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Teil 72 "Kleinarbeit"

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Ich befolgte den Ratschlag und unterhielt mich mit dem anderen Lottchen.

Im Prinzip erzählte sie mir nichts Neues, nur sie blieb all die Jahre in ihrer Heimatstadt.

Ihr Mann erlitt mal einen Unfall und hatte sich von dem nie wieder erholt, er verstarb als Frühinvalide allerdings hatte ihre Ehe 3 Kinder.

Die Tochter war bereits mehr als 10 Jahre in Canada, hatte einen kanadischen Soldaten kennengelernt- mit dem sie dann nach Ottawa ging.

Der andere Sohn wäre beim Zoll, doch der Jüngste wollte es jetzt wissen.

Der sei mittlerweile gut verheiratet und beide Sohn und Schwiegertochter seien fest bei Opel in Bochum angestellt.

Die sollte ich mal besuchen, denn denen würde es wirklich besser gehen.

Danach kam sie wieder auf all diese Zusammenhänge zu sprechen, die irgendwann vorhanden waren in einer Arbeitswelt, die es so nicht mehr gab .

Um das endlich zu begreifen stieg ich intensiver in unsere Familienchronik ein, dabei hatte ich etwas Glück, denn die Tante von uns hatte diese Chronik zu ihrem 60. Geburtstag überarbeitet und mir davon ein Exemplar geschenkt.

Mich interessierten eigentlich dreierlei, zunächst wie kamen eigentlich auch meine Vorfahren zu ihrem Besitz?

Dann die Frage nach diesen sog. Verbindlichkeiten über die ich von Dritten erfuhr, was steckte eigentlich dahinter?

Drittens und das war für entscheidend, wie gelang es denen sich vom Betrieb zu trennen ohne in die Pleite zu gehen.

Es war auch für kein Geheimnis mehr, diese Generation meiner Großeltern, d.h. im konkreten Fall der Großtanten bezog bis in diese Jahre hinein daraus noch einen Genuss und der wiederum vermehrte sich.

Ich stieg also ein, den ersten Hinweis fand ich zur Wassermühle, die erwarb mal einer in der Zeit wo die Mechanisierung begann.

Mit dem Besitz der Wasserkraft sicherte er sich das Wasserrecht, damit begann der Einstieg in die Teiche.

Man benötigte den entsprechenden Wasservorrat, mit den Teichen kam das Sägewerk.

Das lag mittlerweile unmittelbar an der Mühle und wurde verpachtet, der Pächter bezahlte aber mit einem Teil vom Holzeinschlag.

Was zu Folge hatte, man kaufte davon Grund und Boden, da siedelte man eine Modellschreinerei an.

Die man irgendwann übernahm, man produzierte Modelle für Gießereien, das waren Modelle für Transmissionen.

Der Betrieb musste um die Jahrhundertwende so gut laufen, dass man ein eigenes Giesshaus eröffnete.

Da gab es die ersten konkreten Notizen, nicht nur Teile für Transmissionen goss man sondern auch Graugussteile für Reit- und Fahrgeschirre.

Im Jahre 1910 hatte der Betrieb 9 Mitarbeiter, 3 Former, 3 Kernmacher und 3 Giessereiarbeiter und zudem waren 3 Mitarbeiter beschäftigt den angrenzenden Wald, die Wasserläufe und das Wasserrad zu pflegen.

Man verkaufte sogar Fische und rechnete den Erlös vor, im Herbst 1914 erlebte die Firma einen Höhepunkt in der Produktion und zudem stieg der Gründer aus, es folgte einer aus der Familie der jedoch bald zu Kaiser Soldaten eingezogen wurde.

Man holte sich Meister von außen und trennte Geschäft und Betrieb, zudem erwarb man einen Teil des Waldes entlang des Bachlaufes. Einen Hinweis fand ich noch aus dem Jahr 1926 und der ist erwähnenswert.

Ende Dezember 1926 Gießerei, neue Wochenarbeitsregelung. Es gilt die 48 Stunden Arbeitswoche, allerdings ist freitags der Löschtag.

Der Guss wird abgekühlt, danach die Feuerwoche bis 22 Uhr, samstags wird gegen Mittag der Guss gezogen, danach steht warmes Wasser zum Baden zur Verfügung. Handschriftlicher Hinweis auch für die Ehefrauen und Kinder.

Eine andere Notiz stammt von einer Weihnachtsfeier, die Forstbeschäftigten beenden am Heiligabend ihren Dienst gegen Mittag, danach ist eine Betriebsweihnachtsfeier vorgesehen.

Der Betrieb übernimmt die Bewirtung und jeder Mitarbeiter bekommt einen Weihnachtsbaum und einen halben Karpfen.

Ende – dann folgte nichts.

Im Jahre 1928 hatte man den Auftragsrückgang im Bereich der Transmissionen und der Reit- und Fahrgeschirre, man stellte die Produktion ein – das Geschäft als Verkaufsstelle behielt man noch fast 10 Jahre.

Zur Forstwirtschaft so viel, die erlebte zunächst eine Blüte, denn die Nazis planten eine Ski- Sprungschanze und dazu musste gerodet werden.

Allerdings übertrugen die danach alle weiteren Aufgaben dem RAD, damit hatte sich die Forstwirtschaft erledigt.

Im Jahre 1942 sollte die Gießerei ihren Betrieb wieder aufnehmen, man fand allerdings keine Fachkräfte mehr und zudem war der Kupolofen demontiert worden.

Anlagen des Betriebes wurden beschlagnahmt als NS Depot, Teile der vorhandenen Modelle wurden ausgelagert, ein Jahr darauf wurde das alles zur Ruine, 1945 und 1946 holzte man Teile des Waldes ab- es ging um Brennstoff.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 26. August 2015 um 03:27 Uhr  

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