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Start Neuigkeiten Teil 98 "Dem Zeitgeist geopfert"

Teil 98 "Dem Zeitgeist geopfert"

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Nachdem ich im letzten Artikel diesen Zeitsprung machte in den Sommer des Jahres 1973, wo sich Ost- Berlin für die Tage im August ganz anders heraus putzte, kam für viele nicht unerwartet der Nebel der Gleichgültigkeit wieder über die DDR.

Man war weder im Westen noch im Osten soweit sich miteinander zu verstehen, es überwiegte ein gegenseitiges Desinteresse.

Das wiederum bemerkte ich in einer Redaktion, in der ich für ein paar Stunden in der Woche aushalf.

Diese Redaktion war nicht nur zeitungsgebunden sondern sollte möglich wöchentlich min. 2 Seiten für Leser im Bundesgebiet über den Zeitgeist in Berlin machen.

Zunächst half ich einigen Redakteuren bei ihrer Arbeit, dabei fiel mir einer bewusst auf.

Es war derjenige, der eigentlich zu den Nutznießern zählen sollte, mit dem 4 Mächte Berlin- Abkommen kam es auch zum deutsch- deutschen Zeitungsaustausch, etwas was einige Jahre zuvor ein Tabu war.

Die Hardliner in Ost und West, hatten sich darauf geeinigt- für manche war es eine Logik nach dem geplatzten Redneraustausch von SPD und SED. Hardliner gab es allerdings im Westteil der Stadt genügend, so dass dieser Kollege der die Ostpresse sichtete keinen leichten Stand hatte.

Das war die eine Sache seiner Tätigkeit über die andere ließ er sich mitunter lautstark bei der Arbeit aus.

Nach seiner Ansicht schrieben fast alle führenden Blätter der DDR fast den gleichen Text, nur stand der an verschiedenen Stellen.

Man konnte weder die Texte noch den Inhalt kommentarlos verwerten, die Sprache in den Zeitungen hatte sich gewandelt.

Nur kommentieren sollte er nicht, sondern in wenigen Spalten die Leser im Westen der Republik informieren.

Dabei machten wir eine Entdeckung, in der am Alexanderplatz erscheinenden Berliner Zeitung schrieb ein Journalist mitunter etwas ganz anderes, der fragte in einem Artikel: „wo blieben die Kastanien in der Kastanienallee?“

Zudem nahm er sich in eigener Art das Problem der Neubaugebiete an und stellte die Frage, „was passiert in den Kiezen- aus denen unsere Bürger wegziehen ?“

Es war keine Kritik an der Politik, es war für uns die neue Art und Weise eines Mitdenkens- wir wurden aufmerksam auf Heinz Knobloch- wussten aber nicht wer er war.

Seine Artikel wurden zu einer Bereicherung, nicht nur für uns- sondern auch andere DDR Zeitungen gingen zeitversetzt auf Heinz Knobloch ein.

Hätten wir in Westberlin gleiches getan, hätte mancher Spießer uns den Fehdehandschuh geworfen.

Wir wollten etwas mehr bringen über Berlin was Leser interessierte, einmal war es die Bootsfahrt vom Kottbusser Tor bis zur Pfaueninsel und zurück- für diesen Reisebericht interessierte man sich beim Westdeutschen Rundfunk.

Nur wir wollten mehr und wagten uns an ein typisches Merkmal in der Stadt und das waren nun einmal die Enklaven.

Eine Seite beschäftigte sich mit den Laubenpiepern im Bezirk Spandau dessen Parzellen in den beiden Enklaven jenseits der Sperrmauer lagen.

Bis zur Bürgerablage an der Oberhavel fotografierten wir noch, dann wollten wir es nicht glauben.

Die stiegen auf dem Parkplatz aus ihren Autos aus- packten ihren Vorrat, klingelten an einem Tor an der Mauer und liefen einen abgezäunten Weg durch die Todeszone zum nächsten Tor in der Mauer.

Erst dann waren sie in ihrer Kleingartenanlage und dort kaum außer ihnen keiner hin.

Diesen Bericht haben wir dreimal entschärft, wir mussten der Spießbürgerlichkeit einen Sinn geben und nicht jene verletzten die in den bewohnten Enklaven wohnten.

Wie vermittelt man das wiederum den Leser im Wilden Westen, wenn der Eiskeller bewohnt ist und nur mit einer Waldstraße zum Bezirk Spandau verbunden ist.

Menschen wohnten dort und manches Haus war nicht an der Berliner Wasserversorgung angeschlossen, mit Steinstücken war das gerade anders.

Mittels eines Gebietsaustausches hatte diese Enklave den Status verloren und war mit einer Straße nach Zehlendorf verbunden.

Zähneknirschend setzten wir auf den Steinstücken- Status, denn halb Zehlendorf pilgerte gerade über diese Straße und entdeckte Steinstücken.

Steinstücken war derzeit „in“ und füllte die Spalten- die anderen Artikel von uns über die weiteren Enklaven sollten irgendwann folgen, derzeit spiegelten sie nicht den Zeitgeist.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 11. April 2016 um 02:18 Uhr  

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