung der Völker...

Was ist denn aber Marktwirtschaft - als Gesellschaftsmodell?

Nicht der Einzelne, auch nicht der Kapitalist, sind dafür ausschlaggebend. Diese sind innerhalb von Rahmenbedingungen auch nur Spielbälle.

Entscheidend ist der Geist der Regierungen. Wonach streben sie, wenn sie in der Wirtschaft Weichen stellen? Wollen sie Wachstum - zügellose Produktivitätssteigerung - trotz daniederliegender Märkte, wollen sie Fortschritt trotz leerer Staatskassen fördern, wollen sie mehr Wettbewerbsfähigkeit trotz blutend im Sand liegender Mitbewerber, wollen sie mehr Handel trotz fragwürdiger Klimaentwicklung und Marktsättigung (VWL-Synonym für tote Märkte), wollen sie mehr sparen trotz ihrer schon mangelnden Pflichterledigungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, dann ist das Wissen um die Potenziale einer Marktwirtschaft nicht vorhanden. Regierungen mit solch Zielen glauben, ein Unternehmen zu führen. So ist aber eine marktwirtschaftliche Gesellschaft nicht zu entwickeln.

Aber wie ist sie entwickelbar - oder wieder zu bekommen?

Zunächst einmal: Was steht der Erkenntnis im Wege? Vielleicht falsche Lösungsansätze wie:

Wer von "Sozialer Marktwirtschaft" spricht, hat ganz sicher nicht einmal verstanden, was Marktwirtschaft ist. Wenn er es verstanden hätte, so wüsste er, dass "Im Markt sein", dass, was dieses ausmacht, keine direkten Eingriffe mittels Prozesspolitik bedarf und Almosen und Sicherungsnetze des Staates zur Überlebenshilfe nicht notwendig wären, weil "Im Markt sein" keine existentiell Bedürftigen produziert, die Hilfe bräuchten. Wer also von "Sozialer Marktwirtschaft" spricht, meint Kapitalismus, in dem nach produktiver Bedingungslosigkeit die Freiheit und die Staatskassen arg gefordert sind. In der "Sozialen Marktwirtschaft" wird in und nach der "Verhandlung" (aufgrund ihrer Schwäche) eingegriffen. Der Torso ist nach wie vor Kapitalismus und es wird sich zeigen, dass dieser mit seinem Kampf um seine innere Funktion, dem Staat für das abgeforderte vermeintlich „soziale“ Almosen, immer weniger Möglichkeiten lassen wird.

Da wir nun etwas Licht in die wichtigsten Begrifflichkeiten Kapitalismus und Soziale Marktwirtschaft gebracht haben, stehen diese uns durch Fehlinterpretationen in der Erkenntnissuche nicht mehr im Wege.

Wir haben festgestellt, dass Kapitalismus seine Wurzeln in der strukturellen Fehlentwicklung der Produktivkräfte hat. Dies ist erstmalig mit der industriellen Revolution aufgetreten, also als Angebote mithilfe von Maschinenarbeit hocheffizient realisiert in den Markt gebracht wurden. Da man somit natürlich immer weniger Lohnarbeit kaufen muss, geht der Sinn und Zweck des Wirtschaftens sehr schnell verloren, denn Überangebote an Lohnarbeit lassen viele Menschen vor den Werktoren stehen und die, welche reingekommen sind, sind nicht mehr im Markt, da sie keine Alternativen haben, außer der, sich vor das Tor zu stellen. Sie müssen sich also damit bescheiden, was der Käufer (Nehmer) ihrer angebotenen Lohnarbeit (der hartnäckig als "Arbeitgeber" bezeichnet wird) ihnen noch zubilligt.

Um nun den Zusammenbruch dieses Schattens eines Marktes vorerst zu verhindern, toleriert der Staat Arbeiterorganisationen, die mittels genehmigten Arbeitskampfes einen Interessensausgleich bewirken und somit den Zusammenbruch verhindern sollen. Auch staatliche Untergrenzen und Subventionen sollen das Schlimmste verhindern helfen. So darbt die Gesellschaft in Unfreiheit, Existenzangst und Gestaltungslosigkeit, wütend alle Ressourcen verbrauchend, seit dem dahin, immer in Angst, das internationale Preisdumping* könnte diese fragilen Sicherungselemente gänzlich außer Kraft setzen.

