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Teil 95 "Mitten im Leben"

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Mitten im Leben und doch nicht auf der Spur, so war es wirklich und so fühlte ich mein Leben zu Anfang des Jahres 1973.

Dabei hatte ich so viel zu tun und wollte einiges sehen, nur der tägliche Kram wischte mir immer eins aus.

Die meiste Zeit verbrachte ich in öffentlichen Verkehrsmitteln, wusste bereits an welcher U Bahnstation welches Mottenpulver in meine Nase zog und konnte manche Gerüche von anderen Leuten nicht richtig einschätzen.

Was blieb mir anderes übrig, eigentlich kannte ich keinen echten Berliner, die ich unmittelbar um mich hatte waren eine Handvoll Kommilitonen- die mehr oder minder das gleiche Schicksal erlitten.

Dabei war einer, der von der Figur etwas kleiner war aber dennoch seinen Mann stand, er war der erste der mich auf noch 2 ausstehende Seminare aufmerksam machte.

Die allerdings außerhalb des Hauses liefen und ins Geld gingen, weshalb solche Reihen zusätzlich einen nicht geringen Beitrag erforderten, war mir nicht unbekannt- deshalb verringerte sich mein weiteres Interesse an der Teilnahme.

Ich erlebte das erste Mal mich, wo ich etwas auf bessere Tage verschob.

Ansonsten knüpfte ich die ersten Kontakte zum gegenseitigen Gegenlesen, der kleine Zwerg war einer der Ersten.

Nur bewohnte mit seiner Freundin eine fast unmögliche Wohnung am Ende der Bergmannstraße Ecke Friesenstraße, das war ein Haus wo im Erdgeschoss sich ein Trödler angesiedelt hatte, was zu der Zeit in dieser Gegend normal war.

Durch den Vordereingang in den Hof, man wurde begrüßt von überfüllten Mülltonnen, dahinter befand sich ein halboffener Eingang, eine Steintreppe mit einem Eisenhandlauf.

Der Flur war einfach dunkel, nur sporadisch brannten schwache offene Glühbirnen, ich fand die Eingangstür.

Wahrhaftig entwickelte sich ein konstruktives Arbeiten, das Umfeld störte mich zwar aber der Erfolg der Arbeit begeisterte mich.

Dort erfuhr ich etwas von einem Grafiker, der meine wilden Skizzen und Diagramme kostengünstig und profihaft gestalten würde.

Diesen Grafiker werde ich nie vergessen, er bewohnte mehrere Zimmer unweit der Schöneberger Kolonnenstraße, in einem Haus wo andere gerade auszogen.

Machte mir nichts und erst recht ihm nichts aus, denn er hatte sich hier mit seiner Freundin häuslich niedergelassen, für mich war es neu ein solches Schlaf- und Arbeitszimmer zu erleben.

Das Zimmer hatte noch einen Parkettboden und in diesen hatte er die Nägel geknallt um das Zweimann- Hauszelt zu befestigen.

Mitten im Zimmer stand das Zelt, seine Begründung dazu war, im Winter sei es hier kalt durch diese große Fensterfront und im Zelt würde man die Wärme bündeln.

Den Grafiker besuchte ich einige Male und er arbeitete hervorragend, meine Arbeit wuchs.

Etwas mehr Kontakt entwickelte ich zum ansässigen SHB Büro, wobei der SHB in Berlin fast das Stiefkind der Partei war, auffällig waren direkt hinter dem Haupteingang die Stelltafeln auf denen sich die K- Gruppen austobten.

Der Kontakt zum SHB war für einige wichtig und für mich richtungsweisend, mich interessierte es nicht- warum der hier ein Schattendasein führte.

Nun wussten die dort auch etwas mehr von mir, denn unter Genossen hat man keine Geheimnisse, ich konnte also nicht überrascht sein als ich erfuhr, am Schwarzen Brett hängt ein Aushang – man könnte meinen man suche mich.

Den Aushang hatte ich also übersehen, der Volksbildungsstadtrat von Tempelhof hatte ein wirkliches Problem, in der VHS lief der Kursus „Einführung in die Graphologie“ und die Dozentin hatte einen Ski- Unfall.

