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Teil 82 "Die Spannung wuchs"

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Ich kenne nicht mehr den Grund, weshalb wir als Gruppe in Klausur zu diesem Thema uns an den Studienort zurück zogen.

An die Bahnfahrt nach Nürnberg erinnere ich mich noch, denn die bezahlten wir aus eigener Tasche.

Zunächst war unsere Diskussion eine ganz andere, vielleicht waren wir sechs gestandene Kommilitonen und stellten fest, wir kamen nicht nur aus unterschiedlichen Fachbereichen und hatten zudem unterschiedliche Studienabschlüsse geplant.

Der Vorteil einer solchen Arbeitsgruppe ist, das Ergebnis kann fachübergreifend sein.

Das wurde bereits auf unserer Bahnfahrt deutlich, wir waren an einem Punkt, den wir noch gar nicht beachtet hatten. „Die ökonomische Abhängigkeit des Herstellers zum Versandhändler.“

Zunächst waren das die Liefertermintreue und das sog. Preisdiktat, was beim Kunden wiederum positiv auffiel und daraus machte man das Wort „Katalogpreis“.

Mit welchen Produktionszahlen operierte man überhaupt, mit relativ geschätzten und vagen, wobei das eigentliche Risiko der Hersteller trug.

Das war genau anderes herum als vergleichbar mit den anderen Herstellern die an den Einzelhandel lieferten.

Der verpflichtete Hersteller konnte vom Versandhaus in die Pflicht genommen werden, trug aber alleine das Risiko im Herstellungsprozess.

Annehmen kann man, fertigen auf Verdacht, dass aus der Vorschau ein Abruf wird, den man dann noch mit Gewinn ausliefert oder das Gerät wird zum Verkaufsschlager.

Dann muss man Teile nachbestellen und gerät unter einen Lieferpreisdruck sowie in eine Produktionsenge, ohne Deckung kann man nicht lange produzieren.

Das Ergebnis war, diesen von den Versandhäusern aufgebaute Druck gab man an die Vorlieferanten weiter, der Kreislauf einer Abwärtsspirale setzte sich in Gang.

Deshalb wich man aus in solchen Fällen auf die sog. verlängerten Werkbänke die eigentlich mit Heimarbeitern besetzt waren. Das war unsere Erkenntnis, nur das sagte man uns nicht.

Wir hatten in Nürnberg für unseren ersten Exkursionsbericht nur wenige Tage Zeit, denn das eigentliche Programm lief weiter.

Mittels Teamarbeit innerhalb der Gruppe konnte man etwas organisieren, bereits am 3. Tag konnten wir mit dem Gegenlesen beginnen.

Das endete aber ganz anders als erwartet, natürlich war unser Institut der Ansprechpartner.

Da erfuhren wir allerdings Neuheiten, unsere Arbeit mussten wir uns zuvor legitimieren lassen von der Exkursionsleitung, ohne diesen Vermerk ging gar nichts.

Da kann man noch so kämpfen wollen um sein Recht, der Kampf endet als Sieg über Windmühlen.

Aufgeben wollten wir auch nicht, telefonieren und den Termin ausmachen von dem der andere noch gar nichts weiß, dazu benötigt man Geschick und den Freiwilligen.

Dazu eignete ich mich überhaupt nicht, nur den Freiwilligen in der Runde findet man auch nicht so leicht.

Die Leitung vor Ort im Bayrischen Passau hatte ich am Abend am Telefon und fragte höflich nach einer ungewohnten Sprechstunde, dann gab ich den Hörer weiter.

Man hatte Einsicht, nur unsere Arbeit legitimieren kann einer und zwei von den Verantwortlichen müssen das bezeugen.

Einen aus unserer Gruppe dahin schicken war eigentlich schon teuer genug, wir wollten aber zwei, in solchem Fall hilft nur ausspielen.

Ich war es nicht, denn ich zog das kürzere Streichholz.

Den Tag vergesse ich allerdings nicht, um 16 Uhr sollte der Anruf kommen, bis zu dieser Erlösung war ich zu gar nichts zu gebrauchen- die Spannung wuchs, um kurz nach 16 Uhr kam der Anruf. „ Kommt mit Sekt zum Bahnhof treffen gegen 22 Uhr ein.“

Die beiden hatten ihr Meisterstück vollbracht, sie hatten nicht nur den Bericht vorgetragen sondern ihn auch noch verteidigt innerhalb von fast 3 Stunden gegen 3 Dozenten.

Wir hatten das Ziel erreicht, er landete noch am gleichen Abend im Briefkasten des Fachbereichs.

Ich nehme jetzt mal etwas vorweg, diese Arbeit bekam den internen Vermerk „wertvoll“, denn wir hatten etwas entdeckt was später die Runde machte „das System Neckermann“.

Damit machten wir uns allerdings keine Freunde, es zog nämlich Kreise.

In Frankfurt hatte man andere Sorgen und die Reaktion aus dem Herstellerwerk erfuhren wir nicht, dafür hämmerten aber niederbayrische Landkreise auf uns ein.

Wir hatten in dessen Augen ganze Regionen zu billigen Heimarbeitern gemacht und in den Augen der Landratsämter waren das angesehene Unternehmen, die Menschen in Arbeit brachten.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 29. Dezember 2015 um 03:29 Uhr  

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