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Globaler Darwinismus

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Was für eine schreckliche Woche: dass Menschen, die aus existentiellster Not nur noch sich selbst und ihre Familien retten können, und im übertragenen Sinne im Rettungsboot Europa ankommen, dann mit 'Bomben und Raketen', teils mit gutturalen Gröhllauten etc. hier, in der Bundesrepublik, 'empfangen' werden, unfassbar.

 

Dieses zu kritisieren, ist allerdings wohlfeil, und angesichts des Elends fällt es schwer, einen positivistischen Standpunkt anzubieten.

Der, von wem auch immer, zugleich in die ein oder andere Richtung instrumentalisiert werden könnte.

Ich versuche es trotzdem :

Vor einigen Jahren publizierte der STERN einen Artikel über das 'neue' Syrien unter dem vermeintlich 'liberalen' Assad, dem Sohn des Giftgasmörders Hafiz Assad, genüsslich die Ehefrau des gelernten Augenarztes popularisierend.

Ähnliche Publikationen relativierten gerne jahrelang Libyens' Operettendiktator Ghaddafi, priesen Ägypten als 'preiswerte' Reisealternative zu anderen Mittelmeerländern etc., wuselten thematisch von Tunesien über Marokko etc.

Wer damals den STERN las neben der Option, im Kabelfernsehen auf RTL 2 oder so online zu sein, weiss ich nicht. Es waren wohl nicht wenige.

Griechenland wurde trotz aller Finanzdefizite zu Recht als 'Geburtsort' der Demokratie glorifiziert, immer noch so gut wie Bulgarien und Rumänien superschnell in die EU integriert, ohne die möglichen Folgen auch nur zu eruieren.

Alles Laber Rhabarber, allerdings lief ein argumentativer Mainstream im Rahmen der Hartz- Reformen hier, der New- Labour- Arithmetik unter Tony Blair in GB etc., zeitgleich unter dem neoliberalen Motto des gnadenlosen Wettbewerbs untereinander, was letztendlich auf den Kampf aller gegen alle am unteren Ende der sozialen Fahnenstange hinauslief, sprich soziale Wüsten wie teils im Osten der Republik hinterliess.

Konkret: Im Bezug auf Werkverträge, Billiglöhner im Postbereich, in Schlachthäusern, im Pflegedienst, Einzelhandel (Edeka) etc. regt sich immer noch realstrukturell so gut wie nichts.

Und das scheint gewollt zu sein.

Eine vorgestern veröffentlichte Studie des DGB bestätigt aktuell, dass die Zahl der Werkverträge in den letzten Jahren stark zugenommen hat.

Pierre Bourdieu, schrieb 1998 (!): 'Und so schwingt sich die unumschränkte Herrschaft der Flexibilität empor, eine der befristeten Arbeitsverhältnisse, der Leiharbeit, der Sozialpläne, trägt den Wettbewerb in die Unternehmen selbst (…) Arbeitsgruppen, zuletzt eines Jeden gegen den anderen, den die Individualisierung der Beschäftigungsverhältnisse mit sich bringt: individuelle Zielvorgaben, individuelle Bewertungsvorgaben (…) Die Einrichtung einer darwinschen Welt, in der die Bindung an Arbeit und Unternehmen ihren Antrieb schließlich der Unsicherheit, dem Leiden und Stress verdankt, könnte zweifellos nicht so erfolgreich sein, wenn sie nicht der Komplizenschaft jenes präkarisierten Habitus fände, die eine solche Unsicherheit ständig erzeugt (…) durch (…) die aus höchsten Stellungen durch Prekarisierungen gefügig gemachten Reservearmee..." (Blätter für deutsche und Internationale Politik. 8/ 2015. S. 52.)

1998, wie geschrieben. Bourdieu ist seit 13 Jahren tot:

Rechtsradikale Idioten und Verbrecher zu verfolgen, ihre strukturell verdummten Befürworter zu reglementieren, keine Frage.

Die Menschen , die teils selbst nicht wissen, was 'Empathie' für andere Menschen bedeuten kann, als 'Pack' zu disqualifizieren, ist allerdings unterste Schiene von 'oben'.

Die lesen nicht Bourdieu oder die letzten hochheiligen Autoren der SZ, der FR der WELT etc., die lesen wahrscheinlich gar nix ausser eventuell BILD oder irgendeinen Dreck im Internet, und das auch nur selektiv.

Das kann man ihnen allerdings nicht vorwerfen, in einem freien Land. Die meisten 'Intellektuellen' lesen ja auch nur das, was sie lesen wollen.

Doch dass sowas letztendlich eventuell wieder zu Lasten der Allerschwächsten gehen könnte, den aktuell existentiell Bedrohten ?

Darwin live ?

Man fasst es nicht...

 

Nachtrag (heute früh, 2.9.):

Ich gebe es zu, ich ringe selbst wie selten mit der Thematik und den vermeintlich 'richtigen' Worten, der Gratwanderung zwischen linker politischer Correctness und einer angemessenen Reaktion auf Interessen bestimmter Wirtschaftslobbyisten, die sich, gebrieft durch ihre hochbezahlten 'Berater', momentan angesichts des Flüchtlingsthemas auffälilig zurückhalten, während in 'normalen' Zeiten jeder Fatzke dieser Coleur stundenlang  bei Illner und co. das Friseursalär von 3,50 Euro im Osten der Republik  etc. pp. gegen den Mindestlohn vehement verteidigte : man kann es wohl tatsächlich nur angehen, - im Sinne von 'Auf auf, zum Kampf...' (J.K.), unverdrossen...

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 02. September 2015 um 00:37 Uhr  

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