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Ciao, Mittelwelle

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Und damit ist nicht der aktuelle Trend in der SPD, der Partei des 'starken Sowohl als auch' (Sigmar Gabriel), gähn, gemeint, sondern was ganz profanes: Am Jahresende stellt mit dem Deutschlandfunk der letzte nationale Radiosender, der noch auf Mittelwelle 'funkt' (sic), den diesbezüglichen Sendebetrieb ein.

 

Weitgehend unbemerkt von einer augenscheinlich desinteressierten Öffentlichkeit geht damit das analoge Zeitalter des Radios in die Zielgerade, Rainer Kampmann, Verwaltungsdirektor des DLF, prophezeit im aktuellen DeutschlandradioMagazin, dass auch der noch 'alltäglichen' Ultrakurzwelle in spätestens zehn Jahren das Totenglöckchen schlägt, DAB, DAB + und dem Netz geschuldet.

Man mag das bedauern, doch nach der weitgehenden Eliminierung von Kurz- und Langewelle dürfen nicht nur 'Star- Wars'- Fans in Nostalgie schwelgen, die in wenigen Tagen die Kinos füllen werden, sondern auch mal eine kleinere Klientel, die in den, in diversen athmosphärischen Störgeräuschen assimilierten Hörgewohnheiten ihre medientechnische Radiosozialisation erfuhren, als es lediglich drei Fernsehsender gab, und den Sendeschluss gegen Mitternacht...

Somit den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts,- nachts blieb 'der' Jugend die Musik der BBC, von Radio Luxemburg und für eine gewisse Zeit die der 'Piratensender', die von Schiffen auf der Nordsee kurz hinter exterritorialen Grenzen Stimmung senden durften...

Insbesondere Radio Luxemburg u.a. unter der Programmägide eines gewissen Frank Elstner sorgte für eine gewisse Hochkonjunktur in der damals noch europäisch dominierten Unterhaltungselektronik (Phillips, Schaub- Lorenz, Grundig etc.) mit 'Radio Luxemburg- Taste', einer Art prähistorischer Vor- Google- Installation.

Kein Wunder, war das Musikprogramm doch teils unterirdisch, flottere Sender wie der spätere HR 3 noch meilenweit entfernt (Eins Live begann seinen Sendebetrieb übrigens Mitte der 80er mit einer Liveübertragung eines Rolling Stones- Konzerts, die damals alles andere als 'cool' waren und erst Jahre später ihren heutigen Heiligenschein vom Zeitgeist übergestülpt bekamen ).

Pioniere zeitgemässer Radioshows waren Hanns Verres vom Hessischen Rundfunk und später Mal Sondock beim WDR, die mit ihren 'Hitparaden' (obwohl von ihrer Zielgruppe altermässig damals schon meilenweit entkernt) doch Aönen- weiter vom gleichzeitig im ZDF agierenden Dieter Thomas Heck entfernt waren.

Nun gut, es gab in der ARD den kultigen 'Beat- Club', Sendungen wie 'Baff', aber das war eine andere Schiene... Fernsehen eben.

Ob es Aufzeichnungen von den Sendungen Hanns Verres',gibt, glaube ich nicht.

Wenn ja, wäre es toll, diese zu veröffentlichen. Seine sarkastischen Kommentare (die ich nicht verstand, aber irgendwie 'wichtig' klangen) sind mir heute noch in sphärischer Erinnerung, ich stellte mir ihn (als ca. 10 Jähriger) als eine Mischung aus Heinz Erhardt (den jeder kannte) und einem Onkel vor, der Adorno ähnlich sah, was ich damals natürlich nicht wusste.

Der Onkel ist lange tot, Adorno auch, aber sie sahen sich ähnlich, was wohl an den üblichen Hornbrillen gelegen haben könnte, dem anzugsmässigen 60er Jahre Outfit etc.

Eingefräst in das Hirn eines ca. 10 Jährigen hat sich eine Hitparade um 1970 (Donnerstags, HR 1).

Platz sowieso war irgendwas von Heintje, der folgende Hit hiess 'Black Dog' von Led Zeppelin. Krass, und alles ausgespielt.

Mittelwelle- Review, wie gesagt:

Erinnerungen kommen dazu, ca. vier Jahre später. Angeln nachts auf dem nordhessischen Edersee, mit Vater und seinem Arbeitskollegen, kleines Ruderboot, kleines Mittelwellenradio- plötzlich lief da 'Band on the run' von Paul McCartney und den Wings. Vollmond und die Ermahnung, leiser zu stellen, Hecht hört mit.

Und die Zahlen repetierende Frauenstimme, die monoton 12, 7, 20, 45 etc. in den Äther postete, auf MW unter der Bettdecke gehört, - später erfahren, dass das Codes aus Moskau für irgendwelche Ostspione in Westdeutschland gewesen sein sollen.

Letztendlich 1990 der Kreta- Urlaub, wo das Mittelwellenminiradio seine allerletzte Funktion erfuhr, kurz vor der MP3- Ära: Man sass auf der Terasse nachts irgendwo, Meeresrauschen, Zikadenzirpen, Hundebellen, der übliche Mittelmeersound damaliger Jahre, rauchte noch eine - igitt-, und drehte am besagten Radio durch die Mittelwelle: Knarz, irgendwelche exotischen Stimmen, Musikfetzen, Gewitterstörungsgeräusche...

Dann, Roberto Blanco singt irgendwas- belustigte Kommentare der Anwesenden, Roberto Blanco?

Kurz danach eine deutsch radebrechende Frauenstimme, sinngemäss: 'Der Freund aller Völker, Saddam Hussein, gibt bekannt:...' Was genau, hat sich keiner gemerkt- Honeckers' Platitüden sind ja auch nie ins kollektive 'deutsche' Bewusstsein gelangt, oder ?

Wie gesagt. 1990. Auf Mittelwelle.

Nicht so wichtig. Aber auch schon ein bisschen Zeitgeschichte...

Danke, analoges Radio...

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 17. Dezember 2015 um 02:22 Uhr  

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