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Teil 135 "In einem fremden Land"

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Zunächst war ich erstaunt, während der ersten Gespräche bemerkte ich, meine Gesprächspartner in Polen waren besser informiert über das Leben in der Bundesrepublik als ich über das Leben der Bürger in Polen.

Für mich war das ein Ungleichgewicht, nicht dass man sich für uns im Westen interessierte – meine polnischen Gesprächspartner kannten den Westen.

Etliche hatten dort einige Semester studiert, andere waren dort als Praktikant tätig gewesen.

Man dachte dort über die Bundesrepublik hinaus, für einige war Polen ein Mosaik in Mitteleuropa und gar mancher Pole in meinem Alter sprach mehrere Sprachen.

Zunächst erfuhr ich viel, denn nicht nur in der Sprache beißt russisch die polnische Sprache, russisch war für die Sprache ohne Reiz.

Pflichtübung und danach setzen, die Ausstrahlung nach England und Frankreich war unübersehbar und fast jeder sehnte sich nach dem Studium für ein paar Jahre in den USA zu wohnen.

Am ersten Abend, dachte ich mir- hier ist einiges ganz anders- optisch nicht, denn die Wohnung meiner zukünftigen Frau beinhaltete die Art der Ikea Möbeln die wir auch kannten.

Für mich war man hier nicht wie gewohnt USA kritisch, hier war man so wie zu Zeiten Kennedys im Westen der Republik.

Weshalb auch immer, das war eine lange Geschichte, was wiederum mit dem Nationalbewusstsein der Polen zu tun hatte.

Man hatte zwar eine gemeinsame Geschichte, nur interpretierte man hier einiges anders.

Ein Beispiel dazu war Bismarck, den verehrte man im Westen für die Einführung der Sozialgesetze, in Polen hasste man ihn wegen seiner Germanisierungspolitik.

Zudem herrschte hier ein anderes Bild von Freiheit, man verband Freiheit mit der Kultur und der Nation.

Der Indikator von Freiheit war somit die Kirche, was durchaus die eigentliche Stütze dieses Staates war.

Da machte man auch den Unterschied zwischen der Nation und dem Staat, man überwiegend Pro der Nation aber kritisch gegenüber dem Staat, besser gesagt dem jetzigem.

Das war der zweite Punkt, der mir eigentlich neu war, zunächst die USA Freundlichkeit und die Bekenntnis zur Nation.

Hätten mir das vergleichbar gleichaltrige in westdeutschen Kleinstädten erzählt, ich glaube ich hätte sofort Reißaus gemacht.

In Polen allerdings wurde das genau für mich interessant, historisch war Polen eine Nation über Jahrhunderte ohne Staatsgebiet, der Begriff Freiheit entwickelte sich hier auch anders.

In der Bundesrepublik besetzten die Konservativen diesen Begriff von Freiheit mit der Auswahl und boten dem Volk den Konsum an.

Noch war es in Polen andersherum, unter Freiheit verstand man hier die kulturelle Entfaltung.

Entstand dazu der Antipol in der Regierung entwickelte sich die Kirche im Land als 2. Standbein.

Je mehr ich darüber erfuhr, machte ich mir ein Bild davon, diese Kirche hörte auf Rom und war in gewisser Hinsicht staatstragend.

Auch ein Unterschied zu den Gesprächen auf den Kirchentagen in jenen Jahren im Westen Deutschlands, in Polen herrschte der Einklang zwischen dem Staat und der Kirche.

Trotzdem stand hier einiges auf dem Kopf, man glaubte einigen einiges nicht, man war informierter.

Es gab ein paar Zeitungen in diesem Land, wo die Macher eine besondere Art der Sprache entwickelt hatten, das nannte man zwischen den Zeilen lesen.

Das beherrschten viele, wenn zudem neugierig wird weicht man aus auf andere Informationsquellen.

Man stellte mir Fragen, die eigentlich wesentlich tiefer waren und ich musste Begriffe erst neu ordnen.

Es waren spannende aber auch für mich anstrengende Tage, für mich war die junge Generation in Polen weiter- die blickte auf Europa und beschäftigte sich kaum noch mit dem Gestern.

Denen wollte ich nicht erzählen, dass ein paar Jahre zuvor Rainer Barzel mittels Überläufern aus dem rechten Spektrum die Rolle rückwärts im Deutschen Bundestag geplant hatte.

Nachher erfuhr ich, diese Debatte hatte man sehr wohl in Polen verfolgt. Nur was wussten wir eigentlich über unseren Nachbarn im Osten?

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 02. Juli 2016 um 02:06 Uhr  

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