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Teil 61 "Die Dorfschule"

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Dieser 2. Teil im dualen System war eigentlich der kleinere und verbliebene Teil der vorgegebenen Module.

Es war vielleicht der Zufall oder ich forderte das Glück heraus, dass ich dazu die Semesterferien nutzte.

Insofern war ich gar nicht einmal unzufrieden für die kommenden 6 Wochen ein Praktikum bei der AWO in der Leitung einer Stadtranderholung für Kinder im Grundschulalter absolvieren zu können.

Sicherlich war das von der Art und Weise ganz anders als wenn man im Produktionsprozess ein Produkt verfolgen kann aber wie immer im Leben umfasst ein Management mehrere Komponenten.

Bevor ich aber dort das Team kennenlernte, den Vertrag unterzeichnet hatte zog ich mal wahllos durch die Innenstadt, meine Heimatstadt brachte sich nach ein paar Jahren wieder in Erinnerung.

Man traf stets den ein oder anderen Bekannten und kam stets in ein zwangloses Gespräch, es ging locker und entspannt dabei zu.

An diesem Abend war es ähnlich, ein Freund aus der Juso AG stellte mir seinen Schulfreund vor.

Der hatte gerade sein Praktikum neben dem Studium abgeschlossen, bei dem Hinweis „dual“ nickte er.

Das war ein Bier wert, er erzählte von seinem Wirtschaft Studium und vom Praktikum am Regierungsflughafen Köln/ Bonn, von den Modulen und von all den wichtigen Leuten die ihm begegneten.

Für mich hörte sich das alles so an als würde jemand auf einer Plattform drei Etagen über mir den Himmel erklären wollen.

Danach beendete er seinen Vortrag mit den Worten: „man war so mit mir zufrieden dass ich mich dort wieder bewerben darf.“

Mich verschlug es fast die Sprache, in solchen Situationen halte ich meistens meinen Mund, denn im Hinterkopf hatte ich noch das was man mir zum Abschied sagte.

Der eigentliche Einstieg in den 2. Teil des Praktikums war geplanter und auch wesentlich organisierter, ich hatte einen Vergleich und den zog ich heran.

Die Geschäftsführerin machte mich mit meiner Chefin bekannt und die meinte, du bist dann mein Vertreter und nun besichtigen wir das Objekt. 10 km durch die Wälder, immer der Landstraße entlang, zur stillgelegten 2. klassigen Dorfschule.

Klein, fein und funktionsfähig- unterwegs erfuhr ich etwas mehr über die Haustechnik und über die Spielgeräte.

Das sollte meine Aufgabe werden, für fast 9 Stunden am Tag davon waren 2 Stunden Bereitschaftsdienst.

Zudem gehörten zur AWO Leitung vor Ort eine Hauswirtschaftlerin und die gute Seele, eine bereits pensionierte Sportlehrerin.

Die wiederum den noch jungen Gruppenleiterinnen stets zur Seite stehen sollte, der tägliche Ablauf bestand aus unseren Vorgaben.

An einem Montag ging es los, tauschte den Lloyd gegen den Dienstwagen der AWO , ein Käfer mit dem roten Herz- Chefin mit Akten, Fahrtenbuch und Gute Fahrt.

Unterwegs steigen die anderen Frauen zu, man freute sich dass ich das Auto fuhr und ein junger Mann mit vor Ort war.

Bis zum Eintreffen der Kinder hatten wir circa 60 Minuten Zeit, da musste alles funktionieren und an alle Kleinigkeiten gedacht werden.

Tranken wir unseren Kaffee dann kochte das Teewasser für die Kinder bereits und in der Zeit fand unsere Morgenbesprechung statt.

Meistens drehte sich das Gespräch über das Wetter, blieb man drin dann benötigte man einen zusätzlichen Zivi, der wiederum kam mit dem Bus in dem die Kinder saßen.

Im Bus befanden sich auch die jeweiligen Betreuerinnen, gegen neun Uhr war der Bus auf der Landstraße.

Der Zivi winkte den Autofahrern mit einer Warnfahne und die Kinder liefen den Feldweg zur Schule.

Entweder fuhr der Zivi mit dem Bus wieder zurück oder man benötigte ihn, dann fuhr er im Bus mit den Kindern zurück.

Was mir sofort auffiel waren die eigentlich recht jungen doch auffällig fleißigen Betreuerinnen, die nahmen ihre Arbeit sehr ernst.

Mit dem Zivi kam ich stets ins Gespräch, mit den älteren Kolleginnen auch, diese 4 jungen Damen allerdings vielleicht waren sie 17 Jahre alt würdigten mich keines Blickes.

