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Der Freitag - Mehr als eine Wochenzeitung

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Der Freitag ist eine deutsche Wochenzeitung mit Print und Online-Ausgabe, die von Jakob Augstein herausgegeben wird.

Über die Geschichte des Freitag informiert Wikipedia unter dem betreffenden Eintrag recht ausführlich.

Was den Freitag interessant macht ist seine Online-Community, die gewissermaßen eine eigene Ausgabe des Online-Freitages mit Beiträgen bestückt.

Einmalig bei einer renommierten Wochenzeitung, dass die Autoren direkt und ohne vorherige Kontrolle durch die Redaktion publizieren.

Das kann schon mal dazu führen, dass Beiträge die zu anstößig sind, nach Veröffentlichung durch die Online-Redaktion gelöscht werden.

Manchmal gibt es dann auch heftige Reaktionen der Community auf solche Löschungen, die allerdings in den meisten Fällen berechtigt sind.

Das Freitags-Projekt ist durchweg sympathisch und zeigt viel bürgerjournalistischen, manchmal sogar demokratischen Impetus.

An den Diskussionen in der Community beteiligen sich auch Freitags-Redakteure und Autoren der redaktionellen Online- und Printausgabe, wenn auch nicht sehr oft.

Guter Stil für ein Medienunternehmen.

Ein basisdemokratisches Projekt ist der Freitag aber nicht.

Augstein hat seinem Blatt ein links-liberales Image verpasst, das dem Freitag dank seiner linken Tradition auch gut steht.

Die Corporate-Identity stimmt.

Niemand kann etwas dafür, dass das Marktsegment für solche Zeitungen in Deutschland verhältnismäßig klein ausfällt.

Gewinne macht der Freitag nicht, kann sich aber zum guten Teil, man munkelt zu etwa 80 Prozent refinanzieren.

Nicht so schlecht, möchte man meinen, aber eben nicht genug.

Allerdings ist das auch kein Grund zur Panik, da man weiß, was derzeit in der Medienlandschaft los ist.

Gewinnbringende Konzepte werden ab einem bestimmten publizistischen Anspruch selten.

Die Finanzierung durch Werbung hält sich im Freitag in Grenzen und ist noch erträglich.

Ich war zwei Jahre als Nutzer dabei und habe dort ebenfalls publiziert.

Nach zwei Jahren und einigen hundert Beiträgen kann ich die Seite aktiven und ernsthaften Bloggern nur empfehlen.

Kommentare gibt es satt und das „pädagogische“ Konzept für Autoren, die hier ihre journalistischen oder bloggenden Gehversuche in einer größeren Öffentlichkeit und einem professionell gestalteten Medium machen, ist ausgewogen.

Gemaßregelt wird nur, wo es nötig ist. Wilde Schreiberei wird aber von der Redaktion nicht goutiert, übrigens auch von den Kommentatoren nicht, die häufig kräftig zulangen, wenn ihnen ein Beitrag nicht gefällt.

Das passiert öfter und erinnert ein wenig an spontane Dichterlesungen in Berlin-Kreuzberg der achtziger Jahre, wo Genies auch schon mal ausgebuht wurden und am Abschluss ihres Vortrages gehindert wurden.

Kein Grund sich fern zu halten. Kritik formt den Charakter.

Die andere Seite des Freitags ist das Medium, als Ganzes.

Es besteht aus Print, Online und Community und zeigt hier in der Gesamtschau seine Schwächen. Der Freitag ist in dieser Verknüpfung nach außen kein wirklich kontrovers geführtes Medium.

Die einzelnen Bereich sind eher durch verfeinerte Filter miteinander verbunden, welche dazu führen, dass bestimmte Beiträge aus der Community auch in den redaktionellen Bereich gelangen können oder gar bis in die Print-Ausgabe.

Das nimmt sich recht brav aus, weil die Filter politisch feinjustiert wirken.

Zu links dürfen die politischen Beiträge nicht sein, zu rechts auch nicht.

