Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Wirtschaftspolitik Wie wird marktwirtschaftlich regiert? Teil 6

Wie wird marktwirtschaftlich regiert? Teil 6

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Wann entsteht ein Markt, den wir doch brauchen, um die Menschen zu integrieren, um die Grundlage für dir Soziale Marktwirtschaft schaffen zu können?

 

Ist die Nachfrage schlechthin die ausschlaggebende Situation, um Märkte entstehen zu lassen? Nein! Märkte entstehen nur durch eine offene Nachfrage, aber nicht durch eine verdeckte.

Verdeckte Nachfrage: Verträge werden im Wesentlichen einseitig formuliert und können nicht nachverhandelt werden. Es besteht eine Zwangssituation in der Gesamtschau bei einem Teil der Tauschpartner und die Macht zum Zwingen zu „Verträgen“ bei dem anderen. In „Käufer-“ oder „Verkäufermärkten“ besteht kaum oder keine Verhandlungsmöglichkeit. Jene stellen folglich als solche keine wirklichen Märkte dar. Ein Tausch ist aber dennoch weiterhin möglich, der aber, wenn dieser Zustand in der Gesamtschau auf die Gesellschaft, signifikant ist, sicher zum Wertverfall der Wirtschaft, zum Wertverfall des Geldes, zu Investitions- und Tilgungsunfähigkeit führen wird.

Offene Nachfrage: Jedem Tauschpartner ist es möglich, von Vertragsverhandlungen oder Verträgen zurück zu treten oder damit in der Verhandlung zu spielen. Verträge entstehen im etwaigen Einvernehmen, dem Interessensausgleich. Die Vertragsbedingungen werden von beiden Seiten formuliert und geschrieben. Es besteht weder ein ökonomisch sozialer Zwang, oder Alternativlosigkeit, noch eine Machtsituation. Jeder Tauschpartner hat alternative Tauschpartner, welche auch noch akzeptabel wären, bzw. hat nun in einer belastbaren Gesamtschau auf die Gesellschaft, die Möglichkeit, neue Betätigungsfelder zu überlegen, die in diesem Falle greifbar sind (Heilungs- und Regulationskräfte einer gesunden Marktwirtschaft). Der Markt ist belastungsfähig, wenn in der Gesamtschau auf die Gesellschaft eine offene Nachfrage gegeben ist. In diesem Fall können partiell bestehende verdeckte Nachfragen abgebaut werden, indem sich Anbieter neu orientieren können.

Ein Markt ist versinnbildlicht lediglich die Pendelbewegung der zu vergleichenden Gewichte auf einer Apothekerwaage, also nicht die Waage selbst, sondern der spezielle Zustand der möglichen Bewegung. Das Zünglein an jener zeigt deren Belastungszustand an. Solang es den Gewichten möglich ist, zu tarieren (zu handeln), ist das System funktional, - Funktionsfähig also nur mit einem indifferenten Gleichgewicht. Schon hierbei kann für Regierende am „Zeiger“ = Geldmengenentwicklung, abgelesen werden, ob es „Funktionsausfälle“ unseres Vehikels „Marktwirtschaftliche Gesellschaft“ geben kann, wenn sich Positionen weiter im Sinne eines schon bestehenden Ungleichgewichtes verschieben. Dabei braucht es auch die Berücksichtigung auf die Gesamtsituation in der Wirtschaft.

Ist im Gegensatz zu dieser Bewegung ein stabiler Zustand erreicht, weil eine Seite den Boden berührt, ist das Mittel – die Waage - nicht mehr zu gebrauchen für das Wägen, bzw. dann ist der Markt tot. Ist dies in der Gesamtschau auf die Gesellschaft als wesentlich einzustufen, so haben wir ernsthafte Probleme, die sich nach dem Jahrzehnte währenden Aufzehren der Staatensolvenz und dem damit verbundenen Sinnverlust des Finanzmarktes bis zur Zerstörung weiter entwickeln können.

