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Start Neuigkeiten Teil 74 "Ein fast vergessenes Wissen"

Teil 74 "Ein fast vergessenes Wissen"

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Je tiefer man einsteigt in das Thema „Arbeitsbiografien“ kommt man einerseits in den Kontakt zu den Menschen, man erfährt etwas über ihre Lebensbiografie – andererseits ist die Arbeit immer dem Gang der Technik angepasst.

Zudem und nun wird es interessant, man spricht von Systemen nicht nur unmittelbar bei der Bewertung der Arbeit sondern in welchen Gesellschaftssystem findet die Arbeit der Menschen Anerkennung?

Unweigerlich begibt man sich in die Gesellschaftswissenschaften und findet zur Geschichte der Arbeit.

Wobei man auch in die Verhältnismäßigkeit und der Abhängigkeit kommt, frei nach dem Motto: „wenn der Arbeiter fleißig arbeitet- freut sich der Unternehmer“.

Mein erstes Seminar was ich dazu besuchte war jenes was sich mit dem Rheinischen Kapitalismus auseinander setzte, danach kam für mich der Wechsel nach Nürnberg/Erlangen.

Denn für nicht wenige im Jahre 1971 stand diese Art des Rheinischen Kapitalismus Pate für die Soziale Marktwirtschaft in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland.

Nur sollte man dabei stets wissen, man kam aus der Kommandowirtschaft des Albert Speers. Demzufolge waren beide Wirtschaftssysteme weder human noch setzen sie Kapital und Arbeit auf eine gleiche Stelle.

Man beurteile den Faktor „Arbeit“ mit einer Wertigkeit und damit ging eine Schere auseinander.

Es ging in beiden Modellen nicht um das Wohl der Arbeiter sondern um den Wert der Arbeit.

In der zweiten Phase stiegen wir gemeinsam ein mittels Modelle Fallstudien zu erstellen über den jeweiligen Wert der Arbeit.

Inwieweit schlägt sich der geleistete Arbeitswert auf den Verdienst des Arbeiters nieder?

Um das zu verstehen und die Unterteilungen zu begreifen, was man heute mittels Lohn- und Gehaltsgruppen darstellt muss man in die Historie einsteigen.

Steigt man in diese Historie ein tangiert man die Geschichte der Technik und der Mathematik sowie der politischen Systeme.

Vor der eigentlichen Mechanisierung der Arbeit gab es klare Gruppen, in dieser Gruppe war die rein körperliche Arbeit der Masse des Volkes Brot.

Man sparte unten damit es manch anderen besser ging, ob das nun feudal war oder gem. Trennung wie in den Südstaaten der USA interpretieren wir einmal nicht.

Mittels der Mechanisierung der Arbeit kam der Faktor Leistung hinzu.

Allerdings ist der Mensch keine Leistungsmaschine, es begann eine Fehlentwicklung- die sich fortpflanzte.

Irgendwann waren wir mit dieser Tragik beschäftigt als wir aufmerksam wurden auf einen damals noch jungen und fast noch unbekannten Professor in Erlangen, der offene Vorlesung hielt zum Thema“ Einführung in den Marxismus“, das war kein geringer als der hochgeschätzte Elmar Altvater.

Seine ersten Vorlesungen zu diesem Thema füllten die Hörsäle, denn wer Elmar Altvater hörte, der weiß worüber er spricht und woher er kam.

Elmar Altvater ist nämlich der Sohn eines Bergmanns und er kennt von Hause den Faktor Arbeit, kennt den Stellenwert des Arbeiters in der Gesellschaft und vermittelt das.

Zudem arbeitete er als junger Mann an dem Teil Autobahn, den man heute das Kamener Kreuz nennt und da erlebte er auch Streiks.

Er vermittelt die Einführung in den Marxismus mit einer gewissen Logik ohne dass man anschließend der Marxist wird.

Was daran faszinierend ist, er kommt ohne Umwege auf die alten politischen Werte des Marxismus zu sprechen.

Ein Wert dessen war nämlich die Gleichheit zwischen den Faktoren Arbeit und Kapital.

Er spricht aber auch noch der Macht der Werte und erinnerte bereits damals daran diese Werte nicht aufs Spiel zu setzen.

Vergleichen wir das einmal, bis 1971 wurde der Marxismus in dieser Art noch nie realisiert, die ersten Ansätze dazu gab es mal in der Frühzeit der DDR als man dort allerdings auf den Staatssozialismus schwenkte, begann der Aufstand der Arbeiter.

Man kann das wiederum so sehen, dass in der Frühphase des 17. Juni 1953 die Arbeiter in der DDR ihre sozialdemokratischen Werte verschwinden sahen.

Schon damals passte diese Aussage einigen nicht und die wohnten wiederum nicht im Osten unseres Landes.

Für uns allerdings war es so, in der Zeit griff die Formel von der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik umher, wobei hier stets die CDU/CSU das Sagen hatte und somit diese Formel keinen dauerhaften Bestand führte.

Vertragen sich eigentlich die Theorien der Wissenschaften, hier die klassische Ökonomie und andererseits die Sozialwissenschaften?

Für Marx ja, nur es passierte etwas- man ließ den Marxismus innerhalb der Bundesrepublik fallen zugunsten der Sozialen Marktwirtschaft.

Baute die allerdings auch nicht weiter aus, weder zum Sozialstaat noch zum Wohlfahrtsstaat.

Beschäftigt man sich wiederum mit der jüngeren Geschichte, kommt man einerseits nicht an der Modernisierung der Industrie vorbei und am prägenden Element des wirtschaftlichen Zuwachses.

Das kann man wiederum auch wiederlegen, indem man die Wirtschaftszahlen aus dem Jahre 1912 nimmt, da boomte die Wirtschaft und 1960 boomte sie auf Pump.

Das war in etwa in der Zeit als die Sozialdemokratie ihren Schwenk vollzog, mit dem Godesberger Programm von 1959 trennte sich die SPD von ihrer marxistischen Wurzel und damit geriet der Marxismus in der Bundesrepublik aus der politischen Betrachtung.

Gleiches Schicksal musste der Rheinische Kapitalismus ertragen, von dem redete fast keiner mehr im Jahr 1971, heute verschwinden ebenso die Sozialausschüsse der CDU/CSU mit ihrem Einfluss auf die Gesamtpartei.

Schon damals gab es genügend Gründe der Sozialen Marktwirtschaft die entscheidenden Formeln zu geben, es ging nicht um diese zu verteidigen.

Das wurde fälschlicherweise behauptet, das sollte man entkräften den auf diesem Feld war Hans Katzer von der CDU der führende Mann.

Was man versäumte innerhalb der 20 Jahre von 1951 bis 1971 war dem System die ökonomische Komponente zu geben, hätte man den Marxismus nicht von vorne herein verdammt sondern sich auf den Prinzipen bezogen hätte das in die Verfassung einziehen können.

Sagen wir es anders herum, jede Arbeitsbiografie ist das entscheidende Stück der Lebensbiografie des Einzelnen und jede Biografie schlägt aus.

Damit sind wir wieder beim Wert der Arbeit und bei der Anerkennung, nicht nur in der Vergütung sondern innerhalb der Gesellschaft.

Für uns waren die Vorlesungen von Elmar Altvater eine Bereicherung, denn er eröffnete uns das Tor zu einem fast vergessenen Wissen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 28. August 2015 um 02:30 Uhr  

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