Ich sagte zu, denn was man nicht selber macht- kann man auch nicht von anderen erwarten.

Mein erster vergüteter Job in Berlin führte mich in die Volkshochschule, daheim war Balka begeistert und berichtete mir von ihrer Tätigkeit in der Hörspiel- Produktion.

Nun wusste ich auch weshalb sie die Revox Maschine stets benutzte.

Über den RIAS lief eine Hörspielfolge und Balka las vor der Sendung die Handlungen aus der letzten Folge in Kurzfassung vor.

Das Ding wollten wir doch gemeinsam feiern, nur wann und wie?

Samstags ging die ihre Logen schließen, bereits am Nachmittag strömten die Rentner aus der Theatergemeinde in die Vorstellung und ich spielte Fußball im Tiergarten unweit der Kongresshalle.

Samstagsnachmittags war der Platz vor dem Reichstag eigentlich die Fußball- Bühne, je näher am Gebäude desto mehr Vollakademiker traten vor den Ball.

Mancher meinte, um bei denen mitzuspielen benötigt man min. den Doktortitel. Bei uns war das praktisches, denn unweit der Kongresshalle gab es die Freiluftdusche.

Wiederum andere meinten, dieses sei die naturnahe Entmannungsdusche, das Wasser war stets erfrischend kalt.

War aber naheliegend, denn der Abend gehörte den Aufführungen in der Akademie der Künste im Engl. Garten, zu Fuß vorbei am Teehaus über die Spree zur Akademie.

Preiswerter Eintritt und kühles Bier zu angenehmer Musik in offene Ohren.

Zurück ging es mit dem Nachtbus, man hatte ja Zeit. Bei einer solchen Irrfahrt in der Nacht im Doppeldecker sprach ich mal Balka an, wie kamst du eigentlich nach Berlin?

„Bewusst“ war ihre Antwort und zuvor wäre sie unbewusst nach Deutschland gekommen.

Kroatien sei ihre Heimat und zu der habe sie alle Bindungen verloren, Kindheitserinnerungen und mehr nicht.

Oma und Opa und ihr wesentlich älterer Bruder hätten ihre Kindheit geprägt, die Eltern sah sie selten.

Dann waren die in Deutschland, kamen stets im Sommer für mehrere Wochen zuletzt sogar mit dem eigenen Ford.

Die Schule habe sie dort noch sehr gut abgeschnitten, im Durchschnitt hatte man dort im Lyzeum mit 18 Jahren das Matura und dann habe man sie mitgenommen nach Deutschland.

Braunschweig im Reihenhaus, ihr Vater sei Maschinenbauingenieur bei den Büssing Werken gewesen, ihre Mutter bei Voigtländer.

Sie begann eine Lehre in einem Büro als Bürokauffrau und habe die deutsche Sprache gepaukt und irgendwann zwei junge Abiturienten kennengelernt- die wollten die Bundeswehr umgehen und nach Berlin umsiedeln.

Berlin habe wie ein Magnet auf sie gewirkt und dann war die da. Zunächst gar nichts-nur Berlin und den Ku- Damm genossen, da war mehr aber was sollte folgen?

Der erste Krach und was sollte folgen, der erste Halbtagsjob und zur Untermiete und dann doch zur Uni- alles war wohl verkehrt, Berlin erlebte gerade das Jahr 1968.

Nach dem Grundstudium, endlich die Kunstmappe für die HdK und geschafft, ab 1970 ging sie zur HdK Theaterwissenschaft, mehr hinter der Bühne als auf der Bühne.

Was aus all den anderen wurde, interessierte sie nicht mehr- mancher habe Bafög Schulden auf Teufel komm raus und ihre Freunde von damals, wären reihenweise verschwunden.

Erst haben die sich beurlauben lassen, dann wäre Südfrankreich das Ziel der Träume gewesen und ein paar hätten sich dann wieder im Wedding bei Gauß versucht.

In diese WG sei sie über Kutte gekommen, nur der würde sein eigenes Ding drehen, kassiere Miete von der er nur einen Teil überweisen müsste.

Sie würde in den kommenden Monaten hier ihr Ende sehen, mittlerweile gebe es das Projekt im Künstlerhaus Bethanien.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 06. April 2016 um 03:08 Uhr  

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