Mein Herz schlägt links

Initiative linker SozialdemokratenInnen in der SPD

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Neuigkeiten Das Manifest: Rettet den Kapitalismus oder auch nicht.

Das Manifest: Rettet den Kapitalismus oder auch nicht.

E-Mail Drucken PDF

 

 

 

Rettet den Kapitalismus oder auch nicht.

Jürgen: Rückwirkend betrachtet, nachdem ich mich bereits einige Jahre aus dem aktiven Berufsleben verabschiedet habe, kann ich sagen: Die Ökonomisierung all meiner Gedanken im Beruf wurde zu einem Laster für mich.

Ich war jahrelang fixiert auf den Kosten/ Nutzen Effekt, was sich beruflich einerseits erfolgreich niederschlug, hemmte doch andererseits meine Gedanken.

Die ökonomische Fixierung befreit nicht, sondern belastet den Menschen und von dieser Last träumte ich mich zu befreien.

Wieso es eigentlich dazu kam, dass ich zu dem Menschen wurde der stets Ausgaben und Einnahmen fixiert war, der sich bewusst war von meinen Entscheidungen hängt das Wohl oder Übel von mehr als 10 Mitarbeitern ab - es war eigentlich ein Zufall.

Nur kann das nicht das Ziel eines Menschen sein, der sein Leben gestalterisch genießen möchte, der das Erlebte verarbeiten möchte und der Pläne hat.

Es geht also gegen das Diktat der Ökonomie in unserem Leben, dem sollte man sich erst einmal bewusst sein.

Peter: Mein Leben hatte ganz andere Perspektiven, als nur dem "schnöden Mammon" nachzulaufen, ich war ja schon früh mit der "Kunst" in Berührung gekommen, auch von elterlicher Seite.

Die ökonomische Frage war aber dennoch immer zentral im Raum, weil das Überleben ja eine gewisse Pflichterfüllung bedeutete, Konsequenz im Versuch Geld zu verdienen.

Die Kosten/Nutzen-Rechnung stand erst an nachgereihter Stelle.

Im Vordergrund eher die Produktivität, die auch oft genug mit leerem Portefeuille stattfand, gerade dadurch aber, innerlich, auch eine ernsthafte Bedeutung erlangte.

Vielleicht ist auch ein bisschen Wahrheit darin zu suchen, dass ein satter Magen keine Kunst machen konnte, weil der Magen das ganze Blut beanspruchte.

Ein Leben als "Freischaffender" ist nicht von monetären Wolken getragen, obschon das pekuinäre Überleben manchmal auch durchaus hart war.

Aber, wie schon das alte Sprichwort sagt: "Ein bisserl was geht immer" und letztlich war es die Erfüllung durchs Schaffen, die mir den Weg leuchtete.

Jürgen: Kommen wir direkt zu dem Thema, das da heißt: Wo die Ökonomisierung durch den Kapitalismus Spuren hinterließ.

Ich komme mal zurück ins Jahr 2000, im Frühjahr des Jahres wollte meine Nichte, dass ich sie besuchen sollte.

Die leitete gerade ein Seminar im Sommercamp der Nikolaus Kopernikus Uni in Bachotek im Ermland.

Ein Thema war die Wiederentdeckung des Oberländischen Kanals, der mittels der schrägen Ebenen von Ostroda zum Haff führte.

Bei einer Fahrt zu diesen „schrägen Ebenden“, die man hier anstatt der Schleusen einsetzte fand ich zu einem von „Gott verlassenem Dorf“.

Dort wohnten allerdings noch Menschen, Menschen die der Kapitalismus der neuen Zeit vergessen hatte.

Mit denen kam ich ins Gespräch, es waren überwiegend ältere Menschen die hier fast zum Selbstversorger wurden.

Zudem fanden sich neugierige Kinder ein, das ist immer so und erinnerte mich an Spanien im Landesinneren 1970, damals riefen die Kinder mir nach „ Americano- Zigarettes“.

Zu mir kam ein etwas Älterer und der stellte mir eine Frage: „ Jetzt haben wir hier den Kapitalismus und früher hatten wir hier den Kommunismus. Was war eigentlich besser?“

Erstens war ich auf diese Frage nicht vorbereitet, fand sie aber trotzdem berechtigt und musste mit ihm ein Bier mir teilen.

