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Teil 113 "Die Fotogruppe"

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Die Fotogruppe, wie die entstand und wer die wann gründete, ich weiß es nicht.

Ich fand dazu als mich mein Interesse dahin zog, man wollte hier etwas herausstellen, was man als die Zwischentöne bezeichnen würde.

Es ging also darum sich mit der Hilfe der Fotografie an Themen heran zu wagen.

Zu den ersten Treffen kamen stets mehr als 20 interessierte Freunde, die eigentlich überwiegend kulturell und sozial sich arrangierten.

Überwiegend hatte die Spiegelreflex- Kleinbildkamera hier ihren Siegeszug bereits abgeschlossen, man bildete also Gruppen in denen die Zusätze zum M42er Gewinde passten.

Das eigentlich Spannende dabei waren die Themen, zuvor hatte man mal für einen Kalender Berlins Dorfkirchen fotografiert, das brennende Thema Anfang des Jahres 1976 waren aber die Brachflächen innerhalb von Berlin.

Die Stadt war gerade auf dem Weg eine normale Großstadt in der Bundesrepublik zu werden und fast jede zweite Mark den das Land Berlin ausgab stammte vom Bund. An diesen Tropf wollten nun viele, wobei die Dynamik der Berliner Wirtschaft an Fahrt verlor.

Das Aushängeschild war bis dahin die Bauwirtschaft, der öffentlich geförderte Wohnungsbau lief auf Schmalspur- man hatte einige Jahre zuvor das Großprojekt „Gropiusstadt“ erfolgreich abgeschlossen, nur an den Rändern krachte es.

Beim Hochbau war das ICC am Funkturm noch in der Planung, hinter der Deutschlandhalle war die Eissporthalle bereits errichtet worden, im innerstädtischen Straßenbau war es die Stadtautobahn die immer noch im Nirgendwo landete und über eine Autobahnverbindung nach Hamburg verhandelte man noch.

Die Trasse durch den Tegeler Forst stand ebenso wie jene durch den Spandauer Forst über den Oberjägerweg zur Diskussion.

Der Teil der produzierenden Wirtschaft dümpelte vor sich herum, in manchen Bezirken der Stadt begann ein Aderlass, der wiederum Spuren hinterließ.

Andererseits setzen die Bezirke die Politik des Senates um und stellten dem Gewerbe Freiflächen zur Verfügung, nicht nur in Britz, Marienfelde, Rudow und im südlichen Zehlendorf sondern auch im westlichen Teil des Bezirkes Spandau.

Man zersiedelte also die Randbezirke der Stadt und hinterließ innerhalb der Stadt Industrieruinen.

Das wollten wir nun dokumentieren, welchen Eindruck hinterließen diese Ruinen vom Osten der Stadt aus dem Betrachter?

Damit meinten wir all diese Umschlagplätze entlang der Heidestraße unmittelbar zum Kanal. War ein Kanal die Sektorengrenze zog der auf der Westseite die Sammler und Wiederverwerter an, um das in einen Rahmen zu bringen gingen wir ans Werk.

Das Ziel war die Kanalstraße im Stadtteil Rudow, eine Straße die noch teilweise von der Neuköllner Mittenwalder Eisenbahn benutzt wurde.

Hier endete das Wohngebiet der Gropiusstadt, hier am Rand der Sozialbauten um den Zwickauer Damm entstand der erste soziale Brennpunkt Berlins in einem geschlossenen Neubauprojekt, noch sah man das anders aber unterschwellig war das Problem bereits bekannt.

Die östlich davon gelegene Kanalstraße war eigentlich eine Industriestraße, der das Gewerbe ausging.

Es waren auf der Kanalseite fast nur noch Fassaden, die von besseren Zeiten träumten- hinter diesen Fassaden war ein Sortiment von Lagerplätzen entstanden.

Manches Grundstück war offen und wir schafften es bis zum Kanal, der eigentlich fast unbefahren war.

Rechts der Straße begann der andere Teil Rudows, hier zersiedelte man planlos die Landschaft, interessant war die Ausdehnung, man kaufte nicht sondern mietete hinzu.

Es diente vielleicht nur der steuerlichen Abschreibung oder der Gier nach der Berlin Förderung.

Wir fotografierten und kommentierten, immer gem. der Reihenfolge „informieren, kommentieren, arrangieren, kontrollieren und justieren.“

Das machten wir nicht nur, sondern die anderen Gruppen ebenso, das Bild hinter der Fassade der Köpenicker Straße im Bezirk Kreuzberg sah ebenso aus und passte nahtlos ins Thema der Ruinen des Gewerbes in der Stadt. Unterschwellig wussten wir vom Sprengstoff dieses Themas, nur wie macht man das Thema publik?

Wir wählten den Weg über die Schleusen und fanden Unterstützer, eine dieser Schleusen waren die Wege die Erstsemester an den Hochschulen nahmen.

Gleichzeitig an 4 Orten fand die Fotoausstellung statt, es waren unsere Kontaktabzüge „ Berlin hinter der Fassade“, angereichert mit Kommentaren von ganz anderen.

Einige von diesen Fotoredakteuren machten ihren Weg, einen davon traf ich in den Geburtsstunden der taz wieder und ein paar andere machten sich einen Namen, ihre Berichte erschienen Jahrzehnte danach in der Zeitschrift „der Überblick“.

Eigentlich fand hier die Geburt einer besonderen Art statt, die Dokumentation der Stadtsoziologie.

Das hatte allerdings für uns Folgen, denn einige Fotos gingen als Wanderausstellung durch die berühmten Kneipen, wurden allerdings von Kneipe zu Kneipe weniger.

Wir hatten allerdings ein Interesse geweckt, fast wäre das allerdings in Vergessenheit geraten, bis man in Frankreich darauf Aufmerksam wurde. Unsere Kontaktabzüge wanderten nach Frankreich, man hatte dort in den Großstädten ähnliche Probleme.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 12. Mai 2016 um 03:05 Uhr  

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