Die lapidare Aussage: „Das regelt der Markt!“ oder „Mehr Vertrauen in die Märkte!“, ist wie eine Pille für alle Krankheiten. Der Markt kann vieles, doch nicht alles und vor allem nicht, wenn er nicht existiert. Partiell können sich schnell Märkte neu formieren und gesunden, wenn in der Gesamtschau im Handel die Nachfrage belastbar (offen) ist. Es ist aber gewiss nicht zu erwarten, dass Märkte von selbst entstehen, wenn Angebot und Nachfrage in der Breite der Innovationen nicht mehr durch Verhandlung in Beziehung stehen. Märkte zu haben, ist im Industriezeitalter in einer Gesellschaft kein natürlich gegebener Zustand mehr, sondern wenn wir vom allokativen Funktionswert dieses Mittels Gebrauch machen wollen, so ist dies nur über staatlich gesetzte Rahmenbedingungen möglich.

Erst einmal muss untersucht werden, ob Märkte bestehen, wo sie bestehen und in welchem Zustand sie sich befinden.

Hierbei sind alle Märkte, also der Arbeitsmarkt, der Immobilienmarkt, der Kapital- und Geldmarkt, Konsumgütermärkte und Investitionsgütermärkte und ihre wechselseitigen Abhängigkeiten in die Betrachtung einzubeziehen.

Langfristig sind vom Konsumgütermarkt die Übrigen als primär Abhängig zu diesen in ihrer Substanz zu betrachten.

Märkte können in gewissen Grenzen zur Allokation beitragen. Überschreitet das Angebot die Nachfrage in der Gesamtschau auf die Wirtschaft einer Gesellschaft, beeinträchtigt dies die ausgewogenen Positionen der Verhandlungspartner. In diesem Falle ist durch Rahmenbedingungen zur Investitionsfähigkeit Abhilfe zu schaffen. Führt in seltenen Fällen in einer entwickelten Industriegesellschaft die Nachfrage aufgrund erhöhter Bedürfnisse oder bei kurzfristig nicht zu leistenden Investitionen zu sozialer Not, so sollten bei staatlichem Spargebot Verhandlungsobergrenzen gelten, die aber in der Gesamtschau nicht den Investitionswillen der Anbieter bremsen dürfen. Ist Sparzwang nicht geboten, kann sozial bezuschusst werden. Es sind im Weiteren die Ursachen der Fehlentwicklung abzustellen, bei Wohnungsmangel etwa die schlechte Strukturentwicklung in der Provinz (Landflucht).

Möglichste Investitionsvermeidung ist ein Grundanliegen privaten Wirtschaftens. In diesen Kontext ist auch die überbordende Liberalisierung der Wirtschaft einzuordnen, welche heute ursächlich sehr durch das unternehmerische Denken auf der Regierungsebene geprägt ist. Die Liberalisierung wird heute falsch im Sinne von „Mehr Bedingungslosigkeit!“ verstanden. Werden Handelshemmnisse zu stark abgebaut, ist der Anreiz, Struktur auf der anderen Seite des Hemmnisses aufzubauen, nicht mehr vorhanden. Das zu erwartende Überangebot der Lohnarbeit mit der bewirkten produktiven Effizienz wirkt dann auch noch als Dopplereffekt zur Investitionsvermeidung.

Liberalisierung, sprich Enthemmung des Handels kann zwar partiell freudige Entwicklungen ermöglichen, doch wird sie im Übermaß in der Gesamtschau auf die Gesellschaft zu einem Investitionsverhalten führen, darf also niemals in einer Situation schwacher Arbeitsmärkte als Mittel der Wahl gelten, um in großen Wirtschaftsräumen, eine Verbesserung erzielen zu können. Unbestritten ist die kurzfristig positive Wirkung auf wirtschaftlich starke Regionen, welche aber das Problem des Investitionsverhaltens in so einer Situation der verdeckten Nachfrage, also das Marktversagen, manifestiert und im Versagen des Finanzsystems - im Staatsversagen endet.

 

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 335
Beiträge : 5783
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14863687