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Friedenswinter 2014 unterstützen?

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Berlin Soll man den Aufruf zum Friedenswinter 2014 unterschreiben und sich an den geplanten Demonstrationen am 13.12.2014 beteiligen?

Ich gebe zu, dass ich unterschrieben habe. Eine Reihe von Linken standen auch auf der Liste, leider aber auch andere Leute, die ich dubios finde.

Schon die Montagsdemos haben unter einem deutlichen Geschmäckle gelitten, dass sich dort auch Leute aus dem rechten Spektrum beteiligen und schließlich liest man einiges über die so genannte Querfrontbewegung.

Auch fühle ich mich zu alt, um mich aktiv an Verschwörungstheorien zu beteiligen.

Nicht, weil meine alten Knochen das nicht mehr aushalten würden, sondern viel eher, weil ich zu oft erlebt habe, wohin das führt.

Dennoch bin ich nicht ohne Anfälligkeit für Verschwörungstheorien, wenn sie einigermaßen intelligent vorgetragen werden und den USA traue ich mittlerweile alles zu.

An manchen Abenden, die schon recht fortgeschritten sind, halte ich Amerika gar für die Achse des Bösen schlechthin.

Nur, mein Verstand kehrt bisher immer wieder zu mir zurück.

Gestern habe in einer Reportage eine Gegenüberstellung zwischen Amerika und China gesehen „ChinAmerika“ auf Phoenix.

Es war so die übliche westliche Perspektive, die da eingenommen wurde. Aber ein Navy-Kommandant von dem Interviewschnipsel integriert waren, brachte mich auf eine Idee.

Er sagte, das Problem, dass sie mit China hätten, sei die fehlende Transparenz.

Sie wüssten nicht, was China tatsächlich vorhabe und wie sie das dann machen wollten. Kurz er tappte im Dunkeln.

„Vielleicht,“ dachte ich bei mir, „ ist die ganze unverhohlene Verteidigung der NSA-Aktivitäten in Washington ja einem edlen und klugen Gedanken entsprungen?

Vielleicht wollen die Amerikaner nur mehr Transparenz in die Welt bringen und liegen damit sogar auf der gleichen Linie wie Wikileaks-Gründer Julian Assange, der in einem Gespräch mit Eric Schmidt vor zwei Jahren sagte, dass nur die Wahrheit (im Sinne von Transparenz für alle) der Menschheit den Frieden bringen könne.

Ich habe dem Interview sogar einen Artikel gewidmet, weil es mich beeindruckt hat.

Ich würde es gern glauben, wirklich.

Meist aber glaube ich, dass die Amerikaner ihre Datenkrake nur deshalb auf die Welt losgelassen haben, um sich die Poleposition im Kampf um die globale Überwachungshoheit zu sichern.

So dicht jedenfalls könnten „Gut und Böse“ zusammenliegen, denke ich manchmal.

Assange als Vordenker eines guten Amerika, der jetzt leider noch Staatsfeind Nummer eins ist?

Zur Friedensbewegung fällt mir vor allem der TINA-Spruch der Kanzlerin ein, es gibt tatsächlich keine Alternative.

Wenn man auf die Straße geht, kann man sich nicht aussuchen, wer da neben einem steht.

Schon gar nicht wenn diejenigen so geschickt und subversiv agieren, wie die neuen Rechten.

Die Rechten, die das Feindbild, wie viele Linke, in der amerikanischen Hochfinanz sehen und „nur“ noch diese „kleine“ Ergänzung haben, dass dort ja überwiegend Juden das Sagen hätten. Was soll man mit neuen Rechten machen, die einen auf diese Weise umarmen wollen?

Meine Erfahrungen mit antisemitischen Äußerungen haben eine Keimzelle, die mich zu der Einschätzung gebracht hat, dass solche Äußerungen immer auf Verleugnung und nie auf Erkenntnis beruhen, immer den Geist der Propaganda in sich tragen und nie den der Aufklärung.

Ich habe von Juden die besten intellektuellen Anregungen meines Lebens bekommen. Ich fühle mich dadurch nachhaltig geprägt und bin dankbar dafür.

Ohne jetzt meine Lebensgeschichte ausbreiten zu wollen, möchte ich aber zwei  Dinge erwähnen, die ich wichtig fand.

Die erste persönliche antisemitische Äußerung habe ich von meiner damaligen Freundin im zarten Alter von zwanzig Jahren gehört.

