Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Teil 93 "Kreuzberg in jenen Jahren"

Teil 93 "Kreuzberg in jenen Jahren"

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Kreuzberg in jenen Jahren war ein Stadtbezirk, der von drei Seiten umgeben war von der innerstädtischen Grenze.

Von der allerdings sah ich in den ersten Wochen gar nichts, dort wo es mich hinzog, lag das alte SW61 also das andere Kreuzberg.

Genauer gesagt unweit der Kreuzung Mehringdamm-Yorckstraße, der alte Riehmers- Hofgarten wurde zu meiner ersten Berliner Adresse.

Das war ein kompletter Jugendstilblock mit etlichen Häusern die bis zur Hagelberger Straße reichten und einen Quereingang zum benachbarten Filmmuseum hatte .

Man erkannte immer noch den Jugendstil dieser Häuser, die Bleiverglasungen auch wenn der Putz von den Außenwänden mittlerweile abfiel.

Der Hofgarten bot Schatten durch die hohen und alten Bäume, war in der dunkelnden Jahreszeit nicht gerade positiv.

Eigentlich positiv war die zentrale Lage, man konnte innerhalb von 5 Minuten drei U- Bahnlinien erreichen und hatte den berühmten 19 er Bus vor der Tür.

Ansonsten war dieser Teil von Kreuzberg weder im Umbruch noch von Gastarbeitern besiedelt, vielleicht herrschte hier noch der Geist des alten Kreuzbergs.

In manchen Chroniken lässt sich lesen, dass diese Wohnanlage mal von Offizieren der ehemaligen Garde- Kürassier-Kaserne bewohnt war.

Diese Kaserne am unteren Mehringdamm beherbergte bereits Anfang der 70er Jahre das Kreuzberger Finanzamt.

Mein erster Eindruck hielt sich allerdings in Grenzen, denn bereits im Eingang traf ich den Hauswart, den alle im Haus Ewald Schruppke nannten, meinen Gruß erwiderte er mit dem Hinweis: „ Tritt nicht darein“.

Schruppke war eigentlich eine treue Seele und vielleicht der Einzige der den direkten Kontakt zur Hausverwaltung pflegte, jedenfalls finanzierte die sein Fegen.

Schruppke, wusste allerdings sofort wer ich war und gab mir den Hinweis, „ zurück mit dir durch das Eingangsgewölbe, rechts in das Cafe namens Delirium und nach dem Zapfer Kutte fragen.“

Was blieb mir anders übrig, rechts vom Eingangsportal die Kneipe namens Delirium und links davon ein Beerdigungsinstitut, gegenüber das Rathaus Kreuzberg.

Kutte war nicht zu übersehen, der polierte gerade vergeblich Biergläser und schüttelte mir kräftig die Hand.

Übergab mir einen Benutzervertrag der WG und einen Untermietervertrag um mich polizeilich anmelden zu können, das konnte man zu der Zeit noch in Berlin in jedem Polizeirevier machen, Kutte wusste auch sofort wo ein solches war.

Dann meinte er noch, halt dich an die WG Ordnung, er müsse früh raus und studiere an der PH auf Lehramt, alles andere würde mir Balka erzählen.

Wer war nun Balka?

Ich schloss die Wohnungstür auf und dachte, hier biste um 50 Jahre zurück oder der 2. Weltkrieg hat noch nicht begonnen.

Jedenfalls standen alle Türen offen und das wiederum hatte einen Sinn, Kutte der WG Manager beheizte nur die Kochmaschine in Küche und meinte die Wärme verteilt sich durch alle Räume.

Nur welcher Raum gehörte mir, das sollte mir Balka erzählen.

Ich sah in 3 Räume und rief „Balka“- keine Antwort, endlich sah ich eine Frau die Kopfhörer auf beide Ohren hatte und etwas ins Mikro sprach- da lief die Revox-Maschine.

Ich nahm Platz und dachte, irgendwann dreht die sich mal um.

Das tat sie auch, nahm die Kopfhörer ab und sagte „Hey- du bist Jürgen und ich die Balka“. Verdammt, älteres Semester, war mein erster Gedanke- die war aber sehr nett und zeigte mir alles, half mir beim Auspacken und verfluchte dabei diese Wohnung.

Noch konnte ich das allerdings nicht verstehen, Balka meinte allerdings“ wir sind eigentlich alle nur Sommergäste“- Maxim Gorki rief ich.

Nun gut meine vier Wände waren einigermaßen nutzbar, was Balka der Küche allerdings absprach und dem konnte ich nicht widersprechen.

Schlimm war allerdings das Bad, die Badewanne hatte wohl der Alte Fritz zuletzt benutzt, der Durchlauferhitzer hing dort nur noch symbolisch.

Das Waschbecken hatte auch so seine Tücken, unten befand sich ein 5 Liter Kochgerät, na ja für Katzenwäsche geeignet.

Balka, stank das alles an und damit war sie nicht alleine, außer Balka und Kutte wohnte hier noch die medizinische Abteilung.

2 Frauen, die derzeit im Klinikum arbeiteten, Balka meinte, „unzertrennliche Zwillinge, die eine arbeitet und die andere studiert“- Schichten würde man das nennen.

Danach wurde ich eingeladen, mit in den Waschsalon zu kommen. Alles andere was darauf folgte, war das Bier bei Kutte im Delirium und ab in die Federn.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 03. April 2016 um 02:27 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 352
Beiträge : 5721
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 13850687

Verwandte Beiträge