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Start Neuigkeiten Teil 162 " Als Takis Traum zerplatzte"

Teil 162 " Als Takis Traum zerplatzte"

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In der Zeit als seine Träume zerplatzten, was eigentlich für diese Generation der gebildeten Gastarbeiter durchaus zur Realität wurde.

Der besagte große Grieche, namens Takis hatte eigentlich alles richtig gemacht.

Irgendwann aber holte ihn seine eigene Vergangenheit ein und zudem in dieser für ihn neuen Situation, den Senior in einer Arbeitsgruppe von Emporkömmlingen zu sein traf ihn persönlich mehr als er zugab.

In dieser Phase zwischen den Jahren 1975 und 1983 stellte man ganze Studiengänge um, man war im Studium aktueller am Problem und das eigentliche Problem „ Produkte so zu entwickeln, dass man sie zunächst auf dem Markt wiederfand, dabei auf die Entstehungskosten zu achten und innerhalb der Fertigung die neuen Techniken auszunutzen“.

Eigentlich war es logisch Mitarbeiter für solche Aufgaben innerhalb einer Gruppe ließen sich über die Uni bestens einschleusen, welche durchaus einen Vorteil hatten weder betriebsblind zu sein noch sich ins Detail zu verlieren.

Mit diesen musste er sich nun messen, seine Erfahrung hatte er in einem Betrieb gesammelt, den es in dieser Form in einigen Jahren nicht mehr geben sollte.

Natürlich entstanden dort Spannungen, dabei moderierte der Gruppenleiter nicht- sondern gesellte sich immer zur jeweiligen Mehrheit.

Diese wiederum setzte sich aus jenen jungen Dynamikern zusammen und die hatten andere Ziele.

Ein Ziel von denen war unverkennbar, die Jetztzeit heraus zu fordern- sie verdienten über den Durchschnitt und verließen die gesetzlichen Sozialversicherungen.

Takis, der fast 20 Jahre älter war machte das wiederum mit, später erzählte er mir warum.

Im Jahr 1988 schied ich bereits aus der Firma aus, mein Referat hatte in der Planung keine Zukunft mehr, da hat man andere Probleme und muss seine eigene Zukunft in beide Hände nehmen.

Trotzdem sah ich es als richtig an, mich von all diesen Kollegen mit denen ich fast 15 Jahre gearbeitet hatte persönlich zu verabschieden.

Dabei bemerkte ich wiederum, wie menschlich eigentlich Griechen sind, er erzählte mir etwas von sich.

Er war zwar nicht enttäuscht aber er stellte fest, innerhalb von noch nicht einmal 3 Jahren waren 3 von 6 dieser Emporkömmlinge durch gestartet, sie saßen nun an den gewissen Schaltstellen.

Etwas was ihm nie gelang, er wiederum war jetzt fast 54 Jahre alt und hatte wiederum andere Probleme.

Eines davon war das Problem aller Gastarbeiter der ersten Stunde, er hatte hier eine eigene Familie gegründet und die hatte sich im Laufe der Jahre von seiner Familie in und um Athen entfernt.

Das war er einmal dort in Angriff genommen hatte, rechnete sich in dieser Art nicht mehr.

Das Apartment musste saniert werden, ihm fehlte dazu allerdings die Zeit vor Ort und das verfügbare Geld, dabei erlebte ich zum ersten Mal dass er nicht gerade positiv über den Rest seiner Verwandtschaft in Griechenland sprach.

Innerhalb des Betriebes sah er seine Stellung über die nächsten 2 Jahre als gesichert an, dabei war er ruhiger geworden.

Einen Teil seiner Ruhe begründete er mit der eigentlichen Absicherung, er wollte bis 65 Jahre arbeiten, hätte dann eine relativ hohe Betriebsrente bekommen und in den letzten Jahren wollte er min. monatlich 1000 DM als Altersrücklage schaffen.

Es vergingen 6 Jahre als wir uns wiedersahen, in diesen Jahren passierte einiges, zunächst öffnete sich der Osten, dann wuchsen in Berlin beide Stadtteile zusammen und das alte West- Berlin begann sich zu entkernen.

Mit der Entkernung begann eine Phase der Möglichkeiten auch in dem Betrieb in dem ich beschäftigt war, investierte man in Größenordnungen die mir bis dahin ungeheuer waren.

Man kleckerte nicht mehr, sondern man klotze, man plante im Umland und das eröffnete den Markt der Zulieferer.

Dabei war auch ich mittendrin, zum alten Betrieb entwickelte sich ein ganz neues Verhältnis.

Ich hatte nach 6 Jahren mit Ansprechpartnern zu tun, die ich gar nicht kannte, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen lädt man die einmal ein.

Bei einem solchen Treffer stellte ich die Frage nach dem griechischen Kollegen von einst. „er sei nicht mehr im Betrieb“ mehr erfuhr ich nicht.

Man greift in solchen Situationen zum Telefon, er war gerade etwas älter als 60 Jahre und man hatte ihn in der Firma verabschiedet.

Eigentlich war er froh darüber, nur die Art und Weise gefiel ihm nicht und zudem waren einige von seinen Plänen geplatzt.

Er war nur knapp 24 Jahre in der Firma, der Traum von der hohen Betriebsrente damit gedeckelt und zudem setzte man in seinem Auflösungsvertrag mehr auf die Phase einer bezahlten Freistellung als auf die Abfindungssumme.

So wie er mir erzählte war er von seinen anerkannten 24 Arbeitsjahren in Deutschland nur 15 Jahre in der BfA und hatte zu Anfang nicht allzu viel verdient, im Ergebnis war seine BfA Rente knapp.

Eine zusätzliche Rente aus Griechenland war nicht in Aussicht, denn mit seinem Aussteigen aus dem Militärdienst in einem gewissen Rang nach einer entsprechenden Zeit, bekam er eine einmalige Vergütung bereits vor Jahrzehnten.

Mit der wiederum startete er damals durch und machte eigentlich gar nichts verkehrt.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 24. September 2016 um 15:49 Uhr  

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