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Start Neuigkeiten Teil 152 " Und dann war es um mich passiert- ich trug die schwarze Robe"

Teil 152 " Und dann war es um mich passiert- ich trug die schwarze Robe"

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Jene Jahre zwischen 1980 und 1985 waren meine eigentlichen Lehrjahre, nicht beruflich sondern als Mensch in bestimmten Situationen.

Ich war mitten im Leben und verfügte über die eigentlichen Säulen, hatte eine eigene Familie gegründet, baute immer noch irgendetwas in der Wohnung, war eigentlich gefragt im Beruf und brachte mich in der Gesellschaft ein.

Zudem kam ein neuer Bekanntenkreis, bestehend aus Familien mit kleineren Kindern.

Beruflich war das so eine Sache, fast 10 Jahre kannte ich nun den Betrieb und hatte sage und schreibe innerhalb dieser Zeit den 4. Unmittelbaren Vorgesetzten.

Die kamen und gingen, ein Grund war- die TU Berlin produzierte jene Absolventen, die eigentlich ganz etwas anders machen wollten aber im alten West- Berlin noch behaftet waren und ihre Zwischenzeit nutzen wollten.

Zudem kamen auch junge Kollegen, die das mach dem Studium machten was einige andere Jahrzehnte während des Studiums machten.

Die Generation davor ließ sich vom Studium beurlauben, Südfrankreich stand bei denen u.a. im Kurs um damit zu sich selbst zu finden.

Das war nun anders, jetzt gönnte man sich nach der Diplomarbeit einige Wochen auf der Transamerika.

Etwas was für die Honnef er Modell Generation noch nicht einmal im Traum erfüllbar gewesen war.

Zudem passierte noch etwas seltsames, aufgrund dieser häufigen Wechsel der Vorgesetzten nahm ich eine Stelle ein, die eigentlich eine Gehaltsgruppe höher datiert war.

Aus der allgemein üblichen Bezeichnung „ vorübergehend“ wurden allerdings mehr als 3 Jahre bis sich endlich etwas für mich tat.

Mit Lust und Laune war ich allerdings bei der Arbeit und mitunter quer durch die Republik unterwegs, Stuttgart war nicht der Erfolg- es bahnte sich aber etwas in Wuppertal in der techn. Akademie an, das Thema war „die menschenlose Produktion mittels codierter Programme“.

Ich hatte davon das Glück mich unweit von Hildesheim in einen solchen automatisierten Betrieb zu kommen.

Natürlich lief die Produktionsschiene fast automatisch, aber sämtliche Module wurden getrennt davon weiterhin von Mitarbeitern bestückt mit den erforderlichen Werkzeugen und die entsprechenden Programme von Hand eingespeist.

Man erblickte die eigentlichen Worker erst auf dem zweiten Blick, dessen Berufsbild war innerhalb von wenigen Jahren ein ganz anderes geworden.

Ein weiteres Verfahren waren die unmittelbaren Prüfstationen, auch das schleuste man aus- womit man sich dort intensiv beschäftigte nannte sich die Reparaturgruppe- die allerdings hatte man der Qualitätsabteilung zugeordnet.

Das versuchte ich nun zunächst vergeblich einigen in Berlin zu erklären, mit dem Ergebnis bei einigen Abendveranstaltungen nahm ich wieder einen Platz auf dem Podium ein.

Mich zog es allerdings nie dorthin, mich sprach mehr der Arbeitskreis innerhalb der Kirche zum Heiligen Kreuz an.

Dort gründete man den Kirchbauhof um in Eigenregie eine Kirche zu restaurieren, schon während der ersten Gespräche erfuhr ich, dass man es auch hier mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten der Stadt zu tun hatte, denen man eine Chance in den Beruf geben wollte.

Daraus entwickelte sich ein Plan, unter dem Dach der Kirchengemeinde wollten wir uns gemeinsam dieser Kinder annehmen.