Dieses was ich erlebte, stellte ich am Abend den Studenten zur Diskussion, von denen winkte bereits ein Teil ab.

Der Stellvertretende Bürgermeister antwortete: „Unweit dessen befand sich mal ein staatliches Sägewerk, die Mitarbeiter wohnten dort.

Teile des Sägewerkes überlebten die Wende nicht, Anlagen wurden demontiert und verkauft.

Die Jüngeren und die Fähigen machten sich auf, fuhren in den Westen, zurück blieben jene, die ich dort dann sah.“

Darauf gab es keine Reaktion unter den Studenten, das musste also normal sein- für mich war es nicht normal.

Ein paar Tage später machte ich mich auf den Weg nach Ostroda, mein Ziel war das evangelische Pfarrhaus.

Der Pfarrer zeigte Interesse für mein Anliegen, sagte mir jedoch auch- „bei der aggressiven Stimmung die dort vorliegt, käme man kaum mit den Menschen dort ins Gespräch.“

Keiner sagte mir, weshalb die Menschen dort so aggressiv seien und das wiederum machte mich nachdenklich.

Peter: Das Thema berührt genau diejenigen, die dieser rasende Turbo- Kapitalismus hinter sich gelassen hat.

Es war ja auch "bei uns" früher mal ganz anders, da nannte man das Kind "soziale Marktwirtschaft".

Die Aufgabe war, den unverhältnismäßigen Wildwuchs im kapitalistischen System zu verhindern, gewisse Formen einer wirtschaftlichen Entgleisung gar nicht erst zuzulassen.

Dann kam die Zeit der Auflösung dieser sozialen Marktwirtschaft, um die Grenzen des "Machbaren" aufzuweichen und schließlich völlig zu beseitigen.

In Folge kamen dann die allbekannten "feindlichen Übernahmen", die zurecht gefürcheten "Hedgefonds" und die "Heuschrecken", die dann über alle Länder der Erde herfielen.

Es war nicht genug, dass man nun alles kahlfressen konnte, da wurde jeder auch nur mögliche Gewinn-Cent, aus dem Boden, der Luft, aus der Nahrung und auch aus den Menschen gepresst.

Heute haben wir Debatten, im Parlament, wo um die Freigabe unseres WASSERS gekämpft werden muss !

Die einschlägig bekannten Firmen wollen Monopole auf ihr Hybrid- Saatgut durchsetzen und teilweises ist es diesen Verbrechern auch schon gelungen.

Die Selbstmordrate unter den ärmsten Bauern spricht eine eindeutige Sprache.

Der Ausverkauf der Welt, aller Welten hat begonnen, es geht ums Geld, ums Geld und nochmals ums Geld. Empathie, Menschlichkeit, Gemeinsamkeiten, Solidarität gibt es nur mehr als "goodwill".

Wir alle wissen, wie die Prozentzahlen aussehen, die die Verteilung des Reichtums auf dieser Welt veranschaulichen.

Es herrscht eine unbegreifliche Ungleichgewichtigkeit, wie sie auf diesem Planeten noch kaum zuvor existiert hatte.

Oder besser, wenn solcherlei Ungleichgewicht herrschte, kam es über kurz oder lang zu Meuterei, zu Aufständen, zu Revolutionen.

Die Menschen ertragen solche massiven Einbrüche in ihren Lebensbedingungen nicht lange. Ich fürchte, wir steuern auf solche aufständische Zeiten zu.

Und wenn das passiert, dann Gnade jeder Gott denen, die teilgehabt hatten, am Raubbau, an der Ausbeutung der Bedingungen, der Menschen.

Ich gebe zu, das macht mir Angst.

Denn so gut beschützt kann man gar nicht sein, als dass die dann entfesselte Masse, in ihrer berechtigten Wut, nicht alle Bollwerke überrennt.

Den "Kapitalismus" zu retten, wenn er denn verdient hätte gerettet zu werden, könnte nur geschehen, wenn wir dem Monster wieder Zügel anlegen und es in einem begrenzten Raum, sprich, in einer Art Käfig halten.

Den Dialog führten Peter J. Gnad und Jürgen Krüger

Zuletzt aktualisiert am Montag, 14. September 2015 um 02:30 Uhr  

Wahlkampf

Erneuerbare Energien

Statistiken

Benutzer : 342
Beiträge : 5695
Weblinks : 145
Seitenaufrufe : 13374131

Verwandte Beiträge