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Teil 105 "Die ersten Watschen"

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Jedes Projekt was eine gewisse Größenordnung hat und was sich über einen längeren Zeitraum erstreckt verheizt Menschen.

Diese Feststellung hatte ich bereits in den Wochen meiner neuen Tätigkeit erfahren.

Wir schrieben das Jahr 1974 und zum 1. Oktober trat ich als junger Mitarbeiter in ein Projekt ein, was aber bereits 1970 soweit als Konzept vorlag, dass man dafür den Zuschlag erhielt.

In diesen 4 Jahren wechselte die Konzerndirektion und innerhalb der Entwicklung wurde die Teamleitung bereits 2 x ausgetauscht, man hatte die Konstruktion mehrere Male überarbeitet und befand sich bereits in der Konstruktionsstufe 3.

Das bedeutete, den Fortschritt in der Technik und innerhalb der Schaltung wurde unter Zeitverzug angepasst.

Innerhalb der Fertigung gab es immer wieder einen Verzug, durch überarbeitete Konstruktionsunterlagen musste Verfahren und Abläufe neu festgelegt werden.

Mittlerweile waren wir soweit, dass die reinen Stücklisten aus der Montage für den Anwender verfasst wurden.

Zwischen dem Anwender und dem Endkunden gab es auch noch einen Unterschied, ebenso lernte ich die Arbeitsgruppe der Projektträger kennen.

Das ganze Ausmaß kann für einen Beteiligten zu einem Interessenkonflikt führen, denn der Projektträger will den Erfolg und der Anwender ist der Dumme. Zunächst hatte dieses Projekt einen internen Arbeitsnamen, erst als wir damit vor Ort gingen- gab der Projektträger den Klarnamen frei.

So wurde aus T75, NOS75 und endlich der Klar Name Notrufsystem.

Dazu gab es nun Verträge im Flächenland Niedersachsen, einige von diesen Notrufsäulen die dazu die Björn Steiger- Stiftung aufstellte sah man noch bis zum Jahr 2000 an Schwerpunkte der Landstraßen.

Innerhalb des Landes Niedersachsen ging es zunächst in die Landkreise und Samtgemeinden die jene Schwerpunkte ermittelt hatten.

Passenderweise fand ein Jahr zuvor innerhalb von Niedersachsen eine Gebiets- und Gemeindereform statt, welche zur Neugründung der Samtgemeinden führte.

Nicht jeder Gesprächspartner vor Ort war noch Jene mit dem die ersten Gespräche liefen und zudem waren unsere eigenen Vertriebspartner vor Ort kaum in der Materie.

Man installierte ein System mit gewissen Offerten und kannte kaum die Gegebenheiten vor Ort.

Jede Offerte die weiter ging als die Installation brachte nicht nur einen zeitlichen Verzug sondern erhöhte die Kosten.

Ich bemerkte es ziemlich zeitig, aus einem Projektstrategen wurden Verkäufer der Offerten.

Einige machten das wiederum aus eigenem Interesse, denn die dachten an ihre Provision.

Das führte zum ersten Konflikt, denn dieses Feld sollten die Bezirksvertretungen bearbeiten, die aber mit ihrem Wissen über das Projekt hinterher hinkten.

Wissen sollte man aber auch, die wiederum unterstanden der Vertriebsorganisation und an dessen Spitze stand im Konzern ein Direktor.

Das ganze Spektakel erledigte sich, nachdem man in Berlin an einem Montag den Spiegel aufmerksam gelesen hatte, wahrhaftig erlebte Siemens in München den schwarzen Freitag.

Das Ministerium für das Post- und Fernmeldewesen stellte alle Aktivitäten auf dem Sektor des Elektronischen Telefonwählverkehrsystems ein, das Ende von EWS war damit beschlossen.

Man setzte bereits auf den Nachfolger der Elektronik und konzentrierte sich auf das System EWSD, hatte für uns zu Folge, das System Notruf mittels eines Moduls an die vorhandene Klapperrelaistechnik zu bringen.

Bedeutete aber intensivere Gespräche mit den Partnern in den Samtgemeinden, denn das Notrufsystem musste funktionieren im Notfall.

Man benötigte dort in den Schaltzentralen eine zusätzliche Standortkennung sowie eine Notstromversorgung.

Wir waren also nicht mehr im Zeitplan und unser Team erwies sich auch personell zu schwach aufgestellt um diese neue Situation erfolgreich abzuschließen.

Nur ganz nebenbei, passierte im Frühjahr 1976 etwas im Landtag von Hannover.

Dort stellte die SPD und die FDP die Landesregierung und der SPD Regierungschef hatte angekündigt zur Halbzeit aus Altersgründen sein Amt aufzugeben.

Seinen Nachfolger allerdings torpedierten im Parlament bei der Wahl zum Ministerpräsidenten U-Boote, man ließ ihn in 2Wahlgängen durchfallen.

Im 3. und entscheidenden Wahlgang überredete man Karl Ravens sich der Wahl zum Ministerpräsidenten zu stellen, auch Karl Ravens schaffte es nicht.

Die Sensation war perfekt der Landtag wählte Ernst Albrecht zum Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen.

Der wiederum eine CDU Minderheitsregierung bildete und in dieser wurde der CDU Landesvorsitzende Hasselmann Innenminister.

Innerhalb von kürzester Zeit kündigten die den Staatsvertrag zum Norddeutschen Rundfunk und nahmen sich noch mehr vor.

Diese Auswirkungen bekamen wir noch zu spüren, man überarbeitete die Zuständigkeiten und verlagerte die Entscheidungsebene auf die Landkreise.

Das wurde uns bewusst, weil die Verträge nur die Schwerpunkte abdeckten. Um aber in allen Landkreisen zeitlich gleich die weiteren Verhandlungen führen zu können- waren wir personell viel zu schwach aufgestellt.

Diese Erkenntnis hatten wir, nur wie bringt man dieses Problem an die Obrigkeit?

Da gab es nur ein Zeitfenster und in dem bekamen wir unsere Watschen.

1976 wurde auch ich richtig und kräftig ab gewatscht und konnte eigentlich gar nichts dazu.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 27. April 2016 um 02:35 Uhr  

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