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Start Neuigkeiten Teil 108 "Berlin war eigentlich ein Dorf der Möglichkeiten"

Teil 108 "Berlin war eigentlich ein Dorf der Möglichkeiten"

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Ein Thema was auf die Tagesordnung kam und von vielen „willkommen“ war, lautete: Die Erhöhung des Eigenfertigungsanteils im Produktionsprozess.

Diese These fand zunächst den Siegeszug durch alle BWL Seminare, war mitunter sogar Lehrmeinung und schlug sich nieder in einigen Fachaufsätzen.

Die Autoren fand man jedoch nicht nur im Westen unserer Republik, im Ostteil nahm man diese These ebenso auf allerdings unter anderen Vorzeichen.

Von oben nach unten setzte man dazu Arbeitskreise ein, von der Entwicklung bis zur Produktion- mit der Entwicklung war das eine besondere Angelegenheit.

Entwicklungstechnisches Konstruieren was der Eigenfertigung entspricht.

Auf der Planungsebene entzweite sich der Gedanke, denn zunächst gibt es immer Zukaufs Artikel und das sind nicht nur Halbzeuge, innerhalb der Produktionsschritte kommen Arbeitsgänge die von Fremdfirmen geleistet werden.

Genau dort wollte man ansetzen, es ging nicht nur um die Fremdfirmen sondern primär um den Abgleich zur eigenen Produktion.

Um an diese Datensätze zu kommen musste man das System zerlegen, was zu damaliger Zeit Aufwand erforderte.

Zunächst ging es um diese Schleusen und eine fiel mir sofort ins Auge, man schleuste aufwendige Sortier- und Formatierungsarbeiten aus.

Jene also, die man mittels der REFA- Methode kaum bewerten konnte, Fachleute nennen so etwas die sog. produktive Füllarbeit.

Ich benötigte also nur aus der Ziffernfolge die Adresse in Klarschrift. Es waren die Behindertenwerkstätten, denen meldete ich meinen Besuch an.

Für mich war das ein Erlebnis, denn ich sah Menschen wie ich und du, die mit Begeisterung bei der Arbeit waren und mir freiwillig erklärten was sie dabei zu beachten hätten.

Der Besuch bewirkte bei mir genau das Gegenteil von dem was man von mir erwartete.

Mein erstes Fazit dazu trug ich meinem unmittelbaren Chef vor, der eigentlich stets locker und aufgeschlossen war, nur meine Meinung ging mit seiner nicht konform.

Das war zunächst ein Schock, denn er war nie vor Ort in einer Behinderten- Werkstatt- gönnte sich aber eine abwertende Meinung.

Ich war nie der Mann, der Meinungen von Chefs revidieren wollte- musste also das Problem ganz anders lösen.

Im Betrieb gab es nicht nur eine Werkzeitschrift für die Belegschaft sondern auch das Kundenmagazin.

Dort war man mir dankbar für den Hinweis, wie sozial eigentlich unser Unternehmen sei.

Nach einigen Wochen bekam ich dieses Kundenmagazin vom Chef persönlich mit dem netten Hinweis, lasse denen mal ihre Arbeit.

Die zweite Aktion verlief so ähnlich, das waren allerdings Kunststoffteile- nicht irgendwelche sondern jene aus Duro- Plast.

Diesen Bedarf deckte eine Stiftung und die wiederum war im Strafvollzug tätig, das wollte ich mir nicht nehmen lassen, die Werkstatt hinter den Gefängnismauern zu sehen.

Meine Vordenker waren aber beim Thema Duroplast technisch viel weiter, sahen dieses als ein Relikt aus vergangenen Epochen an.

Das hatte sich demzufolge von alleine erledigt, man träumte von einer eigenen Thermoplast- Fertigung.

Es gab allerdings noch eine dritte Schiene, auf der wurde es technisch Spezial.

High tech im Hinterhaus, nicht nur in Kreuzberg sondern in Moabit fand man noch gleiche Werkstätten.

Man war dort auf einer Schiene, die Großunternehmen noch gar nicht erkannt hatten.

Hier fand bereits die Automation statt, man programmierte zwar noch dezentral aber es waren NC gesteuerte Maschinen im Einsatz. Interessant waren die Formen dieser Unternehmen, meistens verfügten diese um einen eingesetzten Geschäftsführer der in den seltensten Fällen der Eigentümer war.

Diese Richtung war es wert auszubauen, zunächst den Draht fest zu stellen- weshalb war man hier in der Technik weiter und wer steckte als Kapital dahinter?

In der Technik bewahrheitete sich etwas, es waren überwiegend Absolventen die sich hier ihre Praxis erwarben also waren sie theoretisch auf dem neusten Stand.

Der Anlagenpark war allerdings auch neu, das zu entschlüsseln wurde zum Puzzle.

Entweder hatte man hier Sponsoren oder man hatte Vorführmaschinen vom Hersteller bekommen, der einen Markt dafür sah.

Beides war richtig, denn in Berlin gönnten sich manche von Rang und Namen aus Politik und Wirtschaft einen Bauchladen.

Einer von denen schaffte es sogar unter Helmut Kohl zu Minister, allerdings im eigenen Unternehmen war es auch so.

Ich bekam einen freundlichen Hinweis eines älteren Kollegen, einer von den Direktoren hatte in einem Bauchladen auch seine Aktien.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. Mai 2016 um 02:19 Uhr  

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