Schließlich wird auch im Freitag auf „political correctness“ geachtet, was vielen Beiträgen die es nach oben schaffen, den Biss nimmt.

Vielleicht ist das die Stärke, die das Projekt sich vergibt oder gar die Chance, die es verspielt, wenn im Freitag eben nicht Welten aufeinander prallen, sondern gepflegte linksliberale Langeweile entsteht.

Ein solches Medium, in dem sich die verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Spektren gegenseitig das Fell über die Ohren ziehen, gibt es allerdings in Deutschland nicht.

Konzeptionell aber stünde der Freitag mit seiner durchlässigen Dreiteilung einer solchen Möglichkeit am nächsten.

Ob das gewollt sein könnte, kann man auch nach ausführlichster Lektüre der dortigen Diskussionen nicht entscheiden.

Ein Beispiel für den Wert einer solchen Plattform für verschiedenste Einstellung schien das Blatt anfangs in der Berichterstattung über die Ukraine-Krise zu bieten.

Während die Leitmedien in der komplexen Berichterstattung über das Thema versagten und kollektiv in eine (per se antirussische) Richtung rannten, setzte sich der Freitag wohltuend von diesem Mainstream ab.

Vergleichbares konnte man sonst nur bei wenigen Medien beobachten.

Das Neue Deutschland oder einzelne Redaktionen in ARD (Zapp) und ZDF (Heute-Show) sowie mit Abstrichen auch das Handelsblatt, sowie einzelne Autoren der Frankfurter Rundschau und sogar bei der Welt bemühten sich, dem westlich-propagandistisch wirkenden Medientrend im Jahr 2014 etwas entgegen zu setzen.

Der Freitag tat dies ziemlich konsequent und erntete im Web dafür auch einige Lorbeeren.

Leider entwickelte sich dann im Verlauf des Jahres 2014 ein neuer kleiner Mainstream in der Freitags-Community, der prinzipiell prorussisch zu sein hatte.

Alles andere wurde von der Kritik massiv bekämpft, wobei auch eingesickerte Agitatoren, die sich der putinschen Medienwelt verpflichtet fühlten, eine Rolle gespielt haben können.

Bedenklich erscheint dabei, dass dieser Trend zur Intoleranz und zum politischen Kampf so wirkte, als würde er das Klima im gesamten Projekt verändern.

Fundierte Artikel, die deutlich die zwielichtige Rolle des Kremls in der Krise der ebenso zwielichtigen Rolle westlicher Staaten und Stakeholder gegenüber stellten, gab es auch im Freitag nicht, vielmehr ein geduldetes Meinungsspektrum, welches aber meist an der russischen Grenze halt machte, wenn die deutsche Medienlandschaft vor allem in der amerikanischen Richtung nicht weiter recherchieren wollte.

Ob diese Problematik, das eigene Meinungsspektrum nicht konterkarieren zu wollen, ein Freitags-Problem ist, darf man aber bezweifeln, es ist in der Medienlandschaft ubiquitär.

Die Frage ist nur, ob der Leser durch so viel Berechenbarkeit wirklich gelangweilt werden will oder ob es nicht in Wirklichkeit die Anzeigenkunden sind, die man nicht verprellen will.

Im Freitag sollte dies eigentlich das kleinere Problem sein.

Vielleicht aber ist es eine Art genereller Zwang in den Köpfen von Redakteuren geworden, welcher objektiv nicht immer begründet sein muss?

Wie auch immer.

Über das Projekt „Der Freitag“ zu schreiben lohnt nach wie vor, ebenso, wie darüber zu diskutieren.

Ein interessantes Beispiel liefert eine aktuelle Diskussion über die Verzahnung von Community und Redaktion, von Online und Print, die sich unter dem nachfolgenden Link findet: https://www.freitag.de/autoren/calvani/mehr-mehr-mehr

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 21. April 2015 um 03:04 Uhr  

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