Eine sehr unpolitische Neunzehnjährige mit blonden Haaren, die mir einmal im Sommer, am Kanal sitzend, erzählte, dass die Juden an allem Schuld wären.

Ich erinnere mich noch, wir mir etwas übel wurde, ich aber schon ahnte, dass das ein „Instant-Satz“ war.

Ich frage sie, wer ihr das erzählt habe.

Sie antworte, wie im Märchen: „Meine Oma, die weiß das genau.“

Ich nahm es als ein Zeichen von Dummheit und Naivität, dass sie ihrer Oma geglaubt hatte und ging zur Tagesordnung über.

Seitdem ist für mich Antisemitismus, auch wenn er verschlagen und heimlich daher kommt, immer ein Zeichen von Dummheit.

Er richtet sich immer gegen Aufklärung, auch wenn er scheinbar als Aufklärung daher kommt.

Die andere Erfahrung, die nicht direkt etwas mit Antisemitismus zu tun hat, aber mit Querfront-Propaganda, habe ich erst vor kurzem gemacht.

Auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise, im Sommer, habe ich über Facebook Kontakt zu einem Russen aufgenommen, der schon eine ganze Weile professionell im Internet unterwegs ist.

Er arbeitet in leitender Position in der Öffentlichkeitsarbeit in Moskau.

Wir kannten uns indirekt aus ein paar Diskussionen, an deren Ende ich neugierig auf ihn geworden bin. So kam es, dass er mir in sehr indirekter Form seine Identität bestätigte.

Nach meiner Kontaktaufnahme hat er, wie für ihn typisch, einen Mitarbeiter am nächsten Tag antworten lassen, der erzählte, dass ihm einige meiner Artikel gefallen hätten und er gerne Tips von mir hätte, wie man die „Friedensbewegung“ in Europa unterstützen könnte.

Als Hinweis auf seine eigenen Bemühungen schickte er mir einen Link auf die eigene deutschsprachige, aber russische Website.

Diese Website war ein Machwerk voller Verschwörungstheorien und kruder Behauptungen über den Westen und sie enthielt diverse Zitate von Ken Jebsen sowie einige Videos von KenFM.

Ich habe dem Mitarbeiter dann geantwortet, dass ich vor Propaganda, Ken Jebsen und jeder Form von Querfrontidee nur warnen kann und empfehle, einfach das zu berichten, was offensichtlich ist.

Der Westen habe genug Fehler gemacht und mache sie immer noch, um damit eine Website zu gestalten und auch, um Menschen zu motivieren, sich gegen die derzeitige Politik in Europa zu stellen. Eine Antwort bekam ich nie.

Ich grüble heute noch darüber, ob diese Propagandisten tatsächlich das glauben, was sie da behaupten.

Es gibt aber genug Hinweise, dass von russischer Seite rein taktisch agiert wird und es mit der Überzeugung nicht so weit her ist.

Dennoch gehe ich davon aus, dass die „Konsenssuche“ oder „Vereinnahmung“ die die neue Rechte mit den Linken sucht, eine Taktik ist, die auch aus Russland unterstützt wird.

Wenn man solche Leute neben sich weiß, dann ist der Spaß am Demonstrieren leider weg und man möchte auch nicht mit ihnen auf ein Foto.

Man schämt sich – ich jedenfalls – in einer solchen Situation.

Ich bin deshalb bisher auch zu keiner Montagsdemo gegangen.

Am 13.12.  aber werde ich gehen!

Ich kann es nicht ändern, wenn dann auch Leute mit derart beschriebenen, verwirrten Köpfen dorthin kommen.

Ich hoffe es kommen möglichst viele normale Leute, so dass dieser unsägliche Umstand nicht auffällt.

Die Lage ist mir zu ernst, als dass ich hier auf mein „gutes Gefühl“ Rücksicht nehmen wollte.

Ich will ein möglichst starkes Zeichen für die Politik, dass sie ihre Kriegsrhetorik gegenüber Russland einstellen und die EU ihre hegemoniale Politik im Osten des Kontinents noch einmal gründlich überdenkt!

Gefährlich ist eine solche Demo trotzdem.

Denn wenn dort tatsächlich Leute wie Jebsen reden, verstärkt man durch die eigene Anwesenheit deren Öffentlichkeit.

Ich habe daher beschlossen, augenblicklich zu gehen, wenn dubiose Leute auf das Podium steigen sollten. Das kann durchaus passieren.

Eine Übersicht über die Demonstrationen am Samstag findet sich hier:

http://friedenswinter.de/

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 14. Dezember 2014 um 04:08 Uhr  

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