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Teil 71 "Mein Freund Helmut"

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Mein Freund Helmut, den ersten Kontakt hatte ich ca. 6 Monate zuvor mit ihm und beim ersten Gespräch in der Arbeitsgruppe über mein Interview rückte Helmut ziemlich nah zu mir.

Das ganze sollte ich ihm nochmal vorlesen, dann fand Helmut es interessant und meinte, „das gab es wirklich und das waren nicht nur überzeugte Kommunisten“.

Helmut musste es wissen, denn er stammte aus Stendal und sein Vater war irgendwie wer der in den sog. Bonzen Wohnungen in der Berliner Karl- Marx- Allee .

Helmut war in den Wilden Westen mit samt seiner Frau gelangt, „durch Zufall“ wie er stets betone- doch die Möglichkeit war da und er tat es.

Bereute eigentlich nichts, nur sprach er manchmal von der „sozialen Kälte“ im Westen und von den Ellenbogen die man einsetzen müsste.

Das hatte er verstanden und gab sich ganz gelassen, nach dem Motto „ wenn das so sein muss und ich noch Geld dafür bekommen, manche ich hier das Diplom noch einmal.“

Von Helmut erfuhr ich, dass Rudi Dutschke sein Abitur auch doppelt machte, einmal unweit von Luckenwalde und das zweite im Wilden Westen im Berliner Bezirk Schöneberg.

Helmut sagte mir aber noch etwas, zu seiner Zeit als der Werkstudent im Stahlkombinat Brandenburg habe er Griechen kennen gelernt, die mittlerweile aktive DDR Bürger seien und teilweise von der Geschichte vergessen wurden.

Helmut war es auch, der mir sagte „ die andere Lotte musst du auch noch interviewen- erst dann kann man die Analyse fällen.“

Danach bat er mich um meine Hilfe und ich sagte zu, Helmut sollte vor Absolventen eines Lehrganges einen kleinen Vortrag halten.

Das waren junge Mitarbeiter eines großen Düsseldorfer Konzerns, die hatten eine Prüfung vor der IHK abgelegt und drängten nun zu neuen Taten.

Denen sollte Helmut etwas erzählen was auf ihnen zukommen könnte, das wiederum nicht nur am Arbeitsplatz sondern der Mensch durchläuft die Schule des Lebens.

Dafür hatte er sogar einen Vorschuss auf sein Honorar bekommen, die Hälfte davon wäre meins- wenn ich ihm darüber ein Script liefern könnte.

Das war so und wir machten es, mich nannte er noch namentlich vor der Versammlung, das war also mein erstes Honorar.

Helmut machte seinen Weg, ein paar Jahre danach besuchte ich ihn mal in Wuppertal. Zu der Zeit war er aktiv im Ortsverein der SPD und organisierte gerade das Kinderfest.

Helmut hatte sich dabei bezogen auf den Arbeitskreis „Neue Erziehung“ und damit punktete er. Es war für mich beeindruckend zu sehen, wie er gefragt war.

Es vergingen vielleicht 10 Jahre oder mehr, ab und an schrieb man sich – wir hielten noch Kontakt.

Im Jahr 1985 nahm ich an einer Tagung in der Technischen Akademie zu Wuppertal zum Thema „ Strichcode – Erzeugung, Kennung und Verarbeitung“ teil, an einem Abend wählte ich Helmuts Telefonnummer.

Nach 10 Minuten sah er durch meine Zimmertür, da lagen sich 2 Freunde im Arm, Helmut hatte es geschafft- er war der Mann in der Stellung bei Bayer in Leverkusen.

Bei alle dem fragte ich ihn mal nach seinem Vater, worauf er mir eine ehrliche Antwort gab, „es wäre wirklich an der Zeit sich zu versöhnen.“

In Berlin sei er bereits mal gewesen auch im Ostteil der Stadt und an der Klingel steht auch noch der Name seines Vaters, ihn habe allerdings der Mut verlassen.

Trotzdem er müsste es machen, denn der würde älter und mittlerweile würde er auch in einigen Jahren 50 Jahre alt.

Mitte des Jahres 1990 klingelte bei mir mal das Telefon, Helmut weilte in Berlin und wollte mit mir ein Glas Bier trinken, er war bei seinem Vater und der verstand einiges nicht mehr.

„Für den kam die Wende zu spät, trotzdem ist er ein Gewinner.“

Gewinner der Einheit, der es nicht glaubt- denn er konnte in seiner großen Wohnung bleiben und bekam eine nicht gerade geringe Rente in DM.

Helmut meinte nur, „das versteht er nicht“- und zudem einiges mehr- „ja,“- sagte Helmut „– der versteht nicht, dass andere im Westen ihren Stuhl unter dem Hintern verlieren können.“

Genau das allerdings sagte er damals vor den Absolventen und ich wusste wovon er sprach.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 24. August 2015 um 03:08 Uhr  

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