* Von "Markt"-Zwängen kann man ja in dem Fall nicht sprechen, - schon diese Wortpaarung wäre Unverstand.

Da aber der Rückfluss des Investitionskapitals mehr braucht, als solch laue direkte Eingriffe und antizyklische Zinspolitik, die auch nur in der Retorte und ohne Demokraten (denn Gruppenverantwortlichkeit ist Treibsand) vorstellbar ist, aber ohnehin in einer objektiven Situation des Strukturmangels nicht davor bewahren kann, dass das System zum Stillstand kommt, stehen wir jetzt vor einem Zusammenbruch, - mal wieder.

Der Systembedarf für das Erfordernis zur Arbeitsteilung ist in dem heute geschaffenen gigantischen Freihandel so riesengroß, das es nicht vorstellbar ist, Märkte in den jetzigen Rahmen wieder entwickeln zu können. Es gibt signifikant zu wenig greifbare Innovationen, zu wenige Anreize, für bestehende Wertschöpfung, in neue Standorte zu investieren, da sich Staaten natürlich im Bürgerverstand auch noch nach Kräften mühen, bis in den letzten Winkel die Infrastruktur zu perfektionieren. Alles kommt also heute schnell und billig überall hin und wehe der Initiative, die es gewagt hat, sich im Kleinen zu etablieren. Diese wird dann umgehend in einer Zollunion vom wohlfeilen Massenprodukt hinweggefegt.

Hoffnungslos? Fatalismus hat bei Optimisten keinen Raum!

Wie machen wir weiter? Vielleicht so:

Wer ist der Souverän in diesem Lande? Wer ist dafür geschaffen und ermächtigt, strukturellen Fehlentwicklungen zu begegnen und warum kann er dafür in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Eingriffe vornehmen? Es ist natürlich unser Staat. Dessen Regierung hat die Ermächtigung, alles Notwendige tun zu dürfen, um unseren Ordnungsrahmen, die marktwirtschaftliche Gesellschaft, zu erschaffen. Da nur mit der Fähigkeit zum Aufbau der Wirtschaftsstruktur, die Funktionen der Marktwirtschaft (subsidiärer Interessensausgleich, geschlossene Zirkulation) erschlossen werden können und nutzbar werden, die von keiner Prozesspolitik und keinen direkten Eingriffen geleistet werden können, muss der Staat Regeln kreieren und setzen, die marktkonforme Investitionen in Standorte ermöglichen. Mit der Strukturentwicklung der Wirtschaft verbindet sich direkt die konjunkturelle Situation (das Funktionieren des Motors Marktwirtschaft), also das Wohl und Weh des Volkes. Nichts ist wichtiger! Deshalb ist der Staat der Souverän!

Unser Staat, wenn nicht er, dann hat keiner, keine anderen Teile der Gesellschaft ein Interesse an der Marktwirtschaftlichen Gesellschaft! Um es klar zu sagen, weder Unternehmer und ihre Verbände, noch Arbeiter und ihre Gewerkschaften wollen den Ausgleich der Interessen im tiefen Inneren ihrer selbst. Wenn sie einen Schritt vorgehen können, dann werden sie es auch. Wohlgemerkt, das ist das legitime Spiel der Kräfte, deren Meister der Staat sein sollte, diese in der Balance zu halten. Nur der Staat kann für die Marktwirtschaft eintreten und er wird niemals aus den im Interessengegensatz stehenden Lagern eine ehrliche Unterstützung bekommen. Diese Aufgabe muss er allein bewältigen.

Warum möchte ein Fußballspieler unbedingt den Ball in das andere Tor bekommen? Weil so die Spielregel ist. Warum kann er dabei die Taktik selbst wählen und verändern? Weil die Spielregel ihm diesen Freiraum lässt, innerhalb dieser selbst frei entscheiden und handeln zu können, wenn man so will, "in Subsidiarität".

Warum gibt es auf einem Fußballplatz zwei Tore? Weil so die Regel ist und wenn nun mal zwei Gruppen gegeneinander antreten, macht es sich gut, auch zwei Tore zu haben.

Gab es diese Regeln schon immer? Nein. Sie könnten wohl aber mit dem Zeitpunkt der Kreation des Balles in Verbindung stehen. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Menschen Spielregeln kreieren, an die sich wiederum alle interessierten Mitspieler halten und großen Wert darauf legen, dass diese von jedem respektiert werden und dann kann die Begeisterung und der Spaß daran sehr groß sein.

