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Gabriels Sommerkalauer -SPD wählt "arbeitende Mitte"

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Neu war das nicht, was Gabriel im Sommerinterview des ZDF äußerte.

Schon im Januar hat die SPD auf einem Delegierten-Treffen diesen Slogan ausgegeben und kräftig weiter verbreitet.

Die SPD will sich vor allem um die „arbeitende Mitte der Gesellschaft“ kümmern, um die gehetzte Generation der 30-50-jährigen.

Nichts anderes hat Gabriel heute auf die Frage geantwortet, warum er nicht mehr zum SPD-Programm stehe, dass noch vor Regierungsantritt deutliche Steuererhöhungen für Besserverdienende gefordert hatte.

Warum, wurde im Interview gefragt, hat sich der Vorsitzende so weit von den Forderungen seiner Partei entfernt?

Die „arbeitende Mitte“ musste als Rechtfertigung Gabriels herhalten, was immer diese Mitte sein soll.

Der SPD-Vorsitzende, der rhetorisch geschickt, den Begriff der Mitte in Frage stellte um ihn dann durch einen nicht weniger diffusen Begriff, nämlich die arbeitende Mitte zu ersetzen, kam leider nicht in die Not zu erklären, was er genau damit meint.

Das hätte er auch nicht gekonnt, weil es sich soziologisch gesehen gar nicht um eine bestimmte Bevölkerungsgruppe handelt.

Bei diesem Begriffs-Artefakt werden beispielsweise zwei Jahrgänge, 1965 (geburtenstark und durch die Industriegesellschaft geprägt) und Jahrgang 1985 (nur noch halb so stark nach dem Pillenknick und durch die Dienstleistungsgesellschaft geprägt) zu einer Gruppe von Erwerbstätigen zusammengefasst.

Die erste Gruppe noch ganz klar an der sozialen Marktwirtschaft orientiert, die zweite Gruppe überwiegend neoliberal geprägt.

Was haben die gemeinsam, außer dass sie arbeiten?

Ach ja, deshalb wohl arbeitende Mitte.

Nur was hilft das den Sozialdemokraten? Beim Jahrgang 1965 mögen die noch punkten, beim Jahrgang 1985 sind sie weit abgeschlagen.

Egal.

Aber welche Menschen aus diesen zwei Generationen gehören nun zur Mitte?

Wenn man die bekannten Sinus-Milieus als Ratgeber fragt, dann sind das weder die Prekären noch die Hedonisten am unteren Rand, noch das traditionelle Milieu, das eher im Konservativen verhaftet ist und zum großen Teil einfache Arbeiten macht, die nicht immer zum Lebensunterhalt ausreichen.

Eigentlich das klassische Arbeitermilieu mit deutlichen Einschlägen ins Kleinbürgertum.

Noch etwa 14% der Gesellschaft. Die jedenfalls sind inzwischen genau wie die Prekären (9%) und Hedonisten (15%), die in anderen Studien auch als Konsum-Materialisten bezeichnet werden, weil sie ihr Einkommen sofort in den Konsum geben, von der Mitte abgehängt worden.

Also kein SPD-Klientel mehr, insbesondere seit der Agenda 2010 Schröders von den Sozialdemokraten klar in die Wüste geschickt.

Zusammen etwa 38% der Gesellschaft, die vermutlich begriffen haben, dass die Sozialdemokratie nicht mehr für sie da ist.

Was bleibt jetzt also von der Mitte der Gesellschaft für Gabriels SPD?

Da wäre die so genannte bürgerliche Mitte, die man sich mit der Union teilen muss mit ca.14% der Gesellschaft, das adaptiv-pragmatische Milieu mit 9% in dem die Union sogar deutlich die Nase vorn haben dürfte und das sozialökologische Milieu mit 7%, dass sich die SPD mit den Grünen teilen darf. Punkt.

Nun kommt zu allem Überfluss auch noch Aufspaltung dieser gesellschaftlichen Gruppen in Arbeitende und nicht Arbeitende hinzu!

Dies reduziert das Klientel, das sich augenblicklich nicht von der SPD vor den Kopf gestoßen fühlt oder längst von dieser Partei distanziert hat, noch einmal deutlich.

Denn nur knapp die Hälfte der Gesellschaft arbeitet.

Das dürfte auch für die verbliebenen drei Milieus der so genannten Mitte gelten, womit sich die arbeitende Mitte auf 50% von insgesamt 30% dieser so genannten Mitte reduziert.

Unterm Strich also fünfzehn Prozent der Gesellschaft um welche die SPD nun mit der Union kämpft, die so genannten „Leistungsträger“ (FDP-Begriff) der Mitte also.

Ziemlich genau diese Gruppe dürfte der SPD-Vorstand auch mit der „gehetzten Generation“ gemeint haben, die in Wirklichkeit aus mehreren Generationen besteht.

Die Jüngeren haben nach einschlägigen Studien auch der Friedrich-Ebert-Stiftung kaum noch Affinität zur SPD. Bleibt also der Jahrgang 1965.

Um diesen Jahrgang kämpft Sigmar Gabriel mit seinem neuen Slogan von der arbeitenden Mitte. Hier dürfte er Chancen haben, zu landen, bei etwa 5% der Gesellschaft.

Zusammengefasst handelt es sich bei dieser Ausgrenzungstaktik um eine gute Methode, die SPD dem Ziel einer Zehn-Prozent-Partei effektiv näher zu bringen.

Dank an den Vorsitzenden und seine offensichtlich verwirrten Beisitzerinnen, die diesen Stuss eifrig in die Medien tragen! Gemeint ist Generalsekretärin Fahimi und Manuela Schwesig.

Meine persönlichen Erfahrungen mit den Genossen (in etwa ab Bundestagsmandat) decken sich mit dieser Strategie, immer möglichst schlecht beraten zu sein, ausgezeichnet.

Wenn man SPD-lern auf diesem Niveau anträgt, sich doch auch einmal gesellschaftlich auszudehnen und die eigene Identität beispielsweise mehr in der Zivilgesellschaft in NGOs und Initiativen zu verankern, erfährt man vor allem diese blasierte und arrogante Ablehnung, die bei aufgestiegenen Listenkandidaten ohne direkten Kontakt zur Bevölkerung im Bundestag üblich ist.

Die Sozialdemokraten leiden nicht allein, aber ganz besonders unter dieser Mentalität, die starke Parallelen bei aufgestiegenen Verwaltungspersönlichkeiten findet.

Auch dort hat die SPD noch ein paar Lobbyisten, die allerdings immer weniger werden.

Man kann also ohne weiteres feststellen, dass die Führungsschicht der Partei und ihr Vorsitzender derzeit alles tut, um die SPD mit Blick auf 2017 voll gegen die Wand zu fahren.

Das ist im Falle Gabriels bedauerlich, weil der eigentlich vor der großen Koalition einen guten Anfang gemacht hatte.

Für die SPD, die nun doch weiter an der übertriebenen Abgrenzung gegen alles was nicht sozialdemokratischen Stallgeruch trägt, eingeht, spielt das jetzt aber keine Rolle mehr.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 23. Juli 2015 um 03:01 Uhr  

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