Mit Erfolg man gründete eine „Lerngruppe englisch“, einen Werkkreis und danach kam die Mathematik.

Letzterem standen etliche ablehnend gegenüber, um in diese trockene Art der Grundwissenschaft Bewegung zu bringen kamen wir auf einen anderen Nenner.

Wir setzten die Mathematik in die Historie, mehr als 2 Tausend Jahre Mathematik.

Vom Zählen der Herde mittels Kerben, über die Zahlensysteme zur Geometrie.

Irgendwann waren wir bei den Techniken des Altertums, für viele wurde das eine spannende Sache.

Damit gelang es uns Kinder zu begeistern- das stärkte auch mich- im Museum für Verkehr und Technik machten wir unsere Experimente.

Ansonsten mit der Gewerkschaft war das so eine Sache geworden, allerdings gewann ich im Betriebsrat zunehmend Freunde, man unterhielt sich dort wiederum mit mir gerne.

Was ich vom Ortsverein, den man in Berlin Abteilung nennt, nicht gerade sagen kann- dort hatte man gerade aus dem schönen und kleinen einen größeren gemacht und damit erweitert sich zunächst der Bekanntenkreis.

Mehr auch nicht, denn meistens bleiben Aktive in der Minderheit- es ging um einen Wahlkampf auf Landesebene und da gehörte ich wieder einmal zu denen, die den Wahlkampfzeitungsumbruch machen sollten.

Was weiterhin kein Problem ist, nur dieser Tag wurde schicksalhaft für mich.

Beim 2. Umbruch klopfte mir einer aus längst vergangenen Tagen auf die Schulter, ein Wiedersehen ganz anderer Art.

Ich weiß nicht mehr genau was er mir erzählte, jedenfalls er hatte ein Problem und war froh mich getroffen zu haben, irgendwann sagte ich „ja“.

Ein „Ja“ mit Folgen, denn aus der Senatskanzlei bekam ich einen Anruf, es ging im weiteren Verfahren um meine Sicherheitsprüfung.

Was man nicht alles über sich ergehen lassen muss, das war der erste Teil und ich ahnte etwas, es meldete sich das Präsidium des OVGs.

Man hatte mich durch den Richterwahlausschuss der Verwaltungsgerichtsbarkeit zugeordnet.

So ein Amt muss man allerdings als Staatsbürger annehmen, man traf sich- der Einleitungsvortrag und man loste mich einer Kammer zu.

Ich war nun das Mitglied einer Kammer am VG, nicht irgendeiner sondern der sog. Ausländerkammer- primär ging es um Behörden die Flüchtlinge abschieben wollten.

Ich dachte zunächst nur eins, der CDU Rechtsaußen macht gerade in Berlin den Innensenator da muss ich doch in dieser Kammer was erreichen.

Zunächst war es gar nicht so einfach meine Kollegen davon zu überzeugen und dann kam das Problem mit der weißen Krawatte- das Ding benötigte ich.

All das ließ nicht lange auf sich warten, der Brief des VGs und die Einladung zur Verhandlung, Kleiderkammer und die Robe holen.

Meine Güte, vor der Tür hing der Zettel mit den angekündigten Verhandlungen, ich war bei dreien dabei, das studierte auch gerade ein weiterer Zeitgenosse mit seiner Robe über den Arm.

Ja und dann kamen andere, der Wachtmeister in Uniform und die drei Berufsrichter. Ab ins Richterzimmer, es ging zunächst um den Verlauf und dann um die Aktenlage.

War an dem Tag nicht die Hauptsache, zunächst wollte man mich vor der Öffentlichkeit in der Robe im Gerichtssaal auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung des Landes Berlin vereidigen.

Die standen auch alle auf als ich den Eid schwor, na ja das Leben nahm für mich seinen weiteren Lauf.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 27. August 2016 um 01:17 Uhr  

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