Um eine Marktwirtschaftliche Gesellschaft zu bekommen, braucht es natürlich ebenfalls die Kreation von Spielregeln. Ohne diese sind die vielen privaten Einzelinitiativen zu keinem harmonisch nachhaltigen Ganzen zusammen zu bekommen.

In der Natur der sich selbst überlassenen Sache liegt zwar auch das Streben zum Ganzen - die immer weiter fortschreitende Fusion, so wie Sonnen aus interstellaren Nebeln entstehen und Tauben sich zu Schwärmen zusammenschließen, doch in so einem natürlichen Wirken der Teile ohne Verstand für das, was da entsteht, ist natürlich kein besonderer Funktionswert für unsere anthropogene Gesellschaft zu erwarten.

Wenn wir zum funktionalen Ganzen streben wollen, was unsere Natur ist, so entscheiden immer Rahmenbedingungen und die Regeln zu deren Erhalt, wie das Ganze dann aussieht. Es können also eine kurzlebige Supernova, aber auch anstelle dessen viele kleinere nette Sterne entstehen, so wie unsere Sonne, die wohl noch sehr lange existieren wird.

Unternehmen im Rahmen der bedingungslos freien Konkurrenz verhalten sich so, wie Supernovae. Kein Kartellamt, welches sich an den Spitzen der Eisberge versucht, ist in so einer Rahmensituation in der Lage, den Wettbewerb zu erhalten, der natürlich immer den Marktzugang aller voraussetzt.

Regeln für die Marktwirtschaftliche Gesellschaft schöpfen zu müssen, gibt also Regierungen das Ziel vor, nicht zuerst mit diesen die Produktivität forcieren zu wollen, sondern vor dieser den Interessensausgleich in Subsidiarität zu ermöglichen. Es geht also zuerst um die Funktion des Systems mittels Integration aller - in den Markt, um eine regulative Investitionsfähigkeit jedes einzelnen Unternehmers und um die verlustfreie Zirkulation des Geldes.

Das Mittel, um Rahmenbedingungen - unseren Ordnungsrahmen - zum Leben zu erwecken, sind die Regeln. Diese müssen im Verständnis der funktionalen Wechselwirkung im Markt, kreiert werden, so wie eben die Regeln in einem Fußballspiel.

Wir brauchen also Regeln, die nicht die Produktivität anheizen, sondern in einer Marktwirtschaft den verhandlungsfähigen Austausch der Angebote ermöglichen. Hierbei ist entscheidend, dass jeder Einzelne zu einer Verhandlung fähig ist. Hätte man als erstes die Produktivität zum Ziel, so kann genau jene Verhandlungsfähigkeit des Einzelnen bald nicht mehr funktionieren, denn zu viel Angebot lässt bei den Nachfragenden das Interesse zum Verhandeln versiegen. Sie müssen nicht mehr mit dem Anbieter zu einem Konsens kommen. Im Weiteren würde nun der Wettbewerb unter den Anbietern zerstörerisch werden und der Verhandlungswert dahin schmelzen, also mit Tilgungsunfähigkeit, mit Arbeitslosigkeit, mit Insolvenz enden. Hier läge also eine kapitalistische Fehlentwicklung vor.

Regeln für unseren Ordnungsrahmen "Marktwirtschaftliche Gesellschaft" müssen also auf das funktionale Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ausgerichtet sein. Da nun aber die Nachfrage für den Staat hier und heute als gegebene Größe betrachtet werden muss und es eben nicht seine Aufgabe ist, Unternehmer zu sein, muss er sich auf die Regulierung auf der Angebotsseite konzentrieren.

An diese Regeln stellt er natürlich noch weitere Ansprüche, auch im Eigeninteresse und unseren Grundwerten verpflichtet.

