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Start Neuigkeiten Teil 166 "Frei nach Christopher Clark - diese Stadt gibt es so nicht mehr.

Teil 166 "Frei nach Christopher Clark - diese Stadt gibt es so nicht mehr.

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Es kann durchaus der Ansporn für den Autor sein, wenn man den Artikel den man verfasst hat einmal mit Bekannten und Freunden durch spricht.

Ein solches Gespräch heitert nicht nur manchmal auf sondern entknotet auch mitunter eine Lage.

Dabei kann es sein, dass auch einmal ein Autor von seinen eigentlichen Manuskripten abweicht, man lässt sich gerne überzeugen.

Mich überzeugte man, bevor ich über das Jahr 1986 und all die Härten berichten wollte, etwas mehr über das Leben in einer Stadt zu schreiben, die es in dieser Art und Weise gar nicht mehr gibt.

Das waren eigentlich genau die Worte, die Prof. Christopher Clark in der Berliner Urania benutzte.

Da wurde mir auch verständlich, wie sich diese Stadt gewandelt hat in der ich nun bereits über 4 Jahrzehnte wohne.

Es sind mehr als 25 Jahren vergangen als auch ich an diesem historischen Abend AK 2 eingeschaltet hatte und das von Günter Schabowaki vernahm, was auch ich zunächst gar nicht verstand.

Danach wendete man nicht nur den Ostteil der Stadt auch der Westteil wurde ganz anders.

Es wäre also eine Tugend aller, die damals hier in den Westsektoren der Stadt ihr Zuhause fanden all den Jüngeren etwas mehr darüber zu schreiben, wie das Leben in dieser Stadt war.

Es wäre schön, wenn sich dabei andere auch etwas trauten, mir ist es bereits einerlei- denn bei einigen Äußerungen von mir, werfen mir bereits einige unmögliches vor.

Das sind aber wiederum jene, die zu der Zeit noch mit ihrer Trommel um den Weihnachtsbaum liefen.

Denen kann man nicht helfen, sie hätten ja an der Mauer klopfen können, doch niemand hätte ihnen aufgemacht. Wie war das Leben in Westberlin?

Eigentlich normal, wenn man nicht gerade eine Freundin hatte die Reitstunden des Preises wegen in Steinstücken nahm.

Wer kennt eigentlich noch die Enklave Steinstücken, wer weiß noch wie es dort aussah bevor die Verbindungsstraße in den Bezirk Zehlendorf gelegt wurde?

Man lebte aber dort und das wiederum mittendrin, man besuchte den Ostteil der Stadt, die Hauptstadt der DDR und man gewann Eindrücke.

Man sah bedrückendes und sah etwas ganz anders, man sah einen Unterschied, den man verarbeiten musste.

Der Alltag im Westen war ganz anders, er war normaler, man gönnte sich die Freiheit die einen gerade bot und das war der Unterschied zu der Nischengesellschaft jenseits der Mauer.

Gehen wir einmal auf diesen Ablauf ein, denn fast 15 Jahr lebte ich in dieser Stadt bis die Mauer fiel.

15 Jahre lebte ich also mit der Mauer und mir fiel nicht ein dabei zu sagen, ich lebe vor oder hinter der Mauer.

Man richtete sich ein und lebte in einer Großstadt, die doch eigentlich ganz anders war, wo aber die gleichen Regeln galten.

Nehmen wir ein typisches Wochenende des Jahres 1975, damals prasselte so viel auf mich ein, doch dabei blieb man der Mensch mit dem man reden konnte.

Zunächst waren es in dieser Stadt die Entfernungen die man täglich bewältigen musste, wohnen und arbeiten auf engsten Raum waren für uns alle der Traum.

In Berlin/West gab es damals bereits ein dichteres Telefonnetz, das nutzte man aber auch.

Man kämpfte innerlich gegen die Ladenschlussgesetze, man hasste überfüllte U- Bahnen und nahm sie trotzdem.

Man suchte die Abwechslung und das waren u.a. die vielen Ku- Damm- Kinos, dazu verabredete man sich.

Bei aller Großstadtliebe, es gab immer Tage an denen man seinen täglichen Kram erledigen musste, am Abend hatte man dazu Zeit und dazu gab es eine Vielzahl von Rundfunksender.

Der Samstag war eigentlich typisch, man fand schnell seinen Wochenmarkt, man mischte sich unter das Volk.

Der Sonntag im Jahre 1975 verlief ganz anders, es erschienen die Berliner Sonntagszeitungen und das war damals noch davon eine Vielzahl.

Hatte man an einem Sonntag Glück dann hatte ein Bekannter den Platz in der Tennishalle der TU hinter dem Bahnhof Zoo belegen können, meistens in der unchristlichen Zeit zwischen 7 Uhr in der Früh bis 9 Uhr.

Man sagte zu und hoffte auf ein Doppel, man stand um 9 unter der Dusche und pfiff dabei auf die Geschlechtertrennung.

Man verabredete sich, zum Frühstück am Oliver Platz, dort saß stets die Generation Loreta.

Gegen 11 Uhr war jeden Sonntag der Jazz bei Heinz Holl auf der Nolle, den oberen Teil des U- Bahnhofes Nollendorfplatz hatte man zum Flohmarkt verwandelt.

Dort wo heute wieder die U2 verkehrt, war des Sonntags gegen 12 Uhr der Jazz angesagt.

Man zog mitunter weiter, ab 14 Uhr war gleiches am oberen Ku- Damm gegenüber vom S- Bahnhof Heiligensee.

Wenn man dort war, es war das Gruppenerlebnis und diese Gruppe war beheimatet im Mommsenstadion.

Man wollte hier Fußball- Geschichte schreiben, in lila weiß mit und um Jack Withe.

Es war so, klingelte dann spät am Abend das Telefon und man hörte die nette weibliche Stimme fragen „wo warst du?“- Tennisspielen war die Antwort.

Man wusste, was man gut machen musste, es waren diese herrlichen Spaziergänge die von einem Extrem ins andere fielen.

Hinter dem Märkischen Viertel in den Dorfkern von Lübars, durch die Wiesen des Fließtals zum Ziegeleisee, solche Spaziergänge endeten im Wassermann- die Kneipe gegenüber der Beuth- Schule.

Da gab es aber auch die Ausflüge, man nahm die Fähre über die Havel und hatte sich so viel zu sagen, man war jung und wollte mittendrin sein.

Man war vor dem Reichstag, ganz vorne bei Horst Jankowski und dem RIAS Orchester, man kannte die Philharmonie nicht nur von den Jazz Tagen, man wollte sie sehen und erleben.

Man saß im Olympiastadion und rief aus „daffke TEBE“ und wahrhaftig schlugen die die Hertha.

Man schätzte die Kleinigkeiten, man kannte die Pizzeria in Rixdorf am Richardplatz wo das Mailänder Schnitzel noch bezahlbar war und man schätzte die Tochter des Pfarrers, die dann doch wieder in Steinstücken Reitstunden nahm.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 09. Oktober 2016 um 17:33 Uhr  

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