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Teil 111 "Mitten im Leben"

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Ich war also mittendrin im Leben, wollte arbeiten um leben zu können und fand dazu den Mittelpunkt.

Es war nicht die Arbeitsstelle, sondern all das was mich forderte- jeder Tag war fast anders.

Im Betrieb ging ich allen Neiddebatten aus dem Weg, ich wusste was ich verdiente und hatte Ziele.

Ein Ziel war mir heilig und das war der Feierabend, denn zunächst gestaltete ich die Wohnung so- wie sie mir gefallen sollte.

Natürlich bekam ich Einladungen und sah wie andere wohnten, mit einigen wollte ich aber nicht tauschen.

Mir widerstrebte ein Leben auf Kredit zu führen und war nicht gierig auf Konsumartikel.

Ich schätzte mittlerweile die Vielzahl meiner Bücher, von denen ich einige mehrere Male gelesen hatte, ich plante mir demnächst die Spiegelreflex- Kamera zu kaufen und las mit Freude all die Briefe von allen Freunden die mich erreichten.

In dieser Phase meldete sich die Gruppe von Sozialdemokraten an der TU, zeitlich war das mehr als 10 Monate vor der nächsten Abgeordnetenhauswahl.

Man wollte hier innerhalb der Gruppe eine Analyse über die Berliner Wirtschaft erstellen.

Dazu hatte man Material von vor mehr als 10 Jahren zusammen getragen, schon bei der ersten Sichtung erkannte man einen Trend.

Der Motor der Berliner Wirtschaft war in der Vergangenheit nur die Bauwirtschaft, der Hochbau sowie der Straßenbau.

Die öffentlichen Aufträge waren mit der Inbetriebnahme des Flughafens Tegel reduziert worden, innerhalb der Bezirke baute man allerdings noch Schulen sowie Hallenbäder.

Ein Neubauprogramm innerhalb des sozialen Wohnungsbaus hatte man gerade in Mariendorf und Marienfelde im Rohbau abgeschlossen, größere Programme waren aufgrund von nicht mehr vorhandenen Flächen nicht geplant.

Was andererseits etwas mehr mit den Forderungen der Berliner Wirtschaft zu tun hatte, es ging um Gewerbesiedlungsflächen.

Vor einigen Jahren hatte die IHK mit dem Senat der Stadt beschlossen neue Firmen in der Stadt anzusiedeln, der Grund war folgender: Fast alle großen Konzerne hatten ihre Zentrale aus Berlin abgezogen, hier blieb in der alten Industrie- Substanz eine Hülle übrig, die von innen zerfiel.

Berlin wurde die verlängerte Werkstatt für alle westdeutschen Konzerne, fast jeder Konzern verfügte über Freiflächen innerhalb seiner Gebäude.

Zudem war die Fertigungstiefe flach, Berlin war der Wirtschaftsstandort der max. 5 Arbeitsgänge, man erzeugte zwar einen Wertezuwachs hatte dabei allerdings eine Vorleistungsquote von mehr als 85%.

Diese Art von Arbeitsplätzen schaffte zwar Beschäftigung, nur auf welchem Niveau und zu welcher Vergütung?

Es gab Betriebe, in denen auf 100 Frauen in einer Niedriglohngruppe ein Mann kam der auch nicht wesentlich mehr verdiente.

Das zweite Standbein war nach Meinung vieler, die Zulieferer- das waren überwiegend klassische Spezialbetriebe, typisch in der Elektromechanik.

Sie füllten aber nicht den Raum, sondern produzierten in Mietsräumen dort wo die Mieten preiswert waren.

Das waren überwiegend Firmen, die nach dem Krieg wieder begannen und sich wesentlich besser angepasst hatten als mancher Konzern, nur waren sie abhängig geworden von circa einer Handvoll von Auftraggebern.

Solche Betriebe gab es noch in Hülle und Fülle, mitunter beschäftigten diese bis zu 50 Mitarbeiter, es waren für Berliner Verhältnisse bereits mittelständische Betriebe.

Eine Tendenz erkannten wir dabei auch, ein Teil dieser Betriebe konnte aus dem Vollen schöpfen, sie konnten sich ihr Personal aussuchen- denn die großen Konzerne boten einigen nicht mehr die berufliche Zukunft.

Was Berlin fehlte war der klassisch produzierende Mittelstand mit dem eigenen Vertriebsnetz, jene Firmen also die vergleichsweise sich in Baden- Württemberg am Markt behaupteten und in der 2. oder 3. Generation im Familienbesitz war.

Diese einseitige Konzentration innerhalb des produzierenden Gewerbes war eigentlich bekannt, nur keiner der Wirtschaftspolitiker in der Stadt wurde vorstellig in den Konzernzentralen.

Was man nun als Maßnahme plante, waren die Erschließungen von Industrieflächen im Süden von Zehlendorf und im Süden von Mariendorf, wo es einerseits Flächen gab aber andererseits die Verkehrsanbindung fehlte.

Hier plante man auf der sog. grünen Wiese, hoffte auf Ansiedlungen und unterstütze jene Zulieferer sich hier ihre Zukunft zu sehen.

Man hinterließ aber irgendwo anders in der Stadt, Industriebrachen für die man eine weitere Nutzung suchte.

Damit kam das eigentliche Problem auf die städtebauliche Agenda, die Nachnutzung der Industriebrachen.

Um das einmal deutlich zu machen, fotografierten wir die 3 km Brache mit all den Zwischennutzern entlang der Heidestraße zum Kanal.

Gegenüber lag damals der Container- Bahnhof der Reichsbahn, dieses ganze Gelände lag mitten in Berlin, dort wo heute der Tiergartentunnel endet bis zur Mündung der Panke.

Ein weiteres Standbein war der Berliner Einzelhandel, der boomte gerade aber nur soweit wie der Schatten des Europacenters war.

Damals gab es sie noch, die Vielzahl der Markthallen- doch manche begann bereits ihren Dornröschenschlaf, eine Maßnahme war Ketten in den Markthallen anzusiedeln.

Es gab bereits einige Einkaufsstraßen innerhalb der Bezirke, die sich innerhalb von 10 Jahren zu Trödlermeilen entwickelt hatten.

Erst kamen die Trödler, dann die Künstler und erst danach die Pioniere, es vertrieben allerdings stets die einen zunächst die anderen.

Das ließ sich wunderbar dokumentieren, wen man sich den Wandel um die Kudamm Seitenstraßen ansah.

Waren eigentlich die Einkaufsstraßen die schuf die Alternative, die Wilmersdorfer hatte man gerade eröffnet, die Gorkistraße in Tegel sollte folgen?

Man löste sich unbewusst von der alten Berliner Mischung, radierte alte Sünden weg und schuf neue.

Wir stellten die Frage, welche Arbeitsplätze schafft man dort?

Es gab immer noch in Berlin die Eigenbetriebe und die waren mittlerweile zum größten Arbeitgeber geworden, ein Arbeitgeber der auch seine soziale Verpflichtung hatte.

Es entstand eine Denkschrift, die der SHB vertrieb und dieses hatte eine Wahlempfehlung: „ Hände weg von Berlins Eigenbetrieben“

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 08. Mai 2016 um 02:37 Uhr  

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