  • Er möchte, dass die Wirkung vor Verträgen ermöglicht wird.
  • Er will die Zwanglosigkeit in der Entscheidung.
  • Er will auch die Subsidiarität, die die Mitwirkung in der Umsetzung und in der Funktion der Regeln für alle ermöglicht.
  • Er will das private Eigentum garantieren.
  • Er will weiteren Ausgestaltungsspielraum haben.
  • Er will sich in der Funktion der Regeln nicht finanziell beteiligen.
  • Er will die Umsetzungsfähigkeit im Einklang mit dem internationalen Austausch, ohne bei Unternehmen Standortnachteile zu verursachen.
  • Er will mit diesen Regeln für alle gleiche Wettbewerbsbedingungen garantieren.
  • Er will in der Gesamtschau die Wettbewerbsfähigkeit mit der Investition in neue Standorte sicherstellen.
  • Er will mittels gleicher Bedingungen gleichermaßen offen zugängige Märkte für alle.
  • Er will nicht in Vertragsverhandlungen eingreifen müssen.
  • Er will, dass diese Regeln durch eine maßvolle Entwicklung zur Wirkung kommen, in der kein Beteiligter überfordert wird.
  • Der wichtigste Anspruch ist aber die Anreizwirkung zum Aufbau der Wirtschaftsstruktur, ohne dabei weiter in der Situation der Nachfrageschwäche zwanghaft die Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Wirtschaft zu verursachen.

Mit diesen Zielen, die er in einem Regelwerk umsetzen möchte, wird sein vom unternehmerischen Interesse sehr verschiedenes Wirken deutlich, da er nicht für die Leistungsfähigkeit, für das Mehren und das Stärken direkt wirken darf, sondern für den funktionalen Rahmen sorgen muss. Der Staat erweist sich wirklich keinen guten Dienst, privat zu denken. Seine Verschuldung, ruinierte Finanzmärkte, sinnentleerte zügellose Wertschöpfung und Gestaltungsschwäche, die weit hinter den Erfordernissen zurück bleibt, wären der Lohn, so wie das heute eben der Fall ist.

Natürlich ist ein Wechsel der wirtschaftspolitischen Ziele nicht mit einer Kehrtwende möglich. Es geht also nicht ohne Doppelstrategie? Wenn die falsche Abfahrt, der falsche Weg genommen wurde, braucht es nun mal erst die Fehleranalyse und eine neue Konzeption, die stehen sollte, wenn sich eine neue Gelegenheit zur Kurskorrektur bietet. Bis zu dieser müssen wir aber, schwerfällig wie wir sind, die Situation meistern können. Das bedeutet Doppelstrategie!

Inline-Bild 1 Neues fürchtend („Wir sind doch noch nicht völlig am Ende!“), können wir aber auch durchziehen, bis zum sicher erst nach uns kommenden Zusammenbruch. Der Kalender ist sowieso voll von Symposien, Kaffeeküchenbesuchen, Sektempfängen und tiefgewichtigen Ansprachen über die alleinige Notwendigkeit von Wachstum, von Wettbewerbsfähigkeit, von Fortschritt und Sparzwang. Wo ist da noch Raum für Revisionismus? Das muss doch auch nicht sein. Denn der kollektive Weg mit kompetenzgeschwängerten Mitstreitern in großer Zahl, kann nicht falsch sein. Sicher, sie nährten sich alle aus demselben Quell. Doch mit Gleichgesinnten wie man so sagt „im eigenen Saft“, ist Harmonie besser herzustellen, als mit Leuten, die alles anstrengend hinterfragen. Wie soll man da zur Tagespolitik schreiten können? Schließlich, weil ja nichts mehr in diesem Kapitalismus funktionieren will, „nach Greenspan“ wie sie schon ganz recht bemerkten, müssen wir unseren Einfluss auf die Wirtschaft verstärken und immer mehr vorschreiben. Dass es da natürlich für uns alle Hände voll zu tun gibt und dabei unsere freiheitlichen Grundwerte begraben werden müssen, dies ist dann leider der Notwendigkeit geschuldet.“

… Sonst bin ich nicht so! Wenn es nicht so einen ernsten Hintergrund hätte, würde ich mich ja zurückhalten.

Nun zur Frage zum Anfang des Beitrages.

Warum also haben wir eine Finanzmarktkrise, die es doch in einer Marktwirtschaftlichen Gesellschaft gar nicht geben kann und was hat das mit der Jungfrauengeburt zu tun?

Ja, die Jungfrauengeburt hatte es nie gegeben und die Marktwirtschaftliche Gesellschaft auch nicht.

„ … Betrogen, Rettungsdank, dem Schlafenden da droben? ...“

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 338
Beiträge : 5812
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 15700003