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EM 2016-Angriffe auf Europa!

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Auf den ersten Blick wirkt es unverständlich, dass ausgerechnet jetzt eine scheinbare „Elite“ von russischen Hooligans in Frankreichs Straßen Angst und Schrecken verbreitet haben und dabei von Teilen der russischen politischen Elite und leider auch einer breiten Front russischer Medien unterstützt wurden.

Irgendwie schien doch Tauwetter zwischen dem Westen und Russland in greifbare Nähe gerückt zu sein, als Obama und Putin sich zuletzt über den Syrien-Einsatz angenähert hatten.

In Brüssel dachte man laut darüber nach, die Sanktionen gegen Russland zu lockern und Berlin schien von dieser Idee durchaus angetan zu sein.

Das Auswärtige Amt schwimmt schon seit Längerem auf dieser Linie.

Ob es auch ein Politikum ist, dass englische Fans die russischen Hooligans zum Straßenkampf provoziert haben, lässt sich derzeit schwer sagen, aber gewaltbereit waren die genauso, wie die etwa 300 ostdeutschen Neonazis, die wenig später in Lille Jagd auf Ukrainer machten.

Die Russen spielten allerdings eine Sonderrolle, weil sie von einflussreichen Funktionären, Medien und schließlich sogar dem Vize-Präsidenten der russischen Staatsduma, Igor Lebedew für ihre brutalen Taten gelobt wurden. Das war einfach zu viel.

Am Ende gab es Sanktionen gegen den russischen Fußballverband und die anderen beteiligten Bösewichte aus England, Deutschland und Frankreich kamen relativ glimpflich davon. Ein Exempel wurde statuiert und das war, politische Verwerfungen hin oder her, vor allem durch die unkritische Unterstützung der Gewalttäter aus Russland provoziert worden. Immerhin hat wenigstens Lawrow die Ausschreitungen scharf kritisiert, während Wladimir Wladimirowitsch einfach schwieg.

Russland gibt sich beleidigt

Ob es nun das längst geplante Nato-Manöver ist, dass den Polen und Balten eine trügerische Sicherheit durch ihre Nato-Mitgliedschaft vorgaukeln soll oder ob die unzähligen Artikel in den amerikanischen Leitmedien, die den Zusammenbruch des Putinismus in nächster Zeit voraussagen oder schließlich die tatsächliche, wirtschaftliche Misere, die an Russland nagt und zunehmend Unzufriedenheit bei den Russen verursacht, ist schwer zu sagen. Russland aber sieht sich als Benachteiligten und Angegriffenen und stößt derzeit mal wieder die bösesten Verwünschungen gegen die Europäer aus.

Tatsächlich aber wirkt das russische Spiel mit der Gekränktheit nicht weniger suspekt, als das Verhalten des türkischen Autokraten Erdogan und seiner Anhänger anlässlich der Armenien-Resolution des deutschen Bundestages. In beiden Fällen meint man eine Doppelstrategie zu erkennen, die Außen- und Innenpolitik aufs heftigste vermengt.

Russische Doppelstrategie gegenüber Europa ähnelt der Türkischen

Ähnlich wie Erdogan hat Putin noch nie etwas dagegen gehabt, wenn Europa als weiche, degenerierte und verächtliche politische Struktur dargestellt wird, die mit dem eigenen, kraftstrotzenden Land nicht im geringsten konkurrieren kann, während man auf der anderen Seite versucht der EU Privilegien und Zugeständnisse abzuringen und sich dabei hinter den Kulissen deutlich geschmeidiger gibt.

Diese Doppelstrategie wirkt auf den ersten Blick wie eine außen-innenpolitische Melange, mit der vor allem das eigene Volk beruhigt werden soll. Auf den zweiten Blick aber erkennt man auch eine echte außenpolitische Doppelstrategie, in der alles versucht wird, Europa zu destabilisieren, während man gleichzeitig von Brüssel Abbau der Sanktionen und Reisehindernisse sowie wirtschaftliche und politische Zugeständnisse fordert. Diese Strategie ist im Falle Erdogans auf Erpressungsmacht in der Flüchtlingskrise und im Falle Putins auf Erpressungsmacht in der Ukraine-Krise gegründet. Weder Ankara noch Moskau können ernsthaft darauf hoffen, dass in Brüssel dieses doppelte Spiel nicht durchschaut wird.

