Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Teil 76 "Nürnberger Begegnungen"

Teil 76 "Nürnberger Begegnungen"

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Mir begegneten in Nürnberg innerhalb von wenigen Monaten zwei unterschiedliche Menschen, die einerseits eine Ausstrahlung hinterließen und andererseits sich immer auf ihre Vergangenheit bezogen.

Beide lernte ich damals kennen und schätzen und beide wurden anerkannte Professoren, die ihre Meinung nie hinter dem Berg hielten.

Professor Elmar Altvater wurde der Fachmann für politische Ökonomie an der Freien Universität zu Berlin, wurde einer der Herausgeber der Fachzeitschrift „das Argument“ und ich höre seine Vorträge heute noch mit Begeisterung zu.

Professor Klaus Staeck, der jetzige Leiter der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin, hat eine ganz andere Vergangenheit.

Klaus Staeck ist der Bitterfelder, er wuchs in der DDR auf und sagt von sich selbst, „als ich nach Berlin kam und etwas mehr sagte, sagte man mir du kommst noch einmal nach Bitterfeld.“

Nun da kam er her und das wussten die anderen in der Hauptstadt der DDR nicht, für Klaus Staeck war nicht nur der 17. Juni 1953 der Bruch in seinem Leben sondern er wagte etwas- den Gang von Ost nach West.

Wer ihn kennt, dem sagte er es genau was ihm in Düsseldorf erwartete.

Er musste lernen sich im Westen durch zu boxen.

Es hat lange gedauert bis auch die damalige SPD Führungsriege erkannte, wieviel Inhalt und Aktualität in den Grafiken von Staeck steckt.

Es müsste eigentlich von uns noch jeder diese hellblaue Grafik kennen, wo er schreibt: Deutsche Arbeiter die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen.

Man musste zweimal hinsehen und dann verstand man es, diese Grafik entstand wo in unserer Republik gerade die Beteiligung am Volksvermögen auf der Tagesordnung stand.

Das war bis 1966 nämlich kein Thema, vor lauter Konjunkturprognosen sah man die Verteilung nicht.

In einer Zeit wo andererseits die Gewerkschaften begannen die 45 Stunden-Woche anzugreifen, der lange Pfad zur 40 Stunden- Woche.

Erst mit dem Regierungseintritt der SPD kam das Thema von sog. vermögenswirksamen Leistungen – die neben dem Gehalt oder Lohn bezahlt werden sollten.

Zu der Zeit aber hatten sich längst andere daran gemacht ihre Villen an die Ufer der Seen zu platzieren, mit dem Plakat von Klaus Staeck sollte an dieses unsoziale Gleichgewicht erinnert werden.

Denn nach wie vor fürchteten sich etliche Konservative in unserer Republik vor dem Sozialismus, hätte mancher Unternehmer nicht die Angst vor dem Sozialismus gehabt – wäre der Rheinische Kapitalismus nicht so stark geworden.

All das hing zusammen mit dem Begriff „mehr Demokratie wagen“- und das nicht nur an den Hochschulen sondern in den Betrieben.

Da ging es um die Mitbestimmung am Arbeitsplatz und hinter dieser gewerkschaftlichen Forderung stellte sich die SPD.

Etwas was heute kaum eine von den Gallionsfiguren in der SPD wagen würde, damals war das allerdings üblich und zeigte die Verbundenheit in der linken Familie.

Diese Forderung nach mehr Mitbestimmung am Arbeitsplatz war das rote Tuch für die Ewiggestrigen.

Genau diese mit ihren zweifelhaften Argumenten traf Klaus Staeck mit seiner Grafik.

Er fand den Anklang bei den Jusos und mit dieser Kraft wurden seine Grafiken in die SPD getragen.

Die eigentliche gesellschaftliche Anerkennung erzielte allerdings Klaus Staeck erst im Frühsommer des Jahres 1971 in Nürnberg bei der Eröffnung des Dürerjahres. Pünktlich zur Eröffnung hingen vom Dürerhaus bis jenseits des Hauptmarktes in Nürnberg die Plakate von Klaus Staeck, mit dem Bild Dürers von seiner Mutter und dem Titel „ würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?“

Das war der Treffer, hier die Besucher der Dürer Ausstellung und gleichzeitig die Wohnungsnot in Nürnberg und die Altersarmut.

Zeitgleich tagte in der Meistersinger Halle der Ring Deutscher Makler, der wiederum war der eigentliche Nutznießer der hohen Mieten sowie der Wohnungsknappheit in Nürnberg.

Damit gelang Klaus Staeck die gesellschaftliche Anerkennung, der Grafiker aus Heidelberg war in aller Munde und fast jeder Besucher in Nürnberg riss sich förmlich um diese Grafik.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 18. September 2015 um 01:56 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 335
Beiträge : 5750
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14242077

Verwandte Beiträge