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Teil 73 "Macht das kaputt-was euch kaputt macht"

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Macht das kaputt, was euch kaputt macht.

Damit endete am 6. September 1970 das Festival bei Wallau auf Fehmarn und auf der Bühne, die noch heile war sang Rio Reiser mit der Band „ Ton, Steine, Scherben.“

Diese drei Tage auf der Sonneninsel Fehmarn hatten es in sich, zunächst schien die Sonne nicht, dann sagten mehr ab als auftraten und wer hätte es am 6. September 1970 gedacht, es war das letzte Konzert des großen Jimi Hendrix.

Kommt man heute nach Fehmarn, die erste Abfahrt von der Fehmarnsund Brücke und die Landstraße entlang, abbiegen auf Orth , weiter zum Leuchtturm laufen am Strand von Wallau befindet sich sein Gedenkstein.

Jimi Hendrix hatte zuvor einen Auftritt in Berlin, geplant war der in der Waldbühne, er fand des starken Regens statt in der vollen Deutschland Halle.

Jimi Hendrix kam nach Fehmarn, er wollte weiter über Kopenhagen nach London und auf der Ostseeinsel gab es nur ein Hotel.

Das kleine Hotel links vom Fähranleger bei Puttgarden, dort weilte Jimi Hendrix.

Allerdings war das ganze Festival unprofessionell geplant und durchgeführt worden, was eigentlich nur stimmte war der relativ teure Eintritt, ansonsten stand der kpl.

Ablauf unter einem ungünstigen Stern.

Bereits am späten Nachmittag des 1. Tages pfiff der Wind auf die Westküste, unmittelbar hinter dem Deich lag das Festivalgeländer.

Die Eröffnungsrede hielt der Hauptsponsor und das war keine geringere als Beate Uhse.

Mit der und ihrer Vergangenheit hatten sich bereits andere beschäftigt, auf den Parkplätzen der Zufahrtstraßen machten die Flugblätter die Runde.

„ die Frau- die Beate Uhse ist“- Wer wusste bis dahin, welche Vergangenheit sie hatten und wie und wo sie sich ihren Namen machte?

Sie war eine von den 4 Vorzeigefrauen des NS Regimes, sie war die Nazi Fliegerin unter dem Hakenkreuz.

Auf dem Geländer gingen die Flugblätter von Hand zu Hand weiter und als sie reden wollte von Freiheit und Liebe ertönte das Pfeifkonzert der Masse.

Der erste Abend verlief noch einigermaßen geordnet, allerdings gab es viel zu wenig Toiletten und Waschräume, wenn das nur mal alles wäre, die Platzbeleuchtung setzte mitunter auch noch für Minuten aus, es bahnte sich der Wind an.

Am zweiten Tag lockerten sich die Wolken am Himmel nicht auf, man sah förmlich den Regen über dem Festland und das Chaos nahm seinen Lauf.

Die angekündigten Proviant- und Verpflegungswagen erreichten nicht das Festival- Gelände, es gab nur 2 befestigte Straßen hierher und eine davon war zugeparkt vom Veranstalter, von Pressevertretern und Hilfsfahrzeugen.

Die andere Straße hielt man frei für die auftretenden Gruppen, westlich davon lag der Strand von Wallau und in östlicher Richtung gab es nur unbefestigte Feldwege.

Die Kontrolle darüber hatte der sagenhafte Veranstalter Rockern überlassen, die wiederum alte Autoreifen aufgeschichtet hatten und davor ihren Kontrollpunkt hatten.

Das gab den ersten Ärger mit der kontrollierenden Feuerwehr, erst als Polizeikräfte erschienen verlegten die Rocker ihre Kontrollpunkte an die angrenzenden Bauernhöfe.

Das hatte zur Folge, sie kontrollierten nicht mehr sondern arbeiteten auf eigene Kasse, 10 Mark in die Hand des Rockers und man ersparte sich die 35 DM Eintritt.

Ab mittags ging dem Veranstalter das Bier aus und noch vor der ersten Gruppe konnte man nur noch naturnah im Freien duschen, der Wind hatte den Duschen die Dächer geklaut.

Danach kam der Dauerregen, eine Masse von Menschen hüpfte im Friesennerz und der Boden wühlte sich auf.

Ich glaube es war 23 Uhr, eine Band spielte noch als sich die Notbeleuchtung einschaltete.

War es der Wind oder der Regen?

Andere meinten, der Veranstalter habe den Kompressor für die Stromversorgung nicht bezahlt.

Man zog sich zurück, dorthin wo man meinte es sei noch trocken.

Ab Sonntagmittag gab es keinen Ordnungsdienst mehr, am Veranstaltungsbüro versammelten sich die Rocker und fuhren von dannen.

Es schafften allerdings ein paar Verkaufswagen über die Feldwege zum Festivalplatz, die belagerte man und wunderte sich wie viele Menschen noch dort waren.

Nur man hatte ein rein menschliches Problem, ein Teil der Toiletten war vom Winde verweht.

Der Gang jenseits der Dünen an die angrenzenden Acker wurde zur Pilgerstrecke.

Dabei machte meine Cousine die Entdeckung, in der Mitte von gestapelten Autoreifen stand eine vergessene Weißblechdose, gefüllt zwar mit Regenwasser aber mit einer Vielzahl von 5 Mark Stücken, einigen Rockern war wohl ihr Wegegeld zu schwer geworden.

Dann folgten wieder Absagen und Unterbrechungen, dann sollte Jimi kommen und erreichte nicht Wallau, wir packten unseren Wigwam schon einmal ein.

Jimi kam doch, die Masse kochte- bloß Jimi war nicht mehr der alte Hendrix.

Nach 6 Minuten war sein Auftritt vorbei, die Herde verschwand und mit der Herde die Kasse der Veranstalter.

Weg und in der Hoffnung auf fettere Zeiten, das sprach sich ziemlich schnell herum, eigentlich wollten wir bereits fahren.

Es kam nach Jimi der relativ unbekannte Sänger namens Rio Reiser mit der Band „Ton, Steine, Scherben“ da war er auf der Bühne und traf den Nagel auf den Kopf.

Der Veranstalter hatte sich mit den Einnahmen verdrückt, die schlauen Bauern von Fehmarn wollten reich werden ohne Gegenleistung, die Rocker eigneten sich überhaupt nicht als Ordnungsdienst, die Toiletten gab es nicht mehr und manche Band forderte ihre Gage.

Rio Reiser sang weiter, da brannte bereits das Kassenhäuschen, man grölte da brannten die aufgeschichteten Autoreifen, der Löschzug einer Dorffeuerwehr schaffte noch die Bühne zu sichern.

Wir nahmen den Feldweg in Richtung Schlagsdorf, auf der befestigten Landstraße sahen wir uns um, der Rauch stieg auf und die Lautsprecher blieben stumm. Auf der Fehmarnsundbrücke kamen uns alle verfügbaren freiwilligen Feuerwehren aus Ostholstein entgegen.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 27. August 2015 um 02:50 Uhr  

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