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Teil 127 "Spätsommer 1976"

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Was wir heute mit der Hilfe von sozialen Netzwerken innerhalb von Sekunden über Ländergrenzen hinweg austauschen, wäre uns im Jahr 1975 nicht im Traum eingefallen. Wobei wir uns damals wahrhaftig intensiv austauschten, wir wagten uns nicht stets an Telefon, wobei in Berlin zu dieser Zeit eine hohe Telefondichte vorhanden war.

Einfach gesagt, für uns war jeder Brief mehr als ein Lebenszeichen, Briefe können nämlich etwas aussagen und sind mitunter persönlich.

Briefe können in ihrer Form begeistern und auch den anderen erschüttern, auf jedem Fall war jeder Brief für mich mehr als eine Überraschung.

Der Spätsommer des Jahres 1976 war für mich voller Überraschungen, zunächst lernte ich im Betrieb den Rhythmus kennen.

Erledigte nebenbei Urlaubsvertretungen und hatte noch Anspruch auf einige Wochen Urlaub, bei einem vollen Gleitzeitkonto.

Da passte nun einiges zusammen, ich plante eine Fahrt in den Süden Deutschlands.

Diesmal vertraute ich meinem Auto, fuhr allein über die Transitstrecke nach Helmstedt, telefonierte von dort mit einigen Bekannten aus gemeinsamen Nürnberger Tagen.

Mein erstes Etappenziel war Bad Homburg vor der Höhe, Treffpunkt das Cafe von Karstadt.

Wieso auch immer, hier trafen sich des Freitagsnachmittags jene die meinten, sie seien die eigentliche Creme des Hessischen Rundfunks.

Diesmal war allerdings alles anderes, ich glaubte es fast nicht, eigentlich hatte ich all die ja gut gekannt.

Innerhalb von wenigen Jahren hatten 2 Paare untereinander einen Partnerwechsel vollzogen und die fanden das völlig normal.

Demzufolge musste ich anormal sein, ich konnte mir also aussuchen bei wem ich zu Gast sein sollte. Ich wählte die Gastgeber im Nordend, dessen Wohnung war wesentlich größer und machte den Eindruck einer besonderen Klasse.

Innerhalb von wenigen Jahren hatten sich hier welche vom Provisorium entfernt und ganz neu eingerichtet. Bewundernswert für mich, allerdings wich eine gewisse Spannung nicht, vielleicht erwartete man Fragen von mir und genau das tat ich nicht.

Ich verabredete mich zu Abend mit einer Bekannten in Sachsenhausen, die allerdings traf beim Abendessen einen wunden Punkt bei mir.

Frauen denken diesbezüglich ganz anders, für sie war ich nach Berlin geflüchtet- was das auch immer hieß?

Am anderen Tag löste ich den Verrechnungsscheck von Balka ein, das war damals so- sie hatte sich zuvor ihrer Schulden bei mir erinnert und jetzt sollte ich nach Ludwigsburg kommen.

Das wurde das Erlebnis, zu der Theateraufführung waren ihre Eltern eingeladen und dazu ich, allerdings sah ich sie kaum und konnte auch nicht mit ihr über so vieles sprechen.

Sie war eingebunden hinter der Bühne und wir saßen in der Loge.

Für mich wurde der Abend zu einer besonderen Art einer Musterung, entweder wurde ich von rechts oder links mit kurzen Blicken gemustert.

Mir war es in dieser Loge nicht ganz wohl, nach der Vorstellung wurden die geladenen Gäste noch empfangen und bewirtet, endlich klärte Balka ihre Eltern auf- wer ich sei. Für mich war das als wenn der Vorhang fiel, danach entspannte sich der Abend.

Meine nächste Station war unweit von Lörrach am Rhein, dort wohnte nun meine Cousine und die erwartete mich dringend, so dringend konnte es auch nicht sein- ich sollte zuvor telefonieren.

Ziemlich unkompliziert, ich sollte zuvor zum Kindergarten und ihre Tochter dort abholen.

Ich glaube außer naiv war ich auch noch begriffsstutzig, denn die fragte am Telefon nach meinem Autokennzeichen und meiner Personalausweisnummer.

An alles Mögliche dachte ich, nur dass man mich im Kindergarten auch danach fragte- kam mir wiederum logisch vor.

Allerdings hatten die es dort nicht so mit der Intelligenz, mein grüner Westberliner Personalausweis wurde herumgereicht und zu meiner Überraschung fragte man mich, ob ich aus West- oder Ostberlin stamme.

Na gut, die musste ich enttäuschen denn ich war ein Wessi so wie sie.

Das kleine Mädchen war mittlerweile fast 4 Jahre alt, da bemerkte ich wie die Zeit verging.

Es waren genau 5 Jahre vergangen als wir uns das letzte Mal sahen und ein paar Tage im Matsch von Fehmarn verbrachten, jetzt war ich hier zu Gast, heute nennt man solche Frauen allein erziehende Mütter, damals nannte man sie Mutter mit Kind.

Nur diese Mutter fuhr mittlerweile ein Auto was den dreifachen Preis dessen gekostet hatte was ich fuhr.

Zudem wirkte sie auf mich sehr elegant und zielstrebig, eigentlich war sie das immer.

Nur wie sie in diese neue Lage kam erfuhr ich erst einmal nicht, ich war wiederum einmal der kleine naive Bruder für sie.

Der wiederum jetzt für ein paar Tage hier wohnen würde, das war wiederum einfach diese Einliegerwohnung verfügte über ein Gästezimmer.

Ich fühlte mich wie der Gast im Gästezimmer und beabsichtigte nicht zu stören.

Nur blieb es nicht bei der Ruhe, das Talent entdeckte ihren Gesprächspartner, das war allerdings etwas später am Abend.

Fast so wie früher, es wurde geraucht und der Portwein geöffnet.

Das Gespräch beherrschte allerdings sie und in diesem Thema war nicht besonders relevant, es ging um das gemeinsame Familienerbe.

Wie auch immer, zur zweiten Flasche Portwein bekam ich einen Verrechnungsscheck- diesmal hatte man irgendetwas zu Geld gemacht wo man die Großneffen und Großnichten auch bedenken wollte.

Na dann auf die Familie, danach schläft sich besser.

Überraschung am anderen Morgen, allein in der Wohnung und der Frühstückstisch ist gedeckt.

Wieder der Zettel, hole mich ab gegen 13 Uhr usw.

Dann klingelte noch das Telefon, „Krüger bei Meyer“ und man legte wieder auf, dreimal ging das so, bis ich eine Stimme vernahm die sagte „hier Meyer früher Krüger“.

Das war sie, meine Tante- was erzählt man sich nicht alles.

Das Telefongespräch ohne Ende, ich musste doch weg über die Grenze in die Schweiz und hatte die Verabredung gegen 13 Uhr.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 10. Juni 2016 um 01:16 Uhr  

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