Wenn Erdogan deutsche Politiker gleichzeitig mit Mord bedrohen lässt, ist das eindeutig ein Kalkül, dass auf Destabilisierung Deutschlands über das Ausspielen von türkischer Minderheit gegen erboste Deutsche setzt. Der soziale Frieden soll möglichst stark gestört werden.

Wenn Putin seinen Schlägern, die dem Kreml alle bestens bekannt sind und geheimdienstlich jederzeit lokalisiert werden können, Vorzugsvisa nach Frankreich verschafft, damit sie in dem sozial derzeit unfriedlichen Land (in dem die Gewerkschaften gegen das neue Arbeitsgesetz immer härter vorgehen) weitere Radikalisierung und Destabilisierung erzeugen, ist dies exakt das gleiche Kalkül. Der soziale Frieden soll möglichst stark gestört werden.

Bezeichnend für die russische Strategie gegen Frankreich ist vor allem die Wahl des Anschlagsortes rechter russischer Schläger. Marseille ist ein Ort sozialer Spannungen, der durchaus jederzeit explodieren kann. Die Polizei wäre im Falle einer Ausweitung der Krawalle schnelle überfordert gewesen, da sie derzeit an vielen Orten gleichzeitig löschen muss.

Ein kalkulierter Anschlag des Kremls gegen Frankreich erscheint also sehr wahrscheinlich, wobei perfider Weise die Gegenwehr der französischen Polizei derzeit in fast allen russischen Medien als Unterdrückung friedlicher russischer Fußballfans konterkariert wird. Das bekommen derzeit viele Leute in Europa mit, was die Wut auf die Russen, und zwar nicht nur auf ihre Hooligans, noch verschärft.

Auf diese Weise verabschiedet sich das Riesenland gerade endgültig von der europäischen Bühne. Ein Trauerspiel und ein ganz Barbarisches dazu.

Und die anderen?

Die Engländer, die voll auf die Russen eingestiegen sind und immer noch rauflustig durch Lille ziehen, vollziehen gerade eine besondere Art von Brexit. Möglicherweise denken die ja, dass sie nach dem Referendum einfach die Anker heben können um ihre Inseln mit dem nächsten Wind nach Amerika zu segeln? Auch wenn der Brexit in erster Linie ein innenpolitisches Drama ist, in dem eine Hälfte konservativer Gestriger in der Bevölkerung nicht verstehen können, das GB nur dank europäischer Rollenteilung aus der verheerenden Massenarbeitslosigkeit der achtziger und neunziger Jahre wieder herausgekrochen ist. Die Engländer werden die wirtschaftliche Enttäuschung nach dem Brexit ziemlich hart zu spüren bekommen. Dann werden sie wohlmöglich noch mehr Holligans nach Europa schicken wollen, die dann allerdings nicht mehr reingelassen werden.

Und die Deutschen? 300 gewaltbereite Neonazis in Lille, sind schon eine recht böse Ansage an die Franzosen. Die kommen zwar alle aus Ostdeutschland, das ein gestörtes Verhältnis zu Frankreich hat, (dort gibt es, aus völlig schleierhaften Motiven, eine überdurchschnittliche Zahl von Frankreichhassern) aber es sind eben leider Deutsche, die durchgelassen wurden, obwohl wir jede Menge gesetzliche Grundlagen haben, solche Typen notfalls im Gefängnis sicherzustellen, bis die EM vorbei ist. Ein Armutszeugnis, das wohl erneut unserem rechtslastigen Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen anzulasten ist. Da ist offensichtlich noch immer nicht aufgeräumt worden.

An dieser Stelle also auch noch eine Botschaft an die ostdeutschen Verfassungsschützer. Die Aufgabe dieses Organs liegt nicht darin, den demokratischen Staat rechtsradikal zu unterwandern, sondern darin ihn vor Extremisten jeder Art zu schützen.

Compris?

Zuletzt noch die Botschaft an Moskau und Ankara. Außer ein paar Idioten, werden sich die westeuropäischen Gesellschaften euren pubertären Destabilisierungsversuchen wohl kaum beugen. Die osteuropäischen Gesellschaften wohl auch nicht. Am Ende will man nach der Sowjetunion dann doch keinen Rechtsradikalismus mit russischer Unterstützung haben und gegenüber Moslems scheinen die Osteuropäer sowieso eher negativ eingestellt zu sein.

So what? Weitermachen mit dem Unsinn? Oder langsam vernünftig werden?

Ein starkes und liberales Europa könnte eigentlich auch den Türken und Russen nützen. Warum also so verbohrt?

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 18. Juni 2016 um 02:20 Uhr  

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