Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Der 23. Oktober des Jahres 1955

Der 23. Oktober des Jahres 1955

E-Mail Drucken PDF

Ein fast vergessenes Stück Deutscher Geschichte, das Stück endete am 23. Oktober des Jahres 1955.

In die Geschichte geht dieses Datum ein als der Tag an dem die kleine Wiedervereinigung begann, am 23.Oktober des Jahres 1955 fand im Saarland die Volksbefragung statt. Deutschland nach der Konferenz von Potsdam war nicht nur in 4 Zonen aufgeteilt worden, sondern man verschob auf der Landkarte von Mitteleuropa Polen in Richtung Westen.

Damit begann die Aussiedlung der Deutschen in den Provinzen jenseits von Oder und Neiße.

Eine ganz andere Situation entstand um Stettin, die zuvor von den Sowjets eingesetzte ihnen treue deutsche Stadtregierung musste die Amtsgeschäfte innerhalb von wenigen Tagen der polnischen Stadtregierung übertragen.

Die erste und zahlenmäßig größte Menge von Vertriebenen musste die damalige sowjetische Zone aufnehmen, man schlug den nördlichen Teil der Provinz Ostpreußen der UdSSR zu.

Innerhalb der Westzonen gab es aber ebenso verzwickte und durchaus verschiedene Wege.

Ein Beispiel dazu war die Unterteilung in der britischen Zone, hier unterhielt die London treue polnische Westarmee ihre eigene Zone.

Dessen Hauptstadt der Ort Haren an der Ems wurde, die Stadt musste 1945 von Deutschen geräumt werden, so dass die poln. Westarmee die zuvor befreiten Zwangsarbeiter aus den Moorlagern verpflegen und betreuen konnte.

Die Stadt Haren an der Ems erhielt kurzzeitig den Namen der galizischen Stadt Lemberg, man nannte sie auf poln. Lwow.

Eine polnische Stadt die nun in der UdSSR lag, damit entwickelten sich die ersten Auseinandersetzungen unter den Siegermächten, aus Lwow an der Ems wurde bis zum Jahr 1948 die Stadt Maczkow.

Das ist ein Teil der Geschichte, an der Nordseeküste teilte man sich die Überseehäfen untereinander auf, Bremen und Bremerhaven kamen zur amerikanischen Zone, Hamburg und Cuxhaven zur britischen und Emden wurde kurzzeitig der polnischen zugeschlagen.

Im Südwesten Deutschlands war die Lage anders, die französische Zone umfasste zwar das heutige Bundesland Rheinland- Pfalz sowie den Staat Baden, das Saarland wurde ein französisches Protektorat.

Das hatte eine eigene Regierung und bekam eine eigene Verfassung, wurde aber ins französische Zollwesen eingegliedert.

Mit der Währungsreform im Jahr 1947 wurde an der Saar aus der Mark der Franken, man prägte eigenes Geld und unterhielt eine eigene Postverwaltung.

Das Saarland wurde somit französisches Währungsgebiet, politisch war die Regierung des Saarlandes selbstständig und das Saarland wurde im Jahr 1950 in den Europarat aufgenommen.

Ende des Jahres 1953 kam es zur Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz zu den Fußballspielen, Deutschland gegen das Saarland, das wiederum damals von keinem geringen als Helmut Schön trainiert wurde.

Die Entstehung von politischen Parteien im Saarland verlief ebenso wie in der Bundesrepublik, nur trugen die an der Saar etwas andere Namen, mitunter war man in den Parteizentralen in Saarbrücken und Bonn nicht immer einer Meinung.

Es gipfelte da bereits, wo man den damaligen christlich Sozialen Ministerpräsidenten des Saarlandes Hoffmann vorwarf, die Grundrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit einzuschränken.

Hoffman und seine konservative Regierung tat alles um das zu unterbinden was einer Teilautonomie unterlief und was sich gegen die wirtschaftliche Verknüpfung zu Frankreich aussprach.

Das wiederum wurde in Bonn von fast allen Parteien an den Pranger gestellt, das Saargebiet wurde also zum Prüfstein eines neuen Verhältnisses zu Frankreich.

Man befürchtete in Bonn die endgültige Herauslösung des Saargebietes aus dem deutschen Staatsgebiet.

In Bonn nahm Adenauer den Kontakt zur Regierung in Saarbrücken auf, im Rahmen der Pariser Verträge im Jahr 1954 beschloss man den Saarstatus.

Dieser Saarstatus sah eine Europäisierung des Saarlandes vor, das hieß: Ein Kommissar der Westeuropäischen Union sollte das Saarland außen vertreten und die Regierung in Saarbrücken die Innenpolitik übernehmen.

Voraussetzung für diesen Saarstatus war die Volksbefragung an der Saar am 23. Oktober 1955.

Drei Monate zuvor eröffnete man hier einen an Heftigkeit und Auseinandersetzungen bisher noch nicht erlebten Wahlkampf, die Saarregierung tat alles um Politiker und Plakate aus dem Bundesgebiet fern zu halten.

Am 3. September allerdings schlossen sich im Saarland prodeutsche Parteien zum Deutschen Heimatbund zusammen, dessen politische Aussage es war, mit einem Ja zu dem Referendum bleibt es so wie es ist nur unter europäischer Verwaltung, mit einem Nein würde man eine Annäherung zur Bundesrepublik erreichen.

Da entzweiten sich sog. Bruderparteien- man war in Saarbrücken anderer Meinung als in Bonn.

In Bonn war man der Meinung, eine Annäherung an die Bundesrepublik steht nicht zur Abstimmung auch wenn Adenauer dazu Hoffnungen schaffte.

An der Abstimmung am 23. Oktober nahmen 96,6% aller Abstimmungsberechtigten teil und davon stimmten 2/3 mit einem Nein.

In Paris respektierte man das Ergebnis und bot der Regierung Adenauer Verhandlungen an, am 27. Oktober 1956 endeten diese Verhandlungen mit dem Vertrag von Luxemburg.

Es vollzog sich eine politische Wiedereingliederung des Saarlandes zum 1. Januar des Jahres 1957.

Wirtschaftlich blieb allerdings das Saarland noch bis zum 6. Juli 1959 französisches Zoll- und Währungsgebiet. -

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 09. September 2015 um 14:19 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 335
Beiträge : 5750
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 14243981

Verwandte Beiträge