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Das erzogene Volk! (...oder die rechte Tradition des Bürgertums)

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Auf den ersten Blick

 

Auf den ersten Blick mag es uns verwundern, dass ein Kontinent der durch die Jahrhunderte so viel Unterdrückung durch Monarchen, Eliten und Diktatoren erfahren hat, so bereitwillig Freiheit für vermeintliche Sicherheit opfern will.

Doch bei genauer Betrachtung vieler bürgerlichen Lebensläufe stellen wir fest das unser Wertesystem nicht auf Freiheit, sondern auf Disziplinierung beruht.

Bereits von Kindesbeinen an müssen wir erfahren das Recht und Regeln an das Interesse des Stärkeren gebunden sind.

Wer gegen dieses Recht des Stärkeren verstößt muß bestraft werden.

So ist es also nicht verwunderlich, dass in einer Gesellschaft in der Kinder von ihren Eltern krankenhausreif geschlagen werden, katholische Familienverbände immer noch in vielen Ländern auf das Recht bestehen, das erzieherische Schlagen zur Unterwerfung Schutzbefohlener einsetzen zu dürfen, oder der Glaube an die gesunde Ohrfeige noch fest verwurzelt ist.

Was in der häuslichen Erziehung begann, fand bis in die 70er noch im schulischen Bereich seine Fortsetzung. Maßnahmen wie dem Tatzen (schlagen auf die Hand), oder ziehen an den Haaren waren ebenso üblich wie das in der Ecke (am Pranger) stehen oder das kollektive Nachsitzen wenn die Mitschüler nicht bereit waren einen vermeintlichen oder tatsächlichen Übeltäter zu denunzieren.

Zugegeben oft war es eher die Angst vor dem Stärkeren als wahrer Edelmut.

Aber auch hier lernten wir das Recht jenseits des eigenen Empfindens als Recht des Stärkeren zu definieren.

Dieses System der strikten Überwachung und der Maßregelung sollte uns auf ein Leben vorbereiten, in dem uns immer wieder die widerspruchslose Unterwerfung abverlangt werden wird.

Die schwäbische Kehrwoche passt hier ebenso ins Bild, wie die Hartzgesetze dieses Jahrhunderts.

Überwachen, wegducken, denunzieren, das sind zwangsläufig die Früchte einer solchen Logik.

Ebenso wie die Angst vor Neuem, fremden Kulturen oder die Infragestellung unserer Regeln!

Einer Gesellschaft die gelernt hat blind auf Regeln zu vertrauen, ist aber nur sehr bedingt Toleranz oder Flexibilität abzuverlangen, denn der anerzogene Gehorsam führt jetzt bei jeder Veränderung zu einer Überforderung und damit zu einer Frustration. Da ein solcher Bürger meist nicht über das Selbstbewusstsein verfügt sich gegen seine Zwänge aufzulehnen, muß er seinen Konflikt verleugnen bzw. an Dritten abarbeiten.

Sein Verlangen nach Abschiebung des vermeintlich kollektiv kriminellen Ausländers, der Bestrafung des foulen Hartz IV Empfängers, oder der Züchtigung eines seiner Meinung nach verzogenen Kindes spiegelt dieses Verlagen nach Sicherheit ebenso wieder, wie seine systematische Verklärung der Vergangenheit.

Es ist also nicht weiter verwunderlich wenn dieser Bürger nun in einer Zeit der wirtschaftlich - und sozialen Unsicherheit nicht nach Freiheit, sondern nach Geborgenheit sucht.

Denn die Freiheit hat man ihm ja von Kindesbeinen an bereits aberzogen!
P.S.: Vielleicht sogar eine Geschichte wie meine...

http://www.amazon.de/Meines-Vaters-Sohn-Leben-Arbeiterkindes/dp/3739228644/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1461504787&sr=1-1&keywords=9783739228648

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 24. April 2016 um 13:36 Uhr  

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