Trotzdem man sich begegnete, bei den Kindern war das etwas anders von den 30 erkannte ich 3. Ein kleiner Junge und seine Schwester waren die Kinder des Jusos dem ich ein paar Wochen zuvor im Wahlkampf half, die drückten mir stets ihre Hand.

Ansonsten war ich eingebunden im Tagesablauf, gingen 2 Gruppen in den nahen Wald spazieren ging die ein oder andere Kollegin mit, war das die Leiterin sagte die mir zuvor was ich machen sollte.

Wir waren in einer Funktionskette, mal benötigte man Spielgeräte auf der Wiese, es kam der fahrbare Mittagstisch und es kamen Besucher.

Während meiner Bereitschaftszeit sagte ich stets der Hauswirtschaftlerin wo ich mich befand, entweder las ich im Taschenbuch oder ich gönnte mir mal eine Dusche.

Das war der Tagesablauf, gegen 15 Uhr kam der Reisebus und holte die Kinder ab, danach machten wir den Hausputz und besprachen den Tag.

Gegen 17 Uhr war ich wieder auf dem Parkplatz der AWO Geschäftsstelle, 5 x in der Woche.

In der kommenden Woche erschienen die alle, die bei der AWO Rang und Namen hatten, jeden Morgen ein anderer und jeder schüttelte mir die Hand.

Nur an einem Tag lief alles anders, ich hatte gerade den Bereitschaftsdienst als eine Betreuerin im Laufschritt zur Leiterin lief.

Auf einem Waldweg war ein Kind ausgerutscht und klagte über Schmerzen im Unterarm.

Dann standen wir dort, schienen mit einer bunten Zeitung und den Kreuzverband, den kleinen Arm in die Schlinge. Das hatte ich mal so gelernt, „ja“ sagte ich „dann fahr ich mal im ihm in die Notaufnahme vom Krankenhaus.“

Der kleine Junge sah mich an und ich sagte ihm „ dein Vater ist doch mein Freund und Freunde halten zusammen, ich bleibe bei dir.“

Ich sah mich in der Verantwortung und fühlte mich in der Pflicht, machte das Aufnahmeprotokoll im Krankenhaus und die Diagnose besagte Bruch.

Saß neben ihm als er den Gipsverband bekam und nahm ihn an die Hand zum Auto, unterwegs erzählte ich ihm, das hatte ich auch als Kind und wurde im gleichen Krankenhaus behandelt.

Der Kleine war brav und wurde von seiner großen Schwester fürsorglich in Empfang genommen, ich brachte ihn mit dem Gipsverband wieder zu den anderen Kindern.

Am folgenden Tag, entschuldigte ihn seine Schwester, die Mutter wollte doch lieber dass er Zuhause blieb.

In meiner Abwesenheit hatte allerdings die Leiterin ein Protokoll aufgesetzt mit der Gruppenleiterin über den Hergang und als ich kam liefen bei der die Tränen. Was macht man, wenn eine junge Betreuerin weint?

Ich nahm sie in den Arm und meinte, das hätte mir doch auch passieren können.

Beim nächsten Juso Treff lobte mich ein Jeder, mein Freund hatte allen von meiner Ersten Hilfe Tat berichtet, wollte ich allerdings eigentlich nicht, denn das hätte doch ein Jeder getan.

Nur kam danach ein merkwürdiger Freitag, kurz bevor der Reisebus kam und die Kinder zurück fuhr, ereignete sich für mich etwas Unverhofftes.

Eine von den jungen Betreuerinnen stand vor mir und stellte mich zur Rede. „ich sei hier nur ein geduldeter Praktikant aus einem ganz anderen Fachgebiet und sollte mich nicht in ihre Angelegenheiten einmischen, sie niemals mehr in den Arm nehmen und überhaupt etwas Abstand nehmen.“

Das war der erste Teil ihrer Rede, den musste ich erst einmal verarbeiten.

Der 2. Teil folgte „ man setze nun auf meine Kollegialität, am Samstag würden sie im Garten etwas feiern und das ging weder mir noch der AWO etwas an. Ich sollte nur die hintere Tür nicht verschließen, denn sie benötigen den Zugang zum Keller.“

Ich konnte nicht antworten, denn der Bus kam, zunächst dachte ich verdammt was haste eigentlich falsch gemacht?

Dann stand ich vor der Tür, war das nun eine Falle oder waren die so frech?

Ich verschloss die Außentür nicht, dafür 2 x die Tür zum Treppenaufstieg.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 11. August 2015 um 03:15 Uhr  

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