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Teil 100 "Licht am Horizont"

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Was in jenen Monaten mir passierte, kann ich nachträglich als die angenehmste Zeit des Studiums bezeichnen.

Es ist eigentlich egal ob man sich innerhalb der Regelstudienzeit befindet oder bereits mit 2 oder 3 Semester darüber hinaus.

In der Regel wirkt man innerlich von einer Last befreit, wenn man sich den Terminen stellte.

Eine Befreiung war für mich die relativ gefragten aber nicht sonderlich zeitaufwendigen Arbeiten im Künstlerhaus Bethanien, man erfährt eine Wertschätzung und damit stabilisiert man seine Leistungen.

Zudem fühlte ich mich nicht als derjenige, der seine Situation beklagte- sondern es war die Mehrheit unter uns, die der Meinung war „ja nicht fragen- was kommt danach?“

Man brachte sich ein und dazu hatte man nun Gelegenheit, meine Mitarbeit in der Redaktion hatte sich so ergeben, langsam aber mit einer Beständigkeit führte man mich an den Umbruch heran, zudem kamen Artikel von ganz anderen mit Rang und Namen.

Dazu wählte ich die entsprechenden Fotos aus dem freiverfügbaren Archiv aus, waren die Artikel aktueller- machte ich mich auf den Weg Fotos zu diesem Thema zu erstellen.

Das war eine ganz andere Welt, man belichtete den Film noch selber im Haus und lieferte zuvor Kontaktabzüge.

Für ein Thema hatte ich mitunter 3 aktuelle Fotos und kommentierte diese, eines davon fand immer den Eingang zum letzten Umbruch vor dem Druck.

Klar wurde mir allerdings auch, diese Arbeit war auch nur temporär und auch nicht so vergütet wie erwartet.

Deshalb wagte ich im Sommer des Jahres 1973 etwas mehr, damals war jene Verwaltungsakademie der Deutschen Wirtschaft wohlweißlich ein Untermieter im Hauptgebäude in Richtung HdK und dort liefen fachübergreifende Kurse.

Irgendwann und irgendwie war es passiert, ich hatte das Interesse eines Managers entdeckt, der mich auch direkt ansprach.

Daraus entwickelte sich kein Vorstellungsgespräch sondern für mich ein Einstellungsgespräch, man hatte in einem Planungsstadion in Berlin ein Projekt im Bundesland Niedersachsen bekommen.

Innerhalb dessen gab es das Team, was sich aus erfahrenen Mitarbeitern zusammen setzte und ihre Unterstützung war gerade Studenten in den Semesterferien.

Das Projekt allerdings zeigte bereits Details, so dass man eine Halbtagskraft für die kommenden 6 Monate einstellen wollte.

Das war genau der Zeitraum der mir verblieb, ich wusste bereits am 1. Arbeitstag nach deiner Prüfung kommt der Ex- Bescheid und am Monatsende verlierst du den Halbtagsarbeitsplatz.

Das ist genau diese Situation die eigentlich jedem passieren kann, jeder sollte aber auch wissen Planstellen werden im Jahresetat unter Personal eingestellt und fast keine neue Planstelle wird in den Sommermonaten neu besetzt.

Ich war in einer zunächst halbwegs glücklichen Situation, diese Halbtagsstelle entsprach dem Tarifvertrag und zudem unterlag ich der Gleitzeiterfassung.

Rechnete ich das Gehalt plus den 150 bzw. 200 DM aus der Redaktion zusammen, so ging es mir eigentlich sehr gut.

Das war ein ganz neues Gefühl für mich und setzte etwas frei von dem ich bisher nur träumte.

Ich wollte nach dem Abschluss das machen, was ich eigentlich immer schon wollte, mit dem Rucksack für 28 DM per durch Westeuropa fahren.

Es stand für mich fest, wenn nicht zu diesem Zeitpunkt, wann dann?

Zunächst erfuhr ich aber ganz etwas anderes, denn mit meinem Arbeitsverhältnis eröffnete sich eine Tür, im Sinne des Gesetzes war ich westdeutscher Arbeitnehmer in Berlin und das wiederum berechtigte mich für eine Bewerbung bei der ARWOBAU.

Die vermieteten diese Apartments von denen fast alle Studenten träumten, die Klippe hatte ich geschafft.

Zunächst füllte ich meinen Arbeitsplatz mittels Plusstunden auf der Gleitzeitskala auf, dann zog ich im September des Jahres 1973 um in die eigenen 4 Wände.

Mein erster Traum war, des Abends nach Hause kommen- das eigene Radio einschalten und Bratkartoffeln mit Spiegeleier in der Pfanne einmal wieder selbst zu braten.

Duschen wann ich wollte und in die Schreibmaschine den Text eingeben, wenn ich Lust dazu habe.

Ich wurde ruhiger, nachdenklicher und bewusster- las mal wieder intensiv die Zeitungen und schrieb mal wieder Briefe.

Machte Besuche nur in Verbindung mit dem Weg in den Fachbereich, knüpfte alte Kontakte und fand zu neuen Kollegen am Arbeitsplatz.

Ich erlebte Berlin von einer ganz anderen Seite und das wiederum tat gut, in dieser Zeit war für mich Stress ein Fremdwort.

Ich war erfreut als ich las, wie es meinen Freunden aus Nürnberg ging, ich freute mich für sie – mittlerweile war einer beim Hessischen Rundfunk untergekommen.

Welch eine Freude, wir wollten gemeinsam im November zu den Jazz- Tagen in die Philharmonie, wir waren dort im Mitternachtskonzert mit Woody Herman.

Solche Freundschaften halten meistens mehrere Jahre, sie halten auch nicht ewig- denn niemand weiß was in einem anderen Menschen vorgeht?

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 17. April 2016 um 02:52 Uhr  

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