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Start Neuigkeiten Teil 156 "Gesamtdeutsch denken- was war denn das?"

Teil 156 "Gesamtdeutsch denken- was war denn das?"

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Was eigentlich der Auslöser war, ich weiß es immer noch nicht, jedenfalls riet man mir seitens der Kammer gesamtdeutsch zu denken.

Das hatte wiederum damit zu tun, dass es in Berlin damals keine Verfassungsgerichte gab, insofern galt im anderen Teil der Stadt der Rechtssystem der DDR.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, die DDR war nicht der Unrechtsstaat den manche heute darin sehen, in der alten DDR herrschte das System des Staatsunrechts und das ist ganz etwas anderes.

Irgendwie unterhielt sich mich zu dieser Zeit mal mit einigen darüber und schnell entwickelte sich ein Kontakt zu einem der davon betroffen war.

Der wiederum sah sich nur vom Unrecht verfolgt und schilderte mir im Detail seinen Fall.

Er wirkte auf mich, wie hilflos im Wilden Westen, eigentlich war er dort wo er hin wollte und kam immer noch nicht an.

Er war ein Besatzungsmitglied auf dem Seeschulschiff „Wilhelm Pieck“ der Volksmarine gewesen und ging in Antwerpen von Bord und kam nicht wieder dort an.

Er nahm den Weg zur flämischen Polizei und nun setzte das alles ein, was er als Unrecht bezeichnete.

Ich versuchte ihm den Sachverhalt zu erklären, in Belgien herrscht ein Rechtssystem und es war folgerichtig, dass die Behörden dort den Kapitän des Schiffes über den Verbleib eines Besatzungsmitgliedes informierten.

Nach internationalem Recht, stand dem Kapitän des Schiffes eine Unterhaltung mit dem Besatzungsmitglied zu, dem war so – das Gespräch fand statt.

Er wunderte sich, dass dieses ohne die belgische Polizei in deren Räume stattfand.

Das ist der Unterschied im Rechtssystem, er blieb allerdings bei seiner Entscheidung im Wilden Westen zu bleiben.

Danach war das bundesdeutsche Konsulat für ihn zuständig, das nahm alles seinen Lauf- bis er fast 6 Monate danach in Tempelhof landete.

Hier ging allerdings das ganze Verfahren von vorne los, er musste durch den Check der Amerikaner, Briten und Franzosen- denen fiel allerdings das nicht auf, was er mir erzählte.

Mir erzählte er, nach einigen Monaten in Berlin habe er eine junge Frau kennen gelernt und möchte sie heiraten.

Es gab nur einen Haken, er war bereits in der DDR verheiratet.

Nach bundesdeutschem Recht, galt diese Ehe als geschlossen und ein Wohnsitz eines Partners im Ausland war kein Scheidungsgrund, sah man das wiederum im gesamtdeutschen Rechtssystem war die DDR kein Ausland und das teilte ich ihm mit.

Ob er das einsah oder nicht, die Rechtslage war so und zudem gab es die Nachfluchtgründe, seine Frau hätte ja einen Ausreiseantrag stellen können.

Tat sie allerdings nicht, es gingen ein paar Monate ins Land bis er mich wieder aufsuchte, wieder das Thema „Ehescheidung“, da unterschieden sich die Rechtssysteme- innerhalb der DDR war eine Ehescheidung wesentlich einfacher als in der Bundesrepublik.

Funktionierte allerdings nicht, denn er konnte es nicht – das musste schon seine Frau betreiben und mit der hatte er seinen Kontakt abgebrochen.

Helfen konnte ich ihm dabei auch nicht, der verfluchte nun mich und den Wilden Westen.

Irgendwie muss das doch geklappt haben, irgendwer hatte seiner Frau dazu geraten – er benötigte nur noch einen Scheidungsanwalt im Ort.

Den sollte er selbst auftreiben, ich gab ihm nur den Rat notfalls das Gericht um Hilfe bitten, die Rechnung bekäme er sowieso in DM (West).

Funktionierte auch, nach der Trauung nahm er den Familiennamen seiner Frau an und wollte ein Stück seiner eigenen Geschichte ausradieren.

Nur holte ihn die immer wieder ein, seine ehemaligen Schwiegereltern kamen nun ins Rentenalter und besuchten ihn.

Für mich war das eigentlich normal, für ihn nicht- irgendwann verlor ich ihn aus meinen Augen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 06. September 2016 um 10